Toni Innauer

Die internationalen Superadler …

Die internationalen Superadler …

… fliegen mit Ausnahme der Slowenen alle mit österreichischer Unterstützung. Rot-weiß-rot ist nicht nur im Trainergeschäft ein Exportschlager, sondern auch als Eigenmarke voll dabei im Kampf um Spitzenplätze. Das österreichische Skispringen hatte die Rücktritte der Superadler Morgenstern, Loitzl und Koch und die Formkrise und Kunstpause von Überflieger Gregor Schlierenzauer zu verkraften. Weder der Rücktritt von Cheftrainer Alex Pointner noch die Abwanderung von hochklassigen Trainern wie Schuster, Stöckl, Horngacher und Schallert brachten den befürchteten Zusammenbruch. Auch Finnland mit Andi Mitter und Frankreich mit Co-Trainer Robert Treitinger vertrauen auf österreichische Expertise. Unser Skispringen verfügt über international begehrtes Knowhow aber erfreulicherweise auch über erstaunliche Substanz und Kraft zur ständigen Selbsterneuerung. Der seit Jahren betriebene Geld- und Personalaufwand erklärt bei weitem nicht alles. Die besonderen Wurzeln und das Selbstverständnis unserer Sportkultur reichen vor die wohlbestallte Ära Schröcksnadel.
Vereine, Leistungszentren und Trainingsgruppen sind Quellen und Ausbildungsstrukturen aus denen nicht nur Sporttalente herangespült werden, sondern wo auch Trainer, Betreuer und Führungskräfte wachsen und reifen können. Die Kunst besteht darin, weder in der Anbetung und Verklärung der glorreichen Vergangenheit stecken zu bleiben noch hysterischer Innovations- und Erfolgsgier zu verfallen. Erfolgreiche Kulturen schaffen es, in dieser generationsübergreifenden Dynamik Augenmaß und gegenseitigen Respekt zu bewahren. Das Neue wird im Fundament der eigenen Mythen verankert und die gemeinsame Sache vor dem persönlichen Ego in den Mittelpunkt gestellt.

Robert P. Harrison beschreibt diesen vielgestaltigen Verjüngungsprozess als „kulturelle Neotenie“: Im synergetischen Zusammenspiel der Kräfte der Weisheit und den rebellischen Kräften des jungen Genies können ältere Traditionen auf diese Weise neuere jüngere Formen annehmen. Nicht nur die spezielle Skisprung-Expertise und der Ehrgeiz machen österreichische Trainer im Ausland so erfolgreich, sondern auch ihre Fähigkeit, Umfeld und Sportler zur Mitarbeit zu inspirieren. Zum Wissensvorsprung und dem nur anfänglich schillernden Ösi-Bonus muss noch etwas dazukommen, was auch zu Hause Innovation mit legendärer Historie verwurzelt: Das G’spür zur Herstellung der besonderen Atmosphäre zur Verpflanzung neuer Ideen muss Abstoßreaktionen verhindern, dann kann aktuelles Fachwissen wirksam mit der Substanz länderspezifischer Traditionen und Mythen verknüpft werden.

Euer Toni Innauer

 

Die Kolumne ist am 07.01.2017 in der Tiroler Tageszeitung sowie in den Vorarlberger Nachrichten erschienen!

 

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