Toni Innauer

Erfolg vor Sicherheit!

Erfolg vor Sicherheit!

Foto:  © Denis Junker – Fotolia.com

 

Die Vorschreibungen für das Körpergewicht in Kombination mit den erlaubten Skilängen bestimmen bei den Springern, welcher Sportlertyp Vorteile oder Nachteile hat. Radien, Standhöhen oder Skilänge bei den Alpinen haben riesigen Einfluss auf die zukünftigen Siegerlisten. Kein Wunder, dass es eine einflussreiche Lobby der aktuell erfolgreichen Nationen und Stars für die Beibehaltung der gültigen Regeln gibt. Was passiert, wenn das konsequente Ausreizen der Reglements die Gesundheit der Aktiven massiv gefährdet? Erstaunlich, bzw. erwartungsgemäß wenig: Der internationale Verband verlangt Verbesserungsvorschläge der Teams, aber von den Topnationen kommt wenig. Jetzt, nach Pyeongchang wäre wieder einmal der passende Moment für die großen Veränderungen hin zu mehr Sicherheit. Die Adaptionszeit bis zu den nächsten Spielen wäre gesichert.

Im Skispringen fehlt die Entschlossenheit und Einigkeit, um die Tendenz zur gesundheitlich bedenklichen, aber eben leistungsförderlichen Gewichtsabnahme mit wirksamen Vorgaben einzubremsen. Die FIS setzt hier zumindest einen Schritt und will das Gewicht der Springer zukünftig ohne Sprungschuhe, also „lebensnäher“ messen. Nach einem einzigen Abfahrtstraining bei den diesjährigen alpinen ÖSV-Meisterschaften landeten – neben der Tiroler Sportlerin des Jahres – weitere drei Läuferinnen mit schweren Verletzungen im OP einer renommierten Tiroler Klinik. Ein sporterfahrener Universitätsprofessor liefert dazu eine nachdenklich stimmende Perspektive. „Wenn eine Kampfsportart so viele Verletzungen aufweisen würde wie der alpine Skirennsport, dann würde der öffentliche Unmut das Verbot dieser Disziplin fordern.“ Wer schützt die Sportlerinnen vor sich selber, wo landet die Verantwortung? Man kann die Verantwortung nicht aus dem Zentrum des Sports an Medizin oder Wissenschaftler auslagern und weitermachen wie bisher. Auf die geniale Lösung seitens der Experten wird man lange warten, sie muss schon aus dem Kernbereich des Sports kommen. Aber Trainer mit Jahresverträgen sind Spezialisten unter Druck, sie müssen sich in erster Linie um die Optimierung und Sicherung des Erfolges im eigenen kleinen Bereich kümmern. Mit dem effizienten aber gefährlichen Prinzip von Spezialisierung und gleichzeitiger Auslagerung der Gesamtverantwortung steht der Sport nicht alleine da:

„Der Weg zur funktionalen Differenzierung von allem…führt zu einer…ungeheuerlichen Mischung von Schärfe im Einzelnen und Gleichgültigkeit im Ganzen“, meinte schon Robert Musil im „Mann ohne Eigenschaften“.

 

Ihr Toni Innauer

 

 

 

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