Toni Innauer

Einen Männerbeauftragten für den alpinen Skizirkus!

Einen Männerbeauftragten für den alpinen Skizirkus!

Der ÖSV stellt seinen Sportlerinnen mit Petra Kronberger eine „Frauenbeauftragte“ zur Verfügung.

Ich fordere – ohne Hoffnung auf Erfüllung – einen internationalen Männerbeauftragten, der das testosteronreichere Geschlecht vor sich selbst und seinen „hell of a ride“-Mythen schützt. Gefährlich ist es immer nur für die Fahrer. Gelebt und zelebriert wird der übersteigerte Männlichkeitswahn aber vom ganzen Umfeld der Streif. In der hochgefahrenen Stimmung scheint die verwegene Tollkühnheit der Rennfahrer auf alle Beteiligten überzuschwappen. Ergraute Funktionsträger und Zuschauer fühlen sich angesichts der kraftstrotzend dampfenden Abfahrer und in leibhaftiger Gegenwart der zigarrenrauchenden austro-amerikanischen Ikone dieses Lebensgefühls, wie in einem Jungbrunnen der Männlichkeit. Das sind keine optimalen Voraussetzungen, um die Sicherheit der Athleten zu gewährleisten und wenn notwendig, unpopulär aber richtig zu entscheiden. Der Zwang, auf keinen Fall für ein Weichei gehalten zu werden und unter allen Umständen die Pose des kühnen Cowboys beibehalten zu müssen, spaltet Männer von ihrem Gefühl ab und lässt sie schlechte oder zu späte Entscheidungen treffen.

Es gibt Gesellschaften, die dieses gefährliche Verhalten hoch belohnen, der Spitzensport und im Besonderen der Alpine Skirennsport zählen dazu. So starten Sportler trotz unkalkulierbarer Bedrohung. Verantwortliche verdrängen ihre Bedenken und unterdrücken ihr inneres Alarmsystem, und dürfen sich, um die Athleten nicht zu verunsichern und um ihren eigenen Nimbus zu wahren, „nichts anmerken lassen“.

Nach der Sturzorgie vom Hausberg dominieren rein technische Lösungsvorschläge vom Flutlicht bis zur Neonfarbe und entbehrliche Aussagen, wie „Live is hard in the mountains!“ Selbstzweifel sind seltener als das nur dürftig verstecktes Schielen auf den einmal mehr gepushten Streifmythos .

Erfreulicherweise regen sich am Ende der testosterongesteuerten Verantwortungskette, dort wo die eigenen Knochen und nicht Macho-Getue zu Markte getragen werden, ein paar echte Männer mit Problembewusstsein.

Weil sie ihre Schneid schon hundertfach bewiesen haben, sagen einige, ohne Rücksicht auf den zweifelhaften Branchencodex, was Sache ist. Marcel Hirscher rutschte heraus, dass „es jetzt wirklich genug“ wäre. Jansrud fordert, dass man den Mythos Streif nicht auf Kosten der Athletengesundheit ausbauen soll. Athletensprecher Hannes Reichelt kritisiert gar Trinkl und Waldner. Er nennt in bewundernswerter Ruhe „Ross und Reiter“ und zeigt auf die Spitze des Eisbergs einer gefährlichen Eigendynamik.

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