Toni Innauer

Erfolg im größten Skisprungmarkt

Erfolg im größten Skisprungmarkt

Die wohl schwierigste Herausforderung unserer „Nationaltrainerexporte“ bewältigt Werner Schuster. 2008 hat er die flügellahmen deutschen Springer übernommen, den ergrauten Martin Schmidt nach allen Regeln der Kunst zurück an den Rand der Weltklasse gecoacht. Als weit und breit kein Talent mit Erlöserqualitäten für den trudelnden Sprungsport auszumachen war, bedankte sich Schmidt in Liberec 09 mit glücklichem WM-Silber in einem windigen Abbruchwettkampf. In der dadurch gewonnenen Schonzeit zog der scharf analysierende Wahltiroler einen nachhaltigen Coup durch. Er warb jenen Sportwissenschaftler ab, der jahrelang und exklusiv für den ÖSV modernste Leistungsdiagnostik und Trainingssteuerung machte. Eine kostspielige Investition, die Österreich ins Mark traf. Man war daran gewöhnt, dass die Trainingsprogramme bei Bedarf geliefert wurden und dabei die ausgelagerte Kompetenz vernachlässigt. Deutschland aber gewann mit einem Schlag wertvolle Vergleichsdaten und höchste Trainingsmotivation. Wie sich dann der grobschlächtige aber emsige Arbeiter Severin Freund unter Werners Fittichen zum ganz Großen im Zirkus veredelte, gehört zu den erstaunlichen Geschichten in der Branche. Und doch stand dem „Schuh“ das Wasser immer wieder bis zum Hals. Verpatzte Vier-Schanzentourneen schafften Unmut und mühsam erkämpfte Teammedaillen führten postwendend zum Wunsch nach Einzelerfolgen und schließlich zur Forderung nach einem „großen Titel“. Seine Springer lieferten: in Sotchi und bei der WM 2015. Oft am letzten Abdruck und immer durch Severin Freund, dessen Totalausfall vor der WM in Lahti den Druck in Deutschland wieder gewaltig erhöhte.

Werner moderiert seine Sportler, die Verbandsobrigkeiten und vor allem die erfolgshungrige Presse in Zeiten der Unsicherheit auch über starke Medienarbeit. Die Verlockung, mit dem „österreichischen Schmäh“ zu punkten, ist ihm fremd, dafür schleicht sich ein fränkisch-bayrischer Einschlag in den Sprachduktus des Kleinwalsertalers. Er weiß, was er transportieren will und sagt gerade heraus, wenn ihm eine Frage nicht passt.

Sein aktuelles Meisterstück für medial flankierter Führungskompetenz liefert er mit Andi Wellinger. Dessen Sturztrauma wurde mit viel Geduld und sportpsychologischem Geschick erfolgreich „überschrieben“. Werner stabilisiert seinen Lieblingsschüler seit Jahren nicht nur in der täglichen Trainingsarbeit, sondern auch indirekt über fordernde und schützende öffentliche Aussagen. Ausgerechnet in Lahti, als es nach Freunds Verletzungen ganz düster zu werden drohte, reifte das Riesentalent zum Siegspringer, der nur von Stefan Kraft zu bändigen war.

 

Euer Toni Innauer

 

Die Kolumne ist am 04.03.2017 in der Tiroler Tageszeitung sowie in den Vorarlberger Nachrichten erschienen!!

 

 

 

 

 

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