Eins zu Achtundfünfzig?
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Den genialen Termin der Vierschanzentournee verdanken wir den Gründern, es galt damals, den Ausfall an Arbeitstagen für die Springer möglichst klein zu halten. Sie waren berufstätig. Ihre modernen Nachfolger sind es auch, als Skisprungprofessionals und leben endlich und zumindest zum Teil gut von ihrem Sport. Eine Million Schweizer Franken winken dem Sieger bei der sechzigsten Auflage, sollte er alle vier Springen gewinnen. Statistisch ist die Chance seit Hannawalds einmaligem Grand-Slam 1:58. Ich behaupte, die Möglichkeit, heutzutage vier Mal durchzukommen sei deutlich größer.
Die Gründe dafür sind in geänderten Rahmenbedingungen zu finden: Die Schanzen sind durch Umbauten deutlich größer aber leichter zu springen. Die sportrelevanten Kurven und Gegebenheiten unter der beeindruckenden Architektur ähneln sich stark und die maschinelle Spurpräparation schafft Berechenbarkeit in Anlauf und am Tisch. Es gibt keine wirklich schwierigen Schanzen mehr.
Noch stärker wirkt eine andere Neuerung: Die „Windregel“ puffert rechnerisch einen beträchtlichen Anteil von Glück und Pech, sprich Auf- oder Rückenwind. Wie oft, bei knappen Entscheidungen in der Vergangenheit, hat diese Größe vor allem bei Tagessiegen den Ausschlag gegeben?
Seit vergangenem Winter herrscht durch 2 Anpassungen verblüffende Chancengleichheit. Alle fliegen jetzt „business-Class“ mit der Amann-Kipp-Bindung und beabsichtigt oder nicht, hilft der arithmetische Ausgleich von extremen Windspielen den jeweils Besten. Turbulente Durchgänge sind leichter durch zu bringen und echte Zufallssieger, zumindest in Wettkämpfen mit zwei Durchgängen, kaum zu befürchten. Die Windregel hat Alex Pointners Superadler gegenüber Zufällen nahezu immunisiert. Für die makellose vorjährige Erfolgsbilanz des seit Jahren dominierenden Teams war dies essenzieller als manche Trainingsneuheit.
Die Quoten von einem Dutzend Wettanbietern weisen Schlierenzauer, Kofler und Morgenstern als Topfavoriten aus, beim Angriff auf den Grand Slam allerdings könnten sich die Flugbahnen der drei gleichwertigen ÖSV-Adler gegenseitig in die Quere kommen. Die Deutschen Freitag und Freund, der Norweger Bardal oder der Pole Kamil Stoch sind für einen Tagessieg und Amann sowie Ex-Kombinierer Zauner für eine Überraschung gut. Alles andere als ein ÖSV-Gesamtsieg wäre eine Sensation und genau das macht die Heimspiele so delikat.
Bei den Recherchen für meine neue Aufgabe beim ZDF genoss ich kurze Wege um die Cheftrainer der führenden Nationen zu hause anzutreffen. Allesamt Absolventen des Schigymnasiums in Stams, sind sie familiär im Umland ihrer sportlichen Alma Mater geblieben. Die 60. Tournee hätte zum Trainerderby zwischen den Tirolern Pointner (AUT)/ Stöckl (NOR) und den Vorarlbergern Schuster (BRD)/Schallert (RUS) werden können. Aber im Oktober kam mit dem tödliche Autounfall des 2. von Garmisch 2011, Pavel Karelin, ein dramatischer Rückschlag für die Russen.
Die Möglichkeit, dass ein „Stamser“ die Tournee gewinnen wird, ist mit Blick auf das ÖSV-Team, in dem Thomas Morgenstern so gesehen die Ausnahme ist, groß. Die Betrachtung des nationalen Trainerstabs macht es noch deutlicher.
Auch beim schwierigen Balanceakt von Team und Individualismus im ÖSV-Team stößt man an den Stützpunkten von Kuttin bis Liegl auf Absolventen von Stams, das 1975/76 von der Springergruppe um Baldur Preiml vor dem Zusperren gerettet wurde.
Und unser Ahnherr, Sepp Bradl, Gesamtsieger der ersten Tournee vor 59 Jahren, war erst durch handfeste Resultate davon zu überzeugen, dass „G’studierte“ ausgerechnet in der Disziplin für wilde Hunde etwas reißen würden. Insgesamt acht ÖSV-Cheftrainer mit Stamser Wurzeln und die, im In- und Ausland erfolgreichen Kollegen wissen: „Die Mischung bringts, ein bisschen was vom wilden Buwi braucht man heute auch noch!“
Die Gründe dafür sind in geänderten Rahmenbedingungen zu finden: Die Schanzen sind durch Umbauten deutlich größer aber leichter zu springen. Die sportrelevanten Kurven und Gegebenheiten unter der beeindruckenden Architektur ähneln sich stark und die maschinelle Spurpräparation schafft Berechenbarkeit in Anlauf und am Tisch. Es gibt keine wirklich schwierigen Schanzen mehr.
Noch stärker wirkt eine andere Neuerung: Die „Windregel“ puffert rechnerisch einen beträchtlichen Anteil von Glück und Pech, sprich Auf- oder Rückenwind. Wie oft, bei knappen Entscheidungen in der Vergangenheit, hat diese Größe vor allem bei Tagessiegen den Ausschlag gegeben?
Seit vergangenem Winter herrscht durch 2 Anpassungen verblüffende Chancengleichheit. Alle fliegen jetzt „business-Class“ mit der Amann-Kipp-Bindung und beabsichtigt oder nicht, hilft der arithmetische Ausgleich von extremen Windspielen den jeweils Besten. Turbulente Durchgänge sind leichter durch zu bringen und echte Zufallssieger, zumindest in Wettkämpfen mit zwei Durchgängen, kaum zu befürchten. Die Windregel hat Alex Pointners Superadler gegenüber Zufällen nahezu immunisiert. Für die makellose vorjährige Erfolgsbilanz des seit Jahren dominierenden Teams war dies essenzieller als manche Trainingsneuheit.
Die Quoten von einem Dutzend Wettanbietern weisen Schlierenzauer, Kofler und Morgenstern als Topfavoriten aus, beim Angriff auf den Grand Slam allerdings könnten sich die Flugbahnen der drei gleichwertigen ÖSV-Adler gegenseitig in die Quere kommen. Die Deutschen Freitag und Freund, der Norweger Bardal oder der Pole Kamil Stoch sind für einen Tagessieg und Amann sowie Ex-Kombinierer Zauner für eine Überraschung gut. Alles andere als ein ÖSV-Gesamtsieg wäre eine Sensation und genau das macht die Heimspiele so delikat.
Bei den Recherchen für meine neue Aufgabe beim ZDF genoss ich kurze Wege um die Cheftrainer der führenden Nationen zu hause anzutreffen. Allesamt Absolventen des Schigymnasiums in Stams, sind sie familiär im Umland ihrer sportlichen Alma Mater geblieben. Die 60. Tournee hätte zum Trainerderby zwischen den Tirolern Pointner (AUT)/ Stöckl (NOR) und den Vorarlbergern Schuster (BRD)/Schallert (RUS) werden können. Aber im Oktober kam mit dem tödliche Autounfall des 2. von Garmisch 2011, Pavel Karelin, ein dramatischer Rückschlag für die Russen.
Die Möglichkeit, dass ein „Stamser“ die Tournee gewinnen wird, ist mit Blick auf das ÖSV-Team, in dem Thomas Morgenstern so gesehen die Ausnahme ist, groß. Die Betrachtung des nationalen Trainerstabs macht es noch deutlicher.
Auch beim schwierigen Balanceakt von Team und Individualismus im ÖSV-Team stößt man an den Stützpunkten von Kuttin bis Liegl auf Absolventen von Stams, das 1975/76 von der Springergruppe um Baldur Preiml vor dem Zusperren gerettet wurde.
Und unser Ahnherr, Sepp Bradl, Gesamtsieger der ersten Tournee vor 59 Jahren, war erst durch handfeste Resultate davon zu überzeugen, dass „G’studierte“ ausgerechnet in der Disziplin für wilde Hunde etwas reißen würden. Insgesamt acht ÖSV-Cheftrainer mit Stamser Wurzeln und die, im In- und Ausland erfolgreichen Kollegen wissen: „Die Mischung bringts, ein bisschen was vom wilden Buwi braucht man heute auch noch!“
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200 Meter/innen
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Zur Premiere des Weltcups im Damenskispringen
Wissen Sie, welche Frage uns Skispringern am häufigsten gestellt wurde? Nein?:
„Was ist das für ein Gefühl, wenn man dort oben steht und runterspringen muss?“
Generationen von Kollegen haben sich um ehrliche und/oder nachvollziehbare Antworten und Anknüpfungsbeispiele aus gemeinsam zugänglichen Lebensbereichen als Analogien für die exklusiven Fliegeremotionen bemüht.
Die neue „Gretchenfrage“, die mir zuverlässig nach jedem Vortrag oder Seminar gestellt wird, ist eine andere: „Warum springen eigentlich keine Damen?“ hat „WasisndasfüreinGefühl?“ endgültig abgelöst.
Ein sportliches Phänomen, das durch den gesellschaftlichen Megatrend, der „Frauen“ heißt, befördert wird. Trends werden dann registriert, wenn sie an die eigene Tür klopfen. Von den Frauen kommt die Frage, die im Vergleich zu jener, nach dem Gefühl, mit einer souveräne verbalen Punktlandung zu beantworten ist. Meine Gegenfrage: „Haben Sie eine Idee, wo der Weltrekord im Damenskifliegen aktuell steht?“, verblüfft und überfordert die Fragestellerinnen. Insider/(innen…noch selten) wissen, dass Daniela Iraschko mit beeindruckenden 200 Metern am Kulm in Bad Mitterndorf Rekordhalterin ist. Sie wissen auch, dass es bereits zwei FIS-Weltmeisterinnen gibt und freuen sich auf die historische Premiere des OMV-Frauenweltcups.
32 Jahre nach der Einführung des Herrenweltcups wird heute in Lillehammer jener der Damen gestartet.
Der ÖSV kann für sich verbuchen, ein treibender Motor in der Entwicklung dieser neuen und attraktiven Frauendisziplin zu sein, in der über Sieg und Platzierungen erfreulicher- und nicht zufälligerweise andere Komponenten entscheiden, als die möglichst knappe Annäherung an ein männliches Hormonprofil.
Die Kitzbühlerin Eva Ganster flog schon in den 90ern 167 Meter weit, das erste offizielle Budget für Damenskispringen aller nationalen Skiverbände wurde von Paul Ganzenhuber und mir vor 8 Jahren beantragt, von Peter Schröcksnadel genehmigt und international als Aufbruchszeichen registriert. Bald zogen viele Länder mit. Auch eine, dem wachsenden Niveau der Sportlerinnen angepasste Entwicklung der Wettbewerbsformen über Alpencup und Junioren-WM bis zur WM stammt aus der Ideenwerkstatt in der Olympiastraße. Seit in Lausanne beschlossen wurde, dass die fliegenden Damen und Mädchen auch olympiareif sind, ist der Durchbruch irreversibel. Besonders überzeugt bin ich vom Potenzial des endlich akzeptierten Mixed-Teambewerbs, der 2012 erstmals zur Austragung gelangen wird.
Er war höchste Zeit, den inflationstreibenden zweiten Teambewerb der Herren zu entsorgen und den Leistungen der teilnehmenden Damen mit einem Schlag nationale Bedeutung zu geben und eine, derzeit nur mit dieser Plattform erzielbare, Medienresonanz zu erzeugen. Statt das Gulasch von der Großschanze auf kleiner Flamme nochmals aufzukochen, werden die Karten mit 2 Buben und 2 Damen neu gemischt. Geschlechtsspezifisch passende Anlauflängen sind leicht variierbar und Nationen wie die Schweiz, USA, Italien oder Frankreich haben plötzlich auch Medaillenchancen und werden mit fiebern. Und wir? Wir werden in Sotchi, aus hoffentlich gegebenem Anlass, wieder einmal über „die Söhne und Töchter“ im Text unserer Bundeshymne nachdenken müssen.
Wissen Sie, welche Frage uns Skispringern am häufigsten gestellt wurde? Nein?:
„Was ist das für ein Gefühl, wenn man dort oben steht und runterspringen muss?“
Generationen von Kollegen haben sich um ehrliche und/oder nachvollziehbare Antworten und Anknüpfungsbeispiele aus gemeinsam zugänglichen Lebensbereichen als Analogien für die exklusiven Fliegeremotionen bemüht.
Die neue „Gretchenfrage“, die mir zuverlässig nach jedem Vortrag oder Seminar gestellt wird, ist eine andere: „Warum springen eigentlich keine Damen?“ hat „WasisndasfüreinGefühl?“ endgültig abgelöst.
Ein sportliches Phänomen, das durch den gesellschaftlichen Megatrend, der „Frauen“ heißt, befördert wird. Trends werden dann registriert, wenn sie an die eigene Tür klopfen. Von den Frauen kommt die Frage, die im Vergleich zu jener, nach dem Gefühl, mit einer souveräne verbalen Punktlandung zu beantworten ist. Meine Gegenfrage: „Haben Sie eine Idee, wo der Weltrekord im Damenskifliegen aktuell steht?“, verblüfft und überfordert die Fragestellerinnen. Insider/(innen…noch selten) wissen, dass Daniela Iraschko mit beeindruckenden 200 Metern am Kulm in Bad Mitterndorf Rekordhalterin ist. Sie wissen auch, dass es bereits zwei FIS-Weltmeisterinnen gibt und freuen sich auf die historische Premiere des OMV-Frauenweltcups.
32 Jahre nach der Einführung des Herrenweltcups wird heute in Lillehammer jener der Damen gestartet.
Der ÖSV kann für sich verbuchen, ein treibender Motor in der Entwicklung dieser neuen und attraktiven Frauendisziplin zu sein, in der über Sieg und Platzierungen erfreulicher- und nicht zufälligerweise andere Komponenten entscheiden, als die möglichst knappe Annäherung an ein männliches Hormonprofil.
Die Kitzbühlerin Eva Ganster flog schon in den 90ern 167 Meter weit, das erste offizielle Budget für Damenskispringen aller nationalen Skiverbände wurde von Paul Ganzenhuber und mir vor 8 Jahren beantragt, von Peter Schröcksnadel genehmigt und international als Aufbruchszeichen registriert. Bald zogen viele Länder mit. Auch eine, dem wachsenden Niveau der Sportlerinnen angepasste Entwicklung der Wettbewerbsformen über Alpencup und Junioren-WM bis zur WM stammt aus der Ideenwerkstatt in der Olympiastraße. Seit in Lausanne beschlossen wurde, dass die fliegenden Damen und Mädchen auch olympiareif sind, ist der Durchbruch irreversibel. Besonders überzeugt bin ich vom Potenzial des endlich akzeptierten Mixed-Teambewerbs, der 2012 erstmals zur Austragung gelangen wird.
Er war höchste Zeit, den inflationstreibenden zweiten Teambewerb der Herren zu entsorgen und den Leistungen der teilnehmenden Damen mit einem Schlag nationale Bedeutung zu geben und eine, derzeit nur mit dieser Plattform erzielbare, Medienresonanz zu erzeugen. Statt das Gulasch von der Großschanze auf kleiner Flamme nochmals aufzukochen, werden die Karten mit 2 Buben und 2 Damen neu gemischt. Geschlechtsspezifisch passende Anlauflängen sind leicht variierbar und Nationen wie die Schweiz, USA, Italien oder Frankreich haben plötzlich auch Medaillenchancen und werden mit fiebern. Und wir? Wir werden in Sotchi, aus hoffentlich gegebenem Anlass, wieder einmal über „die Söhne und Töchter“ im Text unserer Bundeshymne nachdenken müssen.
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Schneller, höher, lauter
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Der junge Dame klapperte damit, mit 31 Jahren bereits die spanische Fußballnationalmannschaft betreut und ihren Schützling Sebastian Vettel gerade eben zum zweiten F1-Weltmeistertitel und cool-sympathischen Auftritten gecoacht zu haben. Hermann Maier fand sich auf ihrer Referenzliste, sie spricht sechs Sprachen, in ihrem vollmundigen Auftritt im Ö3-Frühstück erklärte sie ganz Österreich die Lockerheit des Siegens, frei wie ihr der Schnabel in OÖ gewachsen ist. Zweifel gingen in der Alpenrepublik in der Welle der Begeisterung unter, weil der nüchtern-kritische Blick auf Erfolgreiche reflexartig als Neid interpretiert wird. Die zeitgeistige Ikone der Mentalbetreuung hat nach der Recherche eines Boulevardblattes eine spektakuläre Bruchlandung gemacht.
Herr Vettel kennt Frau Krenn nämlich genauso wenig persönlich wie der Herminator und hat sie aufgrund ihrer öffentlichen Anmaßungen geklagt. Sie ist der betörenden Wirkung der eigene Rhetorik verfallen, war von den selbstgebastelten Luftschlössern überzeugt, weil sie so gut ankamen beim Publikum. Manche ihrer Anhänger werden sich im Rückblick über die eigene Arglosigkeit, Leichtgläubigkeit und Fehlinvestition ärgern. Auch in Deutschland war nach zu Guttenbergs Entzauberung ein wenig Scham spürbar bei jenen, die im eloquent blendenden Adeligen schon den repräsentativen Kanzler erträumt hatten.
In den Siebzigern tauchten Sie genauso verlässlich auf wie heutzutage, wenn z.B. im Skisport gewonnen wurde/wird. Sie finden traumwandlerisch sicher den Weg nicht nur zum empfänglichsten Athleten sondern auch in den Schwenkbereich der Kameras. Ein Dr. Huber gab schon 1976 vor den Olympischen Spielen zum Besten, dass die starken Leistungen der ÖSV-Springer zu 75 Prozent auf sein bewegliches Atmungsbett zurückzuführen wären. Er flog bald hochkant aus dem Teamquartier, das ließ man sich damals dort nicht gefallen; Viele Trainer, Betreuer und Sportler hatten zu lange und mit großem persönlichem Einsatz an der Qualität der Leistung gearbeitet, um sich die Butter vom selbsternannten Erfolgs-Guru vom Brot nehmen zu lassen. Der Erfolg hat bekanntlich viele Väter und s.o. auch Mütter, viele davon reklamieren die Elternschaft nicht in der Aufbauphase, sondern wenn es was zu ernten gibt.
17 Jahre in der Funktion eines Sportdirektors im ÖSV haben mich ununterbrochen mit allen möglichen neuen Angeboten, Methoden, Wundermitteln und Experten konfrontiert. Beim Trennen von Spreu und Weizen haben mir die Vorsicht des Berglers, bittere und lehrreiche Erfahrungen mit Blendern und Könnern im Spitzensport genauso wertvolle Dienste geleistet wie eine solide Ausbildung bei kritisch sachlichen Lehrern.
Der ernüchternde Befund lautete: Vettels, Morgensterns oder Maiers gibt es ganz wenige, Berater, Methoden und Wundermittel aber unüberschaubar viele. Um herauszuragen aus der Masse benötigen Letztere die Nähe zum Champion und nicht umgekehrt.
Eine aufgeklärte Gesellschaft mit grenzenlosem Markt muss sich zum Selbstschutz sensible Warnsysteme und Standards leisten und sich auf sie verlassen können. Es ist Aufgabe und „edle Pflicht“ der unabhängigen Medien und der nicht korrumpierbaren Wissenschaftler, ihre privilegierten Position und Ausbildung zu nützen, um weniger Informierte vor Blendern zu schützen. So gesehen ist es ein alarmierendes Zeichen, dass im Fall der mentalen Mutterschaft von Vettels Siegen ausgerechnet „die Bild“ Aufdecker-Qualitäten gezeigt hat.
Man kann sich darüber amüsieren, weil es nur um Sport gegangen ist, oder sich zu fürchten beginnen, wenn man an Wichtigeres denkt.
Herr Vettel kennt Frau Krenn nämlich genauso wenig persönlich wie der Herminator und hat sie aufgrund ihrer öffentlichen Anmaßungen geklagt. Sie ist der betörenden Wirkung der eigene Rhetorik verfallen, war von den selbstgebastelten Luftschlössern überzeugt, weil sie so gut ankamen beim Publikum. Manche ihrer Anhänger werden sich im Rückblick über die eigene Arglosigkeit, Leichtgläubigkeit und Fehlinvestition ärgern. Auch in Deutschland war nach zu Guttenbergs Entzauberung ein wenig Scham spürbar bei jenen, die im eloquent blendenden Adeligen schon den repräsentativen Kanzler erträumt hatten.
In den Siebzigern tauchten Sie genauso verlässlich auf wie heutzutage, wenn z.B. im Skisport gewonnen wurde/wird. Sie finden traumwandlerisch sicher den Weg nicht nur zum empfänglichsten Athleten sondern auch in den Schwenkbereich der Kameras. Ein Dr. Huber gab schon 1976 vor den Olympischen Spielen zum Besten, dass die starken Leistungen der ÖSV-Springer zu 75 Prozent auf sein bewegliches Atmungsbett zurückzuführen wären. Er flog bald hochkant aus dem Teamquartier, das ließ man sich damals dort nicht gefallen; Viele Trainer, Betreuer und Sportler hatten zu lange und mit großem persönlichem Einsatz an der Qualität der Leistung gearbeitet, um sich die Butter vom selbsternannten Erfolgs-Guru vom Brot nehmen zu lassen. Der Erfolg hat bekanntlich viele Väter und s.o. auch Mütter, viele davon reklamieren die Elternschaft nicht in der Aufbauphase, sondern wenn es was zu ernten gibt.
17 Jahre in der Funktion eines Sportdirektors im ÖSV haben mich ununterbrochen mit allen möglichen neuen Angeboten, Methoden, Wundermitteln und Experten konfrontiert. Beim Trennen von Spreu und Weizen haben mir die Vorsicht des Berglers, bittere und lehrreiche Erfahrungen mit Blendern und Könnern im Spitzensport genauso wertvolle Dienste geleistet wie eine solide Ausbildung bei kritisch sachlichen Lehrern.
Der ernüchternde Befund lautete: Vettels, Morgensterns oder Maiers gibt es ganz wenige, Berater, Methoden und Wundermittel aber unüberschaubar viele. Um herauszuragen aus der Masse benötigen Letztere die Nähe zum Champion und nicht umgekehrt.
Eine aufgeklärte Gesellschaft mit grenzenlosem Markt muss sich zum Selbstschutz sensible Warnsysteme und Standards leisten und sich auf sie verlassen können. Es ist Aufgabe und „edle Pflicht“ der unabhängigen Medien und der nicht korrumpierbaren Wissenschaftler, ihre privilegierten Position und Ausbildung zu nützen, um weniger Informierte vor Blendern zu schützen. So gesehen ist es ein alarmierendes Zeichen, dass im Fall der mentalen Mutterschaft von Vettels Siegen ausgerechnet „die Bild“ Aufdecker-Qualitäten gezeigt hat.
Man kann sich darüber amüsieren, weil es nur um Sport gegangen ist, oder sich zu fürchten beginnen, wenn man an Wichtigeres denkt.
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Philipp Lahm und Thomas Geierspichler
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Philipp Lahm, Kapitän der deutschen Fußballnationalmannschaft und Thomas Geierspichler, österreichischer Rennrollstuhl-Olympiasieger sind unter die Buchautoren gegangen.
Lahm landete einen fulminanter Bestseller und ist in aller Munde. Von der Bild-Zeitung in die Ecke der Skandalbücher gezwängt, hagelte es Empörung fast aller Fußballgrößen in unserem Nachbarland. Jogi Löw sah sich gezwungen, seinen Kapitän öffentlich zu rügen um all jene zufrieden zu stellen, die im Buch von Lahm einen Bruch des fußballerischen Ehrenkodex zu erkennen glaubten und wie üblich das Buch gar nicht gelesen hatten. Damit hat Löw den einfacheren Weg gewählt. Die Empfehlung, „den feinen Unterschied“ selber zu lesen, statt auf Zurufe und auf sorgfältig herausgefilterte Zitate zu reagieren, wäre nicht gut angekommen.
Wovor haben die Fußballikonen Angst, dass Sie so leicht aufzuscheuchen sind? Wer das Buch nämlich tatsächlich liest erfährt viel solid Reflektiertes und auch Spannendes aus der Welt eines hoch fokussierten und talentierten Profis in der größten Sport-Unterhaltungsindustrie der Welt und sucht vergeblich nach den „versprochenen“ Indiskretionen oder Skandalen. Nach der Lektüre verstehe ich deutlich mehr davon, wie modernen Systemfußball auf dem Platz und rundherum funktionieren muss, was früher im DFB anders lief, warum die teuersten Spieler nicht die besten sein müssen und wir Österreicher nicht unter den Top 20 der Weltrangliste rangieren.
Lahm räumt auf mit dem Klischee vom einfältigen Kicker und zeigt in vielen Kapiteln, dass er einen erstaunlichen Überblick hat und Risiko in seinen Aussagen genauso geschickt wie beim Tackling auf dem Feld dosieren kann. Er geht das Gerücht der ihm angedichteten Homosexualität offensiv an und räumt es, illustriert mit einer nachdenklich stimmenden Episode, elegant aus Weg. Die dramatisch überzogenen Reaktionen auf sein Buch sagen viel mehr über die Selbstschutzmechanismen innerhalb des Ghettos der Milliardenbranche und die Ängstlichkeit einiger Protagonisten. Zu gut lebt sich vom verklärten und akribisch gepflegten Mythos als Übermensch, da stören Relativierungen. Philipp Lahm hat Staub aufgewirbelt, damit gerechnet, dass einige heftig husten werden, aber vorweggenommen, dass alles schlimmstenfalls mit einer gelben Karte geahndet wird. Jenseits der der weißen Linien hat der – nur für Laien - unscheinbare Außenverteidiger an Bekanntheit und Profil gewonnen, den feinen Unterschied innerhalb der Kollegenschaft erfolgreich akzentuiert.
Thomas Geierspichlers harte Lebensgeschichte, die heißt wie er, kommt daher wie ein erdiger amerikanischer Rocksong: Ungeschminkt, direkt und total authentisch spricht der österreichische Rennrollstuhlfahrer härteste Themen und die totale Verzweiflung an, die nur einer kennt, der sich buchstäblich das Genick gebrochen hat und ganz unten war. Als lebenslustiger junger Mann, musste er nach dem Crash sein reduziertes Leben total neu definieren und war überfordert. Die überraschende Poesie dieses Buches entsteht aus der Mischung von Galgenhumor - „lieber Querschnitt als Durchschnitt“ - einer nicht immer jugendfreien Offenheit und einer schnörkellosen aber selbstreflektierten Sprache.
Der Bauernbub mit dem großen Bewegungsdrang landete nach dem Unfall in einer angsteinflößend schwierigen Lebenssituation und der totalen Krise und schlussendlich im Drogensumpf. Mit Hilfe seiner Mutter, guter Freunde, dem Sport und einer unorthodoxen und umso authentischeren Gläubigkeit zieht er sich am eigenen Blondschopf aus dem Sumpf und erfüllt sich seine Träume, wie den Olympiasieg samt Bundeshymne. Fast noch erstaunlicher als die einmalige Lebensgeschichte sind die Ehrlichkeit und der pure Groove, mit dem Thomas Geierspichler als Schreiber selbst schwierigste Themen wie seine Beziehung zum strengen Vater erzählen kann. Er bringt seine Gefühle mit teilweise gewagten Beispielen genau auf den Punkt und auf den Boden des Verständlichen, dass es beim Lesen eine helle Freude ist und Respekt abringt. Schön, wenn Sportler so viel Essenzielles zu sagen haben!
Lahm landete einen fulminanter Bestseller und ist in aller Munde. Von der Bild-Zeitung in die Ecke der Skandalbücher gezwängt, hagelte es Empörung fast aller Fußballgrößen in unserem Nachbarland. Jogi Löw sah sich gezwungen, seinen Kapitän öffentlich zu rügen um all jene zufrieden zu stellen, die im Buch von Lahm einen Bruch des fußballerischen Ehrenkodex zu erkennen glaubten und wie üblich das Buch gar nicht gelesen hatten. Damit hat Löw den einfacheren Weg gewählt. Die Empfehlung, „den feinen Unterschied“ selber zu lesen, statt auf Zurufe und auf sorgfältig herausgefilterte Zitate zu reagieren, wäre nicht gut angekommen.
Wovor haben die Fußballikonen Angst, dass Sie so leicht aufzuscheuchen sind? Wer das Buch nämlich tatsächlich liest erfährt viel solid Reflektiertes und auch Spannendes aus der Welt eines hoch fokussierten und talentierten Profis in der größten Sport-Unterhaltungsindustrie der Welt und sucht vergeblich nach den „versprochenen“ Indiskretionen oder Skandalen. Nach der Lektüre verstehe ich deutlich mehr davon, wie modernen Systemfußball auf dem Platz und rundherum funktionieren muss, was früher im DFB anders lief, warum die teuersten Spieler nicht die besten sein müssen und wir Österreicher nicht unter den Top 20 der Weltrangliste rangieren.
Lahm räumt auf mit dem Klischee vom einfältigen Kicker und zeigt in vielen Kapiteln, dass er einen erstaunlichen Überblick hat und Risiko in seinen Aussagen genauso geschickt wie beim Tackling auf dem Feld dosieren kann. Er geht das Gerücht der ihm angedichteten Homosexualität offensiv an und räumt es, illustriert mit einer nachdenklich stimmenden Episode, elegant aus Weg. Die dramatisch überzogenen Reaktionen auf sein Buch sagen viel mehr über die Selbstschutzmechanismen innerhalb des Ghettos der Milliardenbranche und die Ängstlichkeit einiger Protagonisten. Zu gut lebt sich vom verklärten und akribisch gepflegten Mythos als Übermensch, da stören Relativierungen. Philipp Lahm hat Staub aufgewirbelt, damit gerechnet, dass einige heftig husten werden, aber vorweggenommen, dass alles schlimmstenfalls mit einer gelben Karte geahndet wird. Jenseits der der weißen Linien hat der – nur für Laien - unscheinbare Außenverteidiger an Bekanntheit und Profil gewonnen, den feinen Unterschied innerhalb der Kollegenschaft erfolgreich akzentuiert.
Thomas Geierspichlers harte Lebensgeschichte, die heißt wie er, kommt daher wie ein erdiger amerikanischer Rocksong: Ungeschminkt, direkt und total authentisch spricht der österreichische Rennrollstuhlfahrer härteste Themen und die totale Verzweiflung an, die nur einer kennt, der sich buchstäblich das Genick gebrochen hat und ganz unten war. Als lebenslustiger junger Mann, musste er nach dem Crash sein reduziertes Leben total neu definieren und war überfordert. Die überraschende Poesie dieses Buches entsteht aus der Mischung von Galgenhumor - „lieber Querschnitt als Durchschnitt“ - einer nicht immer jugendfreien Offenheit und einer schnörkellosen aber selbstreflektierten Sprache.
Der Bauernbub mit dem großen Bewegungsdrang landete nach dem Unfall in einer angsteinflößend schwierigen Lebenssituation und der totalen Krise und schlussendlich im Drogensumpf. Mit Hilfe seiner Mutter, guter Freunde, dem Sport und einer unorthodoxen und umso authentischeren Gläubigkeit zieht er sich am eigenen Blondschopf aus dem Sumpf und erfüllt sich seine Träume, wie den Olympiasieg samt Bundeshymne. Fast noch erstaunlicher als die einmalige Lebensgeschichte sind die Ehrlichkeit und der pure Groove, mit dem Thomas Geierspichler als Schreiber selbst schwierigste Themen wie seine Beziehung zum strengen Vater erzählen kann. Er bringt seine Gefühle mit teilweise gewagten Beispielen genau auf den Punkt und auf den Boden des Verständlichen, dass es beim Lesen eine helle Freude ist und Respekt abringt. Schön, wenn Sportler so viel Essenzielles zu sagen haben!
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Lex-Bolt - Donnergrollen nach dem Blitzstart?
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Vorkommnisse bei den Olympischen Winterspielen 1980 führten zur Entwicklung eines präzisen Startreglements für Skispringer.
Im zweiten Durchgang auf der Großschanze setzte nach 10 Springern starker Rückenwind ein, einige die noch oben standen, auch Armin Kogler und ich, lieferten sich Ringkämpfe mit dem überforderten amerikanischen Startrichter, um nach dem Aufruf ein paar Minuten vergeblich auf besseren Wind zu hoffen. Livekameras zeigten Athleten, die sich in die letzte Ecke verdrückten, verstohlen auf die Windfahnen schielten und einen Mann, der Sportler mit Körpereinsatz in die Spur zwingen wollte. Verständnis für jeden, der die Lust an der zweifelhaften Unterhaltung verlor und den Sender wechselte! Ich verstehe auch den Internationalen Skiverband, der daraufhin erstmals Ampelstart und exakt geregelte Intervalle und 30 Jahre später sogar Messung und Einberechnung des Windes im Regelwerk installierte.
Könnten alle Teilnehmer eines Skispringens, so wie Segler oder Sprinter in der Leichtathletik, zeitgleich und im Feld starten, dann wären der komplizierte Regelungsaufwand obsolet, die Schanzenanlage mit 50 Anlaufspuren deutlich breiter, aber vermutlich doch nicht alle Probleme gelöst.
Die Leichtathletik begegnete dem lähmenden Frühstart-Geplänkel der Sprinter mit der Disqualifikation nach einem einzigen Fehlversuch. Davor ging es u. a. darum, Gegner zu verunsichern und zum vorzeitigen Verbrennen natürlicher Energiereserven zu treiben, die Athlet/innen im Vorwettkampfstress, nur einmal innerhalb einer kurzen Zeitspanne produzieren und im Sprint nützen können. „Zocker“ provozierten kaltblütig und somit unter Schonung der eigenen Depots einen Fehlstart und spekulierten, dass die Konkurrenten den ersten Startversuch tierisch ernst nehmen und dann spürbar „leerer“ zum nächsten antreten mussten.
Das Problem und der Druck wurden mit der Zuspitzung des Reglements, das erst ein Jahr in Kraft ist, auf die überreizten Nervensysteme der Sportler/innen übertragen und produzierte bei der WM in Daegu den SuperGAU.
Ist Superstar Usain Bolt nachdem er im 100Meter Finale der Leichtathletik WM in Südkorea wegen eines deutlichen Blitzstarts disqualifiziert wurde das Opfer ordnungswütiger Sportbürokraten?
Für mich bleibt EIN großes Fragezeichen: Warum konnte eine Ausnahmeerscheinung wie Bolt, anfängerhaft oder - könnte es gar kalkuliert sein? - so peinlich früh lospreschen? Angesichts seiner Disqualifikation hat er keine schlechte Figur gemacht, den „Erben“ gratuliert und insgesamt deutlich mehr Aufmerksamkeit erzeugt als mit dem Gewinn einer weiteren Goldenen in seiner ansehnlichen Sammlung. Das ist ein Gesetz der Medienwelt, das im Gegensatz zur allgemeinen Startregel ausschließlich für einen einzigen gilt, für den Supermann der Szene, der sich nur selber schlagen kann. Das ist die perverse „Lex-Bolt“ und nicht die, von enttäuschten Fans oder „Experten“ geforderte Abschaffung eines harten aber sinnvollen Sportregulativs.
Im zweiten Durchgang auf der Großschanze setzte nach 10 Springern starker Rückenwind ein, einige die noch oben standen, auch Armin Kogler und ich, lieferten sich Ringkämpfe mit dem überforderten amerikanischen Startrichter, um nach dem Aufruf ein paar Minuten vergeblich auf besseren Wind zu hoffen. Livekameras zeigten Athleten, die sich in die letzte Ecke verdrückten, verstohlen auf die Windfahnen schielten und einen Mann, der Sportler mit Körpereinsatz in die Spur zwingen wollte. Verständnis für jeden, der die Lust an der zweifelhaften Unterhaltung verlor und den Sender wechselte! Ich verstehe auch den Internationalen Skiverband, der daraufhin erstmals Ampelstart und exakt geregelte Intervalle und 30 Jahre später sogar Messung und Einberechnung des Windes im Regelwerk installierte.
Könnten alle Teilnehmer eines Skispringens, so wie Segler oder Sprinter in der Leichtathletik, zeitgleich und im Feld starten, dann wären der komplizierte Regelungsaufwand obsolet, die Schanzenanlage mit 50 Anlaufspuren deutlich breiter, aber vermutlich doch nicht alle Probleme gelöst.
Die Leichtathletik begegnete dem lähmenden Frühstart-Geplänkel der Sprinter mit der Disqualifikation nach einem einzigen Fehlversuch. Davor ging es u. a. darum, Gegner zu verunsichern und zum vorzeitigen Verbrennen natürlicher Energiereserven zu treiben, die Athlet/innen im Vorwettkampfstress, nur einmal innerhalb einer kurzen Zeitspanne produzieren und im Sprint nützen können. „Zocker“ provozierten kaltblütig und somit unter Schonung der eigenen Depots einen Fehlstart und spekulierten, dass die Konkurrenten den ersten Startversuch tierisch ernst nehmen und dann spürbar „leerer“ zum nächsten antreten mussten.
Das Problem und der Druck wurden mit der Zuspitzung des Reglements, das erst ein Jahr in Kraft ist, auf die überreizten Nervensysteme der Sportler/innen übertragen und produzierte bei der WM in Daegu den SuperGAU.
Ist Superstar Usain Bolt nachdem er im 100Meter Finale der Leichtathletik WM in Südkorea wegen eines deutlichen Blitzstarts disqualifiziert wurde das Opfer ordnungswütiger Sportbürokraten?
Für mich bleibt EIN großes Fragezeichen: Warum konnte eine Ausnahmeerscheinung wie Bolt, anfängerhaft oder - könnte es gar kalkuliert sein? - so peinlich früh lospreschen? Angesichts seiner Disqualifikation hat er keine schlechte Figur gemacht, den „Erben“ gratuliert und insgesamt deutlich mehr Aufmerksamkeit erzeugt als mit dem Gewinn einer weiteren Goldenen in seiner ansehnlichen Sammlung. Das ist ein Gesetz der Medienwelt, das im Gegensatz zur allgemeinen Startregel ausschließlich für einen einzigen gilt, für den Supermann der Szene, der sich nur selber schlagen kann. Das ist die perverse „Lex-Bolt“ und nicht die, von enttäuschten Fans oder „Experten“ geforderte Abschaffung eines harten aber sinnvollen Sportregulativs.
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Von Kinnhaken, Zehen und Brecht
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1974 musste Reinhold Bachler nach dem Probedurchgang überraschend auf den WM-Start auf der Großschanze in Falun verzichten. Warum? Er hatte sich bei einem, von ORF-Reporter Peter Elstner organisierten, „Kickerl“ am Vortag den kleinen Zeh gebrochen und die Schmerzen waren zu stark für zwei Wettkampfsprünge.
Der Schwergewichtler David Haye hat mit derselben Verletzung immerhin 12 Runden gegen Wladimir Klitschko geboxt, und dabei besser ausgesehen, als bei seinen peinlichen Auftritten vor dem Kampf auch besser als dies Klitschko-freundliche Punkterichterurteile und Presse suggerieren.
„Die Haupt-Todfeinde des natürlichen naiven und volkstümlichen Boxsportes sind jene Gelehrten, die an den Seilen sitzen und in ihre Hüte hinein Punkte sammeln“ hätte Bertolt Brecht dem taumelnden Triumph im umfunktionierten Hamburger Fußballstadion entgegen gehalten. Was wäre ihm aber erst zur Inszenierung im Vorfeld des Kampfes, zu Hayes T-Shirt, das ihn mit dem abgeschnittenen Kopf Klitschkos in der Pranke zeigt, oder zum stundenlangen Count-Down am Kampfabend eingefallen? Kein Klischee, kein pyrotechnischer oder akustischer Effekt, kein Kitsch, kein Promi, der in der Choreografie der TV-Zirkusoperette nicht eingebaut wurde, um die Bedeutung des bevorstehenden Ereignisses aufzublasen. Exweltmeister wie Tyson, Foreman oder Lewis moderierten, oder gaben Schaustellerdebuts in Kurzszenen vor Gangsterfilmkulissen. Ein Kampf Joe Frazier-Muhammad Ali hatte vor 40 Jahren und von innen heraus jene Magie, die die Deutsch-Ukrainische Boxmaschinerie angestrengt herstellen möchte und es doch nicht schafft.
Die durchgestylte Erfolgsindustrie wollte Hayes mit unkonventionellen Mitteln schon im Vorfeld durchbrechen und war im Kampf näher dran, als es der 110kg-Dr. Steelhammer zugeben würde, aber zu spüren bekam.
Kurzfristig glaubte ich, Haye würde den künstlichen Hype am Kulminationspunkt tatsächlich platzen lassen, als er nach dem Aufruf in der Kabine blieb. Aber er erschien doch, eine lange Viertelstunde zu spät, hatte den Rhythmus im Ablauf ein wenig durcheinander gebracht und boxte interessant und frech. Klitschko war sichtlich erleichtert und Haye kein schlechter Verlierer. Nur die Geschichte mit dem Zeh kam taktisch zu plump an die Öffentlichkeit und bot die Möglichkeit, es als Ausrede statt als echtes Handicap darzustellen.
Nach einem verlorenen Kampf von Ali erfuhr man erst Tage danach, dass er mindestens 8 Runden mit gebrochenem Kiefer gegen Ken Norton geboxt hatte, das machte Eindruck und ließ einen den Wecker auf 3 Uhr 45 stellen.
16,5 Millionen Zuseher bei RTL sind ein Rekord: Es war eine äußerst erfolgreiche Veranstaltung, der smarte Wladimir hat gewonnen, sich -noch dampfend - in drei Sprachen bei den Zusehern bedankt, den Kampf analysiert, und Interpretation und Wording des, aus seiner Sicht, ungefährdeten Sieges wie ein Moderator festgelegt.
Angesichts der überladenen Inszenierung dieses Boxkampfes wird sehr deutlich, Teil welcher Kultur der Sport zu werden droht, wie dies offenbar schon länger absehbar war.:
„Ich bin gegen die Bemühungen aus dem Sport ein Kulturgut zu machen, schon darum, weil ich weiß, was die Gesellschaft mit Kulturgütern alles treibt, und der Sport dazu wirklich zu schade ist.“ (Bertolt Brecht, Der Kinnhaken )
Der Schwergewichtler David Haye hat mit derselben Verletzung immerhin 12 Runden gegen Wladimir Klitschko geboxt, und dabei besser ausgesehen, als bei seinen peinlichen Auftritten vor dem Kampf auch besser als dies Klitschko-freundliche Punkterichterurteile und Presse suggerieren.
„Die Haupt-Todfeinde des natürlichen naiven und volkstümlichen Boxsportes sind jene Gelehrten, die an den Seilen sitzen und in ihre Hüte hinein Punkte sammeln“ hätte Bertolt Brecht dem taumelnden Triumph im umfunktionierten Hamburger Fußballstadion entgegen gehalten. Was wäre ihm aber erst zur Inszenierung im Vorfeld des Kampfes, zu Hayes T-Shirt, das ihn mit dem abgeschnittenen Kopf Klitschkos in der Pranke zeigt, oder zum stundenlangen Count-Down am Kampfabend eingefallen? Kein Klischee, kein pyrotechnischer oder akustischer Effekt, kein Kitsch, kein Promi, der in der Choreografie der TV-Zirkusoperette nicht eingebaut wurde, um die Bedeutung des bevorstehenden Ereignisses aufzublasen. Exweltmeister wie Tyson, Foreman oder Lewis moderierten, oder gaben Schaustellerdebuts in Kurzszenen vor Gangsterfilmkulissen. Ein Kampf Joe Frazier-Muhammad Ali hatte vor 40 Jahren und von innen heraus jene Magie, die die Deutsch-Ukrainische Boxmaschinerie angestrengt herstellen möchte und es doch nicht schafft.
Die durchgestylte Erfolgsindustrie wollte Hayes mit unkonventionellen Mitteln schon im Vorfeld durchbrechen und war im Kampf näher dran, als es der 110kg-Dr. Steelhammer zugeben würde, aber zu spüren bekam.
Kurzfristig glaubte ich, Haye würde den künstlichen Hype am Kulminationspunkt tatsächlich platzen lassen, als er nach dem Aufruf in der Kabine blieb. Aber er erschien doch, eine lange Viertelstunde zu spät, hatte den Rhythmus im Ablauf ein wenig durcheinander gebracht und boxte interessant und frech. Klitschko war sichtlich erleichtert und Haye kein schlechter Verlierer. Nur die Geschichte mit dem Zeh kam taktisch zu plump an die Öffentlichkeit und bot die Möglichkeit, es als Ausrede statt als echtes Handicap darzustellen.
Nach einem verlorenen Kampf von Ali erfuhr man erst Tage danach, dass er mindestens 8 Runden mit gebrochenem Kiefer gegen Ken Norton geboxt hatte, das machte Eindruck und ließ einen den Wecker auf 3 Uhr 45 stellen.
16,5 Millionen Zuseher bei RTL sind ein Rekord: Es war eine äußerst erfolgreiche Veranstaltung, der smarte Wladimir hat gewonnen, sich -noch dampfend - in drei Sprachen bei den Zusehern bedankt, den Kampf analysiert, und Interpretation und Wording des, aus seiner Sicht, ungefährdeten Sieges wie ein Moderator festgelegt.
Angesichts der überladenen Inszenierung dieses Boxkampfes wird sehr deutlich, Teil welcher Kultur der Sport zu werden droht, wie dies offenbar schon länger absehbar war.:
„Ich bin gegen die Bemühungen aus dem Sport ein Kulturgut zu machen, schon darum, weil ich weiß, was die Gesellschaft mit Kulturgütern alles treibt, und der Sport dazu wirklich zu schade ist.“ (Bertolt Brecht, Der Kinnhaken )
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They never come back… 11. Juni 2011
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…beschreibt den Inhalt einer düsteren Weisheit und sich selbst erfüllenden Prophezeiung der Schwergewichtsboxszene in den 60er Jahren. Floyd Patterson und Muhammad Ali durchbrachen das eherne Gesetz und holten den Gürtel ein zweites Mal.
Der Zauber des Wiedereinstieges von ehemaligen Champions ist immer wieder elektrisierend, ganz besonders für die Akteure. Viele Parameter entscheiden über die Erfolgschancen eines solchen Vorhabens: Die Sportart, das biologische Alter, das Trainingsalter, die Länge der Pause, Veränderungen am Reglement, Material und die Seriosität des Versuchs. 1982 probierte ich, nach verletzungsbedingtem Karriereende für die 2 Wochen der WM in Oslo einen launigen, aber faszinierenden Wiedereinstieg. Seither weckt jede Ankündigung eines Comebacks, meine professionelle Neugier.
Babypausen sind der Hauptgrund, warum die Damen in dieser Dimension mehr (positive) Erfahrung haben. Mutter Kim Kleisters z.B. bescherte dem Tennis nicht nur bewundernswerte Leistungen, sondern mit dem, ihr aus dem Gesicht geschnittenen Töchterchen Jada, herzerfrischende, die Linien des Tenniscourts erweiternde Szenen.
In „unseren“ Disziplinen sind nicht alle Legenden erfolgreich aus dem Ruhestand zurückgekehrt. Warum? Weil es um den feinen Unterschied geht: Felix Gottwald, war zwei Jahre in Pension, und mit 35 wieder gut genug um in Serie zu siegen, eine vielschichtige Bereicherung, nicht nur für den ÖSV. Die Überbetonung des Langlaufs im neuen Reglement nutzte vor ihm Tod Lodwick zum Comeback und 2009 zum Gewinn von 2 WM-Goldenen. Janne Ahonens Comeback dagegen kann ohne Majestätsbeleidigung als sportlich gescheitert bezeichnet werden. Einstige Vorteile waren gekippt. Die Wettbewerbssituation war eine andere, die Luft wurde dünn für den „Königsadler aus Lahti“. Die flache Skiführung, die er schon vor der Einführung der Amann-Bindung an guten Tagen beherrschte, ist Allgemeingut geworden, athletisch und hinsichtlich des Speeds im Anlauf kamen mittlerweile viele andere an ihn heran. Vielleicht hatte er sich, gemessen an Gottwalds Vorbereitung, auch zu sehr auf sein Talent verlassen.
Kurz nach seinem Statthallenauftritt gegen Andi Haider-Maurer traf ich den austrainierten und gespenstisch fokussierten Thomas Muster. Dem ernsthaften Comeback der 43-Jährigen Ex-Nr. 1 haftet mit Blick auf die Wettkampfabstinenz, die zwischenzeitliche Entwicklung der Sportart und seiner völligen Immunität gegenüber allen Deutungsversuchen etwas Exotisches an.
Im Tennis sind keine, für seine Chancen sprechende Änderungen, z.B. „Best-of-Seven“ eingetreten, das Spiel ist unangenehm schneller geworden. Warum kommt er zurück, wenn weder die Top 10 noch Geld oder Scheinwerferlicht winken können? Parallelen zum gut ein Jahr jüngeren Michael Schuhmacher, einer Allzeit-Nr. 1? Nein, Schumi, mit dem Vorteil des nicht alternden Motors, wollte und will vermutlich ganz nach vorne.
Leiden beide Ikonen unter Selbstüberschätzung oder demonstrieren sie den Mut zum Abenteuer unter dem Segel eines autarken und lebendigen Maßstabes? Muster und Schumi setzen ihre krisensicher angelegten Imagedepots aufs Spiel und liefern nebenbei Fans und Experten empirische Antworten auf bislang nur theoretisch erörterbare Fragen.
Existiert neben der Lust, die altersresistente sportliche Exzellenz am härtest möglichen Maßstab zu prüfen noch eine andere sehr exklusive Dimension? Das Vergnügen, als reifer Herr vor den Augen der irritierten Fans am eigenen, drückend schweren Jugenddenkmal zu rütteln. Frei von finanziellen Ängsten oder unabhängig davon kann das für Ikonen ein Gewinn an menschlicher Lebensqualität- und Empfindungsfähigkeit sein und der Frage, wem eigentlich ein Denkmal gehört, sportliche Brisanz verleihen.
Der Zauber des Wiedereinstieges von ehemaligen Champions ist immer wieder elektrisierend, ganz besonders für die Akteure. Viele Parameter entscheiden über die Erfolgschancen eines solchen Vorhabens: Die Sportart, das biologische Alter, das Trainingsalter, die Länge der Pause, Veränderungen am Reglement, Material und die Seriosität des Versuchs. 1982 probierte ich, nach verletzungsbedingtem Karriereende für die 2 Wochen der WM in Oslo einen launigen, aber faszinierenden Wiedereinstieg. Seither weckt jede Ankündigung eines Comebacks, meine professionelle Neugier.
Babypausen sind der Hauptgrund, warum die Damen in dieser Dimension mehr (positive) Erfahrung haben. Mutter Kim Kleisters z.B. bescherte dem Tennis nicht nur bewundernswerte Leistungen, sondern mit dem, ihr aus dem Gesicht geschnittenen Töchterchen Jada, herzerfrischende, die Linien des Tenniscourts erweiternde Szenen.
In „unseren“ Disziplinen sind nicht alle Legenden erfolgreich aus dem Ruhestand zurückgekehrt. Warum? Weil es um den feinen Unterschied geht: Felix Gottwald, war zwei Jahre in Pension, und mit 35 wieder gut genug um in Serie zu siegen, eine vielschichtige Bereicherung, nicht nur für den ÖSV. Die Überbetonung des Langlaufs im neuen Reglement nutzte vor ihm Tod Lodwick zum Comeback und 2009 zum Gewinn von 2 WM-Goldenen. Janne Ahonens Comeback dagegen kann ohne Majestätsbeleidigung als sportlich gescheitert bezeichnet werden. Einstige Vorteile waren gekippt. Die Wettbewerbssituation war eine andere, die Luft wurde dünn für den „Königsadler aus Lahti“. Die flache Skiführung, die er schon vor der Einführung der Amann-Bindung an guten Tagen beherrschte, ist Allgemeingut geworden, athletisch und hinsichtlich des Speeds im Anlauf kamen mittlerweile viele andere an ihn heran. Vielleicht hatte er sich, gemessen an Gottwalds Vorbereitung, auch zu sehr auf sein Talent verlassen.
Kurz nach seinem Statthallenauftritt gegen Andi Haider-Maurer traf ich den austrainierten und gespenstisch fokussierten Thomas Muster. Dem ernsthaften Comeback der 43-Jährigen Ex-Nr. 1 haftet mit Blick auf die Wettkampfabstinenz, die zwischenzeitliche Entwicklung der Sportart und seiner völligen Immunität gegenüber allen Deutungsversuchen etwas Exotisches an.
Im Tennis sind keine, für seine Chancen sprechende Änderungen, z.B. „Best-of-Seven“ eingetreten, das Spiel ist unangenehm schneller geworden. Warum kommt er zurück, wenn weder die Top 10 noch Geld oder Scheinwerferlicht winken können? Parallelen zum gut ein Jahr jüngeren Michael Schuhmacher, einer Allzeit-Nr. 1? Nein, Schumi, mit dem Vorteil des nicht alternden Motors, wollte und will vermutlich ganz nach vorne.
Leiden beide Ikonen unter Selbstüberschätzung oder demonstrieren sie den Mut zum Abenteuer unter dem Segel eines autarken und lebendigen Maßstabes? Muster und Schumi setzen ihre krisensicher angelegten Imagedepots aufs Spiel und liefern nebenbei Fans und Experten empirische Antworten auf bislang nur theoretisch erörterbare Fragen.
Existiert neben der Lust, die altersresistente sportliche Exzellenz am härtest möglichen Maßstab zu prüfen noch eine andere sehr exklusive Dimension? Das Vergnügen, als reifer Herr vor den Augen der irritierten Fans am eigenen, drückend schweren Jugenddenkmal zu rütteln. Frei von finanziellen Ängsten oder unabhängig davon kann das für Ikonen ein Gewinn an menschlicher Lebensqualität- und Empfindungsfähigkeit sein und der Frage, wem eigentlich ein Denkmal gehört, sportliche Brisanz verleihen.
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Die leisen Verursacher 7. Mai 2011
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Dreimal pro Woche versammelte Günter Kaufmann seine kleinen Skifahrer vor dem Zugang zur Seilbahn. Mit 8 Jahren durfte ich auch beim Riesenslalom-Training mitmachen. Ich war stolz und aufgeregt. Vom großen Bruder Sigi wurde ich mit Anti-Peinlichkeits-Maßregeln und seinen abgelegten Brettern versehen und Mamas, extra für diesen großen Tag, gestrickte Mütze trug ich wie eine Krone. An den Wochenenden packte uns der Trainer in seinen Opel Commodore und wir fuhren zu Rennen in ganz Vorarlberg. Sigi und Artur gewannen einige davon, und der Trainer tröstete mich mit seinem wissenden Lächeln „deine Zeit kommt noch!“. Ich habe es, auch nach dem fünften Ausfall, noch gerne geglaubt, war stolz auf meinen Bruder und unseren Opel und hab mich auf das nächste Rennen gefreut.
Unser Trainer argumentierte für uns, damit wir für wichtige Rennen über den Arlberg mitgenommen wurden. Einmal brachte er mich nicht unter und ich ging Skispringen. Die behielten mich auch prompt. Ob im Landesverband oder später im ÖSV, überall waren Freiwillige in Schlüsselfunktionen und unbezahlt als Sportwarte und Referenten im Einsatz. Otto Mayr, Otto Horngacher und Hans Stattmann, sie hielten die Struktur im Hintergrund mit Geschick am Laufen. Unser Erfolgstrainer Baldur Preiml weist gerne auf deren wichtigen Beitrag zum ÖSV-Springerwunder der 70er-Jahre hin. Diese Eigenerfahrung ist prototypisch für viele Gegenden in Österreich, vom kleinen Walsertal bis zum Semmering aber auch für viele anderen Sportarten und andere Gesellschaftsbereiche. Die wichtigsten, prägenden Erfahrungen in der Entwicklung, auch von aktuellen Sportelstars, passieren am Anfang. Es formt sich das Grundmuster einer Sportpersönlichkeit; Begeisterungsfähigkeit, Lernverhalten, die technischen Basics, Lernbereitschaft, Fehlerkultur und Teamfähigkeit.
Wer bereits zum größten ehrenamtlichen Club der Welt, zu dem engagierter Eltern gehört, taucht bald auf dem Radar der Vereine auf. Mit dem ersten Kilometer summierter Flugweite des eigenen Nachwuchses ereilte auch mich beim SV Innsbruck-Bergisel dieses Schicksal: Zum Job als Aushilfstrainer kam die Beförderung zum Obmann-Stellvertreter, ein Amt, das ich 8 Jahre ausfüllte. Diese Komplementärerfahrungen zu meiner Arbeit im professionellen ÖSV, haben mein Bild vom Mikrokosmos des Leistungssports abgerundet und meine Tätigkeit als Sportdirektor maßgeblich inspiriert und sogar verlängert. Schließlich wollte ich erleben, was aus unseren Talenten wird, wenn sie reif sind. Institutionen wie Landesverbände, Skigymnasium Stams und ÖSV profitieren in großem Ausmaß von der Arbeitsqualität Freiwilliger an der Basis. Unsere ehrenamtliche Tätigkeit war nicht immer leicht und lustig, sie war z.B. beim Schanzenumbau, auch belastend und verantwortungsvoll. Der erlebte Zusammenhalt in einer großartigen Gruppe und die gegenseitige ehrliche Wertschätzung für die individuell eingebrachten Stärken ist es wert und kann nicht gekauft werden.
Das EU-Parlament hat 2011 zum Jahr des Ehrenamtes und der Freiwilligkeit erklärt. Diese Wertschätzung - oder ist es schon ein Hilferuf der Politik? - richtet sich an die Millionen von Menschen, die, ohne dafür bezahlt zu werden, mit Begeisterung und persönlicher Sinnerfüllung wertvollste Aufgaben für das Gemeinwohl wahrnehmen. Dabei können bindende Werte vermittelt und erlebbar gemacht werden. Die Gesellschaft braucht das dringend, die Politik hat es erkannt, kann es aber nicht verordnen und tut sich auch mit dem Vorleben schwer. Es ist ein schönes Zeichen aus Brüssel, das auch im Lager der leisen Verursacher großer Sporterfolge mit Genugtuung registriert und gedeutete werden sollte. Die Championsleague ist beeindruckend, aber nicht das Wichtigste im Sport!
Unser Trainer argumentierte für uns, damit wir für wichtige Rennen über den Arlberg mitgenommen wurden. Einmal brachte er mich nicht unter und ich ging Skispringen. Die behielten mich auch prompt. Ob im Landesverband oder später im ÖSV, überall waren Freiwillige in Schlüsselfunktionen und unbezahlt als Sportwarte und Referenten im Einsatz. Otto Mayr, Otto Horngacher und Hans Stattmann, sie hielten die Struktur im Hintergrund mit Geschick am Laufen. Unser Erfolgstrainer Baldur Preiml weist gerne auf deren wichtigen Beitrag zum ÖSV-Springerwunder der 70er-Jahre hin. Diese Eigenerfahrung ist prototypisch für viele Gegenden in Österreich, vom kleinen Walsertal bis zum Semmering aber auch für viele anderen Sportarten und andere Gesellschaftsbereiche. Die wichtigsten, prägenden Erfahrungen in der Entwicklung, auch von aktuellen Sportelstars, passieren am Anfang. Es formt sich das Grundmuster einer Sportpersönlichkeit; Begeisterungsfähigkeit, Lernverhalten, die technischen Basics, Lernbereitschaft, Fehlerkultur und Teamfähigkeit.
Wer bereits zum größten ehrenamtlichen Club der Welt, zu dem engagierter Eltern gehört, taucht bald auf dem Radar der Vereine auf. Mit dem ersten Kilometer summierter Flugweite des eigenen Nachwuchses ereilte auch mich beim SV Innsbruck-Bergisel dieses Schicksal: Zum Job als Aushilfstrainer kam die Beförderung zum Obmann-Stellvertreter, ein Amt, das ich 8 Jahre ausfüllte. Diese Komplementärerfahrungen zu meiner Arbeit im professionellen ÖSV, haben mein Bild vom Mikrokosmos des Leistungssports abgerundet und meine Tätigkeit als Sportdirektor maßgeblich inspiriert und sogar verlängert. Schließlich wollte ich erleben, was aus unseren Talenten wird, wenn sie reif sind. Institutionen wie Landesverbände, Skigymnasium Stams und ÖSV profitieren in großem Ausmaß von der Arbeitsqualität Freiwilliger an der Basis. Unsere ehrenamtliche Tätigkeit war nicht immer leicht und lustig, sie war z.B. beim Schanzenumbau, auch belastend und verantwortungsvoll. Der erlebte Zusammenhalt in einer großartigen Gruppe und die gegenseitige ehrliche Wertschätzung für die individuell eingebrachten Stärken ist es wert und kann nicht gekauft werden.
Das EU-Parlament hat 2011 zum Jahr des Ehrenamtes und der Freiwilligkeit erklärt. Diese Wertschätzung - oder ist es schon ein Hilferuf der Politik? - richtet sich an die Millionen von Menschen, die, ohne dafür bezahlt zu werden, mit Begeisterung und persönlicher Sinnerfüllung wertvollste Aufgaben für das Gemeinwohl wahrnehmen. Dabei können bindende Werte vermittelt und erlebbar gemacht werden. Die Gesellschaft braucht das dringend, die Politik hat es erkannt, kann es aber nicht verordnen und tut sich auch mit dem Vorleben schwer. Es ist ein schönes Zeichen aus Brüssel, das auch im Lager der leisen Verursacher großer Sporterfolge mit Genugtuung registriert und gedeutete werden sollte. Die Championsleague ist beeindruckend, aber nicht das Wichtigste im Sport!
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Bindungsängste und Sportpolitik
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Ist es pietätslos, wenn tragische Anlassfälle und die daraus resultierende Betroffenheit genutzt werden, um konsequent auf Missstände und Fehleinschätzungen aufmerksam zu machen? Ist es fair, die Gunst der traurigen, aber sensitiven Stunden zu nutzen? Die Atomgegner und Grünen in Deutschland haben sich nicht gescheut, die japanische Katastrophe reaktionsschnell und erfolgreich für sich instrumentalisieren. Seit vielen Jahren geäußerte Bedenken gegen die Beherrschung von Radioaktivität erhielten mit einem Schlag enormes Gewicht.
Ich finde das richtig. Gerade Minderheiten sind gut beraten, bei Ereignissen, die betroffen machen, nicht allzu zurückhaltend und nobel mit ihren Forderungen zu sein.
„Wie oben so unten“ ist ein Lieblingsspruch von Baldur Preiml, dem Begründer der außergewöhnlichen Österreichischen Skisprungkultur in den siebziger Jahren. Die Mechanismen und Verhaltensmuster innerhalb der vergleichsweise bedeutungslosen Sportpolitik brauchen den strukturellen Vergleich mit dem großen Bruder Weltpolitik nicht zu scheuen. Eine – in dieser Anzahl –noch nie dagewesene Häufung von Knieverletzungen, (Schlierenzauer, Zauner, Iraschko, Larinto, Innauer…) wirft ein neues Bild auf die Debatte um die Schweizer Kipp-Bindung, mit der Simon Ammann bei den Olympischen Spielen 2010 den großen Coup gelandet hat: Der ÖSV und ich persönlich haben mehrfach auf das damit verbundene Sicherheitsrisiko hingewiesen. Warum wurde diese Dimension nach den Olympischen Spielen 2010 vom Materialkomitee der FIS nicht einmal andiskutiert? Warum hat kein einziger der nationalen Vertreter einen Antrag eingebracht?
Die Gründe lauten: politisches Kalkül und Vorteilsdenken. Die Bindung war von den Mitgliedern dieser Kommission bei den Spielen unter dem Druck völlig unsachlicher Pressemeldungen als „nicht relevante technische Neuerung“ deklariert und durchgewinkt worden. Es wäre zwar sachlich und sportlich richtig gewesen, diese kurzsichtige Entscheidung nach Saisonende in Frage zu stellen oder sogar zu revidieren, aber das wäre einem Gesichtsverlust der Verantwortlichen gleich gekommen. Die zusätzliche Hoffnung auf Vorteile für die eigenen Sportler (sogar Ammann büßte, sobald seine Bindungstechnologie von allen verwendet wurde, seine Überlegenheit ein) ersetzte das Verantwortungsbewusstsein für die Gesundheit der letzten Glieder in der Kette, der Athletinnen und Athleten.
Diese schneesportlichen Probleme liegen zwar inhaltlich und, die tragischen Auswirkungen betreffend, so weit von der drohenden oder schon passierten Kernschmelze in Fukushima entfernt wie die Alpen vom Fujiyama. Die psychosozial-politischen Strukturen beider Welten zeigen aber erschreckend ähnliche Muster: Ein latent vorhandenes Problem wird verdrängt, heruntergespielt und vertuscht, solange es eigene Interessen und Image oder diejenigen einer Lobby bedroht und solange es nicht akut wird. Wenn bei Unfällen nicht Alarm geschlagen wird, besteht die Gefahr, dass man sich, wie im Alpinbereich an die Kollateralschäden gewöhnt – erst die heurige ÖSV-Verletzungserie ließ plötzlich viele Gegenstimmen laut werden. Der internationale Skisprungsport ist es der Gesundheit seiner tollen AthletInnen und seinem öffentlichen Ruf schuldig, das heiße Bindungs-Eisen bei den kommenden Frühjahrssitzungen entschlossen anzupacken.
Ich finde das richtig. Gerade Minderheiten sind gut beraten, bei Ereignissen, die betroffen machen, nicht allzu zurückhaltend und nobel mit ihren Forderungen zu sein.
„Wie oben so unten“ ist ein Lieblingsspruch von Baldur Preiml, dem Begründer der außergewöhnlichen Österreichischen Skisprungkultur in den siebziger Jahren. Die Mechanismen und Verhaltensmuster innerhalb der vergleichsweise bedeutungslosen Sportpolitik brauchen den strukturellen Vergleich mit dem großen Bruder Weltpolitik nicht zu scheuen. Eine – in dieser Anzahl –noch nie dagewesene Häufung von Knieverletzungen, (Schlierenzauer, Zauner, Iraschko, Larinto, Innauer…) wirft ein neues Bild auf die Debatte um die Schweizer Kipp-Bindung, mit der Simon Ammann bei den Olympischen Spielen 2010 den großen Coup gelandet hat: Der ÖSV und ich persönlich haben mehrfach auf das damit verbundene Sicherheitsrisiko hingewiesen. Warum wurde diese Dimension nach den Olympischen Spielen 2010 vom Materialkomitee der FIS nicht einmal andiskutiert? Warum hat kein einziger der nationalen Vertreter einen Antrag eingebracht?
Die Gründe lauten: politisches Kalkül und Vorteilsdenken. Die Bindung war von den Mitgliedern dieser Kommission bei den Spielen unter dem Druck völlig unsachlicher Pressemeldungen als „nicht relevante technische Neuerung“ deklariert und durchgewinkt worden. Es wäre zwar sachlich und sportlich richtig gewesen, diese kurzsichtige Entscheidung nach Saisonende in Frage zu stellen oder sogar zu revidieren, aber das wäre einem Gesichtsverlust der Verantwortlichen gleich gekommen. Die zusätzliche Hoffnung auf Vorteile für die eigenen Sportler (sogar Ammann büßte, sobald seine Bindungstechnologie von allen verwendet wurde, seine Überlegenheit ein) ersetzte das Verantwortungsbewusstsein für die Gesundheit der letzten Glieder in der Kette, der Athletinnen und Athleten.
Diese schneesportlichen Probleme liegen zwar inhaltlich und, die tragischen Auswirkungen betreffend, so weit von der drohenden oder schon passierten Kernschmelze in Fukushima entfernt wie die Alpen vom Fujiyama. Die psychosozial-politischen Strukturen beider Welten zeigen aber erschreckend ähnliche Muster: Ein latent vorhandenes Problem wird verdrängt, heruntergespielt und vertuscht, solange es eigene Interessen und Image oder diejenigen einer Lobby bedroht und solange es nicht akut wird. Wenn bei Unfällen nicht Alarm geschlagen wird, besteht die Gefahr, dass man sich, wie im Alpinbereich an die Kollateralschäden gewöhnt – erst die heurige ÖSV-Verletzungserie ließ plötzlich viele Gegenstimmen laut werden. Der internationale Skisprungsport ist es der Gesundheit seiner tollen AthletInnen und seinem öffentlichen Ruf schuldig, das heiße Bindungs-Eisen bei den kommenden Frühjahrssitzungen entschlossen anzupacken.
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Mit Marios Kämpferherz und gemeinsam wird es wieder bergauf gehen
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Der beschauliche Frühlingsblog (kommt demnächst) war schon fertig. Meine Marlene und ich saßen nach einem herrlichen Skivormittag in Lech beim Kaffee im Hotel Theodul.
Mein Telefon leuchtete in der Handyverbotszone des Hotels verlockend auf. Ein Anruf von Ernst Vettori wurde angezeigt, und verhaltene Vorfreude überkam mich. Will mein vom Erfolg überhäufter Nachfolger seinem Vorgänger eine Freude machen und feierlich mitteilen, dass sein Sohn Mario gerade die Gesamtwertung des COC-Cups gewonnen hat? Mit genau dieser Absicht war unser Mario als Führender und endlich in guter Form ins polnische Wisla gefahren, in die Heimatstadt von Adam Malysz, einem seiner großen Vorbilder.
Ernst fragte, ob ich’s eh schon weiß. Nein, ich wusste es noch nicht und dachte immer noch an den schönen, finalen Achtungserfolg, als Ernst mir eröffnete, dass Mario leider gestürzt und verletzt sei.
Der Trost von Freund zu Freund, Ex-Springer zu Ex-Trainer und Sportlervater zu Sportlervater birgt eine besondere Kraft in sich, und es schwang zu diesem Zeitpunkt auch noch die Hoffnung auf eine leichtere Knieverletzung, so die Diagnose der polnischen Mediziner, mit .
Am nächsten Morgen, nach vielen Stunden Autofahrt und einer Nacht im eigenen Bett dann die große Ernüchterung und unverrückbare Tatsachen: Dr. Christian Fink genügte ein einziger Blick auf das geschwollene Knie, um festzustellen, dass weit mehr passiert sein dürfte als ein Außenbandriss.
Mario liegt jetzt im Sanatorium in Hochrum, ist frisch operiert, die erste gute Nachricht an diesem Tag lautete, dass Dr. Fink die Rekonstruktion der verletzten Strukturen in einer statt in zwei Operationen, wie er schon befürchtet hatte, bewältigen konnte.
Mario ist erstaunlich guter Dinge, obwohl er um die Schwere der Verletzung und den langen Weg zurück in die Trainingshallen und auf die Sprungschanzen weiß. Im Bett neben ihm liegt zufällig sein Kindheitsfreund Thomas Schranz. Mit vereinten Kräften haben die beiden schon als Volksschüler in der Steinbruchstraße die Fensterscheiben bei Frau Penn, unserer Vermieterin, mit dem Fußball eingeschossen. Fast logisch, dass Thomas zum American Football und den Swarco-Raiders finden musste. Es sind die genähten Kreuzbänder im Knie, die die beiden für ein paar Tage wieder zu Nachbarn werden lässt, zu Leidensgenossen im Spital.
Mario freut sich über die einmalige und vertrauensspendende Unterstützung innerhalb und außerhalb des Spitals, die vielen Besuche und schönen Anrufe von Freunden, Betreuern und Verwandten. Seine Freundin fängt ihn ganz toll auf, unterstützt ihn bestens. Es war auch große Klasse, dass die Springerkollegen vom Weltcup in Lahti kommend, angeführt von Freund Gregor und Florian Kotlaba und, nicht abgesprochen und gefolgt vom Adlerchef Alex und Fetti, direkt vom Flughafen zu ihm gefahren sind, um ihm Mut zuzusprechen. Das hilft!
Momentan ist es auch der Blick nach vorne und die Zuversicht, die Mario und uns helfen werden.
Es ist gut zu wissen, dass ich mehr Zeit für ihn und seine nächsten Schritte haben werde als in der Vergangenheit und ihm gerade in dieser Phase aus eigenen, anfänglich bitteren Erfahrungen, die schließlich ein gutes Ende hatten, unterstützen kann.
Grobe Analysen über den Sturzablauf haben wir natürlich schon angestellt, mögliche Eigenfehler von den Tücken der neuen, zu wild wuchernden Materialentwicklungen im Bindungsbereich getrennt.
Hier und heute ist aber nicht der Platz für diese Diskussion, sehr wohl aber ein weiterer Anlassfall, der nicht nur den letzten Betroffenen belastet.
Mein Telefon leuchtete in der Handyverbotszone des Hotels verlockend auf. Ein Anruf von Ernst Vettori wurde angezeigt, und verhaltene Vorfreude überkam mich. Will mein vom Erfolg überhäufter Nachfolger seinem Vorgänger eine Freude machen und feierlich mitteilen, dass sein Sohn Mario gerade die Gesamtwertung des COC-Cups gewonnen hat? Mit genau dieser Absicht war unser Mario als Führender und endlich in guter Form ins polnische Wisla gefahren, in die Heimatstadt von Adam Malysz, einem seiner großen Vorbilder.
Ernst fragte, ob ich’s eh schon weiß. Nein, ich wusste es noch nicht und dachte immer noch an den schönen, finalen Achtungserfolg, als Ernst mir eröffnete, dass Mario leider gestürzt und verletzt sei.
Der Trost von Freund zu Freund, Ex-Springer zu Ex-Trainer und Sportlervater zu Sportlervater birgt eine besondere Kraft in sich, und es schwang zu diesem Zeitpunkt auch noch die Hoffnung auf eine leichtere Knieverletzung, so die Diagnose der polnischen Mediziner, mit .
Am nächsten Morgen, nach vielen Stunden Autofahrt und einer Nacht im eigenen Bett dann die große Ernüchterung und unverrückbare Tatsachen: Dr. Christian Fink genügte ein einziger Blick auf das geschwollene Knie, um festzustellen, dass weit mehr passiert sein dürfte als ein Außenbandriss.
Mario liegt jetzt im Sanatorium in Hochrum, ist frisch operiert, die erste gute Nachricht an diesem Tag lautete, dass Dr. Fink die Rekonstruktion der verletzten Strukturen in einer statt in zwei Operationen, wie er schon befürchtet hatte, bewältigen konnte.
Mario ist erstaunlich guter Dinge, obwohl er um die Schwere der Verletzung und den langen Weg zurück in die Trainingshallen und auf die Sprungschanzen weiß. Im Bett neben ihm liegt zufällig sein Kindheitsfreund Thomas Schranz. Mit vereinten Kräften haben die beiden schon als Volksschüler in der Steinbruchstraße die Fensterscheiben bei Frau Penn, unserer Vermieterin, mit dem Fußball eingeschossen. Fast logisch, dass Thomas zum American Football und den Swarco-Raiders finden musste. Es sind die genähten Kreuzbänder im Knie, die die beiden für ein paar Tage wieder zu Nachbarn werden lässt, zu Leidensgenossen im Spital.
Mario freut sich über die einmalige und vertrauensspendende Unterstützung innerhalb und außerhalb des Spitals, die vielen Besuche und schönen Anrufe von Freunden, Betreuern und Verwandten. Seine Freundin fängt ihn ganz toll auf, unterstützt ihn bestens. Es war auch große Klasse, dass die Springerkollegen vom Weltcup in Lahti kommend, angeführt von Freund Gregor und Florian Kotlaba und, nicht abgesprochen und gefolgt vom Adlerchef Alex und Fetti, direkt vom Flughafen zu ihm gefahren sind, um ihm Mut zuzusprechen. Das hilft!
Momentan ist es auch der Blick nach vorne und die Zuversicht, die Mario und uns helfen werden.
Es ist gut zu wissen, dass ich mehr Zeit für ihn und seine nächsten Schritte haben werde als in der Vergangenheit und ihm gerade in dieser Phase aus eigenen, anfänglich bitteren Erfahrungen, die schließlich ein gutes Ende hatten, unterstützen kann.
Grobe Analysen über den Sturzablauf haben wir natürlich schon angestellt, mögliche Eigenfehler von den Tücken der neuen, zu wild wuchernden Materialentwicklungen im Bindungsbereich getrennt.
Hier und heute ist aber nicht der Platz für diese Diskussion, sehr wohl aber ein weiterer Anlassfall, der nicht nur den letzten Betroffenen belastet.
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Märzblog
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Abseits von Weltcup- und WM-Fieber hält meine Skitourenbilanz seit Weihnachten mit gut zwei Dutzend Aufstiegen und Abfahrten bei einem imposanten Wert. Dabei soll die schönste Zeit für den Tourengeher erst kommen, bald, wie mir Andi Felder - seines Zeichens nicht nur Weltmeister im Skifliegen- und -springen, sondern auch staatlich geprüfter Berg- und Skiführer – unlängst versichert hat, während wir an eine holzgeschindelte Hüttenwald gelehnt gemeinsam die Sonne genossen. Denn demnächst wird der Firn die Frühaufsteher und Rechtzeitigabfahrer mit herrlichen Erlebnissen belohnen.
Manches Skirennen oder –springen habe ich gemeinsam mit meiner, aufgrund ihrer Langlaufvergangenheit, sehr tourenaffinen Marlene und/oder mit Freunden auf einer Schihütte, bei einem sauren Radler und einer Knödelsuppe und vor einem winzigen Fernseher konsumiert. Diese Mischung ist unschlagbar (nicht die im Bierglas). Die Kombination aus nicht zu eiligem Aufstieg mit Fellen, Umziehen, Durstlöschen, kribbelnder WM-Übertragung mit vielen bekannten Gesichtern, verdienten Siegern und anschließender Genussabfahrt: Es lebe DER Sport!
Der Rückzug der nations- und saisonumspannend beherrschenden Skiberichterstattung findet langsam, aber verlässlich statt. Meldungen von den vielerorts und fieberhaft veranstalteten Ehrungen und Empfängen für WM-Helden und Heldinnen gewinnen gemeinsam mit Fußball und Tennisübertragungen allmählich die Oberhand über die versprengt eintreffenden Weltcupergebnisse aus dem hohen Norden und letztendlich aus dem frühlingshaften Planica. Dann wissen alle, dass auch das große Nordische Wintermärchen mit den historischen Erfolgen von 2011 endgültig zu Ende sein wird. Viele ermattete Zuschauer sind dankbar für die mediale Schnee-Verschnaufpause bis zum Auftakt im Spätherbst in Sölden.
Meine selbstverordnete wettkampfbezogene Winterruhe und die – bis auf das Bergiselspringen und den Weltcup der Nordischen Kombinierer in Seefeld – nur elektronisch durchbrochene Abstinenz von den Sprungstadien war zwar seltsam, aber keinesfalls beunruhigend.
Die erfreulicherweise ständig wachsende Gesprächsdichte und – qualität mit unserem Sohn Mario und gelegentliche Beobachtungen seiner Trainingssprünge verhindern praxisnah, dass ich den direkten fachlichen und emotionalen Kontakt zum Spitzensport verlieren könnte. Die jüngste schwere Verletzung von Mario schafft allerdings schlagartig eine völlig andere Perspektive und Ausrichtung als dies nach einer Konsolidierungssaison projektiert war. Statt guter Flüge werden längere Zeit bescheidener aber ebenso wichtige Entwicklungen und therapeutische Erfolge im Blickfeld des Interesses liegen. Durch meine selbständige berufliche Situation werde ich meine Zeitbudgets so einteilen können, dass ich dem Mario als Berater und Vater zur Seite stehen kann, wann immer er mich als Ergänzung zur vorhandenen und guten Rundumbetreuung brauchen wird.
So haben wir gemeinsame und jeder auch seine eigenen Ziele und Aufgaben vor sich. Einer meiner Schwerpunkte wird in den nächsten Monaten auf der methodisch wesentlich erweiterten Weitergabe und der interaktiven Vermittlung der Erfahrungen und des Wissens aus dem Spitzenport liegen.
Es ist eine wunderbare Erfahrung, mit Büchern und Vorträgen Menschen zu erreichen und zu inspirieren. Eine bestätigende Erfahrung des eigenen Tun und Denkens. Zuletzt hat sich aber zusätzlich immer wieder das Bedürfnis gemeldet, intensiver und direkt mit Menschen auch aus sportfremden Berufsfeldern in Kontakt zu kommen und – so wie als Trainer im Spitzensport – konzentriert und intensiv gemeinsam an wichtigen persönlichen Themen zu arbeiten.
Daraus haben sich zwei, für mich sehr wichtige Projekte und Aufgaben entwickelt:
Zum ersten darf ich mein neues (mehrtägiges) Seminar:
„GEWINNEN MIT AUGENMASS“ (siehe Website) vorstellen:
In Zusammenarbeit mit Dr. Christoph Fischer, einem Psychologen, -Analytiker und Glücksforscher, mit dem mich langjährige berufliche Kontakt und private Freundschaft verbindet, ist etwas ganz Besonderes entstanden.
Zum zweiten freue ich mich sehr darauf,
im Sommersemester 2011 an der Universität für Sportwissenschaften in Salzburg eine Vorlesung zum Thema:
„Qualitäts- und Projektmanagement im Leistungssport“
zu gestalten.
Manches Skirennen oder –springen habe ich gemeinsam mit meiner, aufgrund ihrer Langlaufvergangenheit, sehr tourenaffinen Marlene und/oder mit Freunden auf einer Schihütte, bei einem sauren Radler und einer Knödelsuppe und vor einem winzigen Fernseher konsumiert. Diese Mischung ist unschlagbar (nicht die im Bierglas). Die Kombination aus nicht zu eiligem Aufstieg mit Fellen, Umziehen, Durstlöschen, kribbelnder WM-Übertragung mit vielen bekannten Gesichtern, verdienten Siegern und anschließender Genussabfahrt: Es lebe DER Sport!
Der Rückzug der nations- und saisonumspannend beherrschenden Skiberichterstattung findet langsam, aber verlässlich statt. Meldungen von den vielerorts und fieberhaft veranstalteten Ehrungen und Empfängen für WM-Helden und Heldinnen gewinnen gemeinsam mit Fußball und Tennisübertragungen allmählich die Oberhand über die versprengt eintreffenden Weltcupergebnisse aus dem hohen Norden und letztendlich aus dem frühlingshaften Planica. Dann wissen alle, dass auch das große Nordische Wintermärchen mit den historischen Erfolgen von 2011 endgültig zu Ende sein wird. Viele ermattete Zuschauer sind dankbar für die mediale Schnee-Verschnaufpause bis zum Auftakt im Spätherbst in Sölden.
Meine selbstverordnete wettkampfbezogene Winterruhe und die – bis auf das Bergiselspringen und den Weltcup der Nordischen Kombinierer in Seefeld – nur elektronisch durchbrochene Abstinenz von den Sprungstadien war zwar seltsam, aber keinesfalls beunruhigend.
Die erfreulicherweise ständig wachsende Gesprächsdichte und – qualität mit unserem Sohn Mario und gelegentliche Beobachtungen seiner Trainingssprünge verhindern praxisnah, dass ich den direkten fachlichen und emotionalen Kontakt zum Spitzensport verlieren könnte. Die jüngste schwere Verletzung von Mario schafft allerdings schlagartig eine völlig andere Perspektive und Ausrichtung als dies nach einer Konsolidierungssaison projektiert war. Statt guter Flüge werden längere Zeit bescheidener aber ebenso wichtige Entwicklungen und therapeutische Erfolge im Blickfeld des Interesses liegen. Durch meine selbständige berufliche Situation werde ich meine Zeitbudgets so einteilen können, dass ich dem Mario als Berater und Vater zur Seite stehen kann, wann immer er mich als Ergänzung zur vorhandenen und guten Rundumbetreuung brauchen wird.
So haben wir gemeinsame und jeder auch seine eigenen Ziele und Aufgaben vor sich. Einer meiner Schwerpunkte wird in den nächsten Monaten auf der methodisch wesentlich erweiterten Weitergabe und der interaktiven Vermittlung der Erfahrungen und des Wissens aus dem Spitzenport liegen.
Es ist eine wunderbare Erfahrung, mit Büchern und Vorträgen Menschen zu erreichen und zu inspirieren. Eine bestätigende Erfahrung des eigenen Tun und Denkens. Zuletzt hat sich aber zusätzlich immer wieder das Bedürfnis gemeldet, intensiver und direkt mit Menschen auch aus sportfremden Berufsfeldern in Kontakt zu kommen und – so wie als Trainer im Spitzensport – konzentriert und intensiv gemeinsam an wichtigen persönlichen Themen zu arbeiten.
Daraus haben sich zwei, für mich sehr wichtige Projekte und Aufgaben entwickelt:
Zum ersten darf ich mein neues (mehrtägiges) Seminar:
„GEWINNEN MIT AUGENMASS“ (siehe Website) vorstellen:
In Zusammenarbeit mit Dr. Christoph Fischer, einem Psychologen, -Analytiker und Glücksforscher, mit dem mich langjährige berufliche Kontakt und private Freundschaft verbindet, ist etwas ganz Besonderes entstanden.
Zum zweiten freue ich mich sehr darauf,
im Sommersemester 2011 an der Universität für Sportwissenschaften in Salzburg eine Vorlesung zum Thema:
„Qualitäts- und Projektmanagement im Leistungssport“
zu gestalten.
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Die Zukunft beginnt in Oslo, 5. März 2011
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Die „nordische Kombination“ aus erstaunlich hohen TV-Einschaltquoten, seit Jahren verlässlichen Erfolgen und der Beliebtheit erfrischend witziger Werbespots zeigt Wirkung. Eine jahrzehntelang modellierte Vormachtstellung des alpinen Skisports kommt sogar bei uns ins Wanken.
Ist das so wichtig? Nein, aber es ist massen-psychologisch bemerkenswert. Diese Entwicklung war nicht von langer Hand geplant oder gesteuert. Sie rüttelt an vermeintlich unerschütterlichen Denkkategorien und Hierarchien innerhalb der eigenen, engen Sportwelt und deren Schnittstellen mit Wirtschaft, Politik, Medien und den Zuschauern.
Morgenstern, Schlierenzauer, Gottwald und Co. sind sympathische und eloquente Leitfiguren des Österreichischen Wintersports. Wirtschaft und Medien haben die Zeichen der Zeit erkannt und diesen Effekt mit ihren Mitteln multipliziert, der Rest passt sich schnell an.
Die Weltmeisterschaften im Mutterland unserer Nordischen Disziplinen, vor allem die Sprungwettkämpfe auf dem heiligen Berg der Norweger, erregen nicht nur mein fachlich und historisch vorbelastetes Gemüt. Das erfolgreiche und sympathische Auftreten der jungen Überflieger und – ehrliche Verbeugung vor unserer Skisprung-Weltmeisterin Daniela Iraschko – Heldinnen ist eine helle Freude. Nur schade, dass Phantasie und Mut der Zuständigen im Vorfeld nicht ausgereicht haben, um das Potenzial eines Mixed-Teambewerbs auf der Normalschanze zu nützen: 2 Männer und 2 Damen pro Nation wären ein Team, es gäbe unterschiedliche Anlauflängen für Damen und Herren. Nationen wie Italien, Slowenien, Japan, Frankreich und die Schweiz wären mit weiblicher Schützenhilfe plötzlich zusätzliche Medaillenanwärter, ernst zu nehmende Protagonisten eines spannenden Wettkampfes. Ein reines Herren-Mannschaftsspringen kann sehr spannend sein, wer aber braucht– Hand aufs Herz - wirklich einen zweiten, inflationären Teamevent mit denselben Darstellern, die sich schon auf der „Kleinen“ um die drei Medaillen gebalgt haben? Die Mixed-Idee kam mir übrigens nicht erst beim Beobachten des leider vernebelten Damenspringens. Sie ist längst als schriftlicher Antrag dem FIS-Sprunglaufkomitee übergeben. Dort wurde die Idee abgelehnt. Vorläufig einmal. Denn wie vieles andere wird auch dieser Gedanke reifen und umgesetzt werden… und dann haben es eh, wie immer, alle schon längst gewusst und gewollt.
Schon lange weiß man in unserem kleinen Land mit der großen Skisporttradition von der Magie, die vor dem Bildschirm erlebte Siege und coole Leitfiguren auf die übernächste Generation ausstrahlen. Die Buben und Mädels, die während Oslo 2011 noch im Vor-oder Volksschulalter sind, sitzen Daumen drückend vor dem HD-Bildschirm und beginnen plötzlich, von einer Skispringerlaufbahn zu phantasieren. Der Absprung vom Sofa und die wacklige Telemarklandung auf dem Teppich sind die ersten Warnsignale an die besorgten Mütter. Gefahr ist aber erst im Verzug, wenn sich der Nachwuchs, nach der Siegerehrung und im Tonfall des Kommentators mit „Startnummer 50, Thomas Morgenstern!“ selbst ankündigt, auf dem Sofa in die Spur springt und Richtung Schanzen-=Couchtisch rast. Der beseelte Sprössling lässt sich dann auch nicht mehr mit Sätzen wie „Keine Ahnung, wo man sowas lernen kann“ vertrösten.
„Google halt mal Kinderskispringen, Mama!“, heißt es verlässlich, und mit wenigen Klicks sind beide entweder auf der Startseite des „Goldi Talent Cups“ oder auf der Website von einem der (zur Beruhigung mancher Eltern) erstaunlich wenigen Skisprungvereine in Österreich.
Ist das so wichtig? Nein, aber es ist massen-psychologisch bemerkenswert. Diese Entwicklung war nicht von langer Hand geplant oder gesteuert. Sie rüttelt an vermeintlich unerschütterlichen Denkkategorien und Hierarchien innerhalb der eigenen, engen Sportwelt und deren Schnittstellen mit Wirtschaft, Politik, Medien und den Zuschauern.
Morgenstern, Schlierenzauer, Gottwald und Co. sind sympathische und eloquente Leitfiguren des Österreichischen Wintersports. Wirtschaft und Medien haben die Zeichen der Zeit erkannt und diesen Effekt mit ihren Mitteln multipliziert, der Rest passt sich schnell an.
Die Weltmeisterschaften im Mutterland unserer Nordischen Disziplinen, vor allem die Sprungwettkämpfe auf dem heiligen Berg der Norweger, erregen nicht nur mein fachlich und historisch vorbelastetes Gemüt. Das erfolgreiche und sympathische Auftreten der jungen Überflieger und – ehrliche Verbeugung vor unserer Skisprung-Weltmeisterin Daniela Iraschko – Heldinnen ist eine helle Freude. Nur schade, dass Phantasie und Mut der Zuständigen im Vorfeld nicht ausgereicht haben, um das Potenzial eines Mixed-Teambewerbs auf der Normalschanze zu nützen: 2 Männer und 2 Damen pro Nation wären ein Team, es gäbe unterschiedliche Anlauflängen für Damen und Herren. Nationen wie Italien, Slowenien, Japan, Frankreich und die Schweiz wären mit weiblicher Schützenhilfe plötzlich zusätzliche Medaillenanwärter, ernst zu nehmende Protagonisten eines spannenden Wettkampfes. Ein reines Herren-Mannschaftsspringen kann sehr spannend sein, wer aber braucht– Hand aufs Herz - wirklich einen zweiten, inflationären Teamevent mit denselben Darstellern, die sich schon auf der „Kleinen“ um die drei Medaillen gebalgt haben? Die Mixed-Idee kam mir übrigens nicht erst beim Beobachten des leider vernebelten Damenspringens. Sie ist längst als schriftlicher Antrag dem FIS-Sprunglaufkomitee übergeben. Dort wurde die Idee abgelehnt. Vorläufig einmal. Denn wie vieles andere wird auch dieser Gedanke reifen und umgesetzt werden… und dann haben es eh, wie immer, alle schon längst gewusst und gewollt.
Schon lange weiß man in unserem kleinen Land mit der großen Skisporttradition von der Magie, die vor dem Bildschirm erlebte Siege und coole Leitfiguren auf die übernächste Generation ausstrahlen. Die Buben und Mädels, die während Oslo 2011 noch im Vor-oder Volksschulalter sind, sitzen Daumen drückend vor dem HD-Bildschirm und beginnen plötzlich, von einer Skispringerlaufbahn zu phantasieren. Der Absprung vom Sofa und die wacklige Telemarklandung auf dem Teppich sind die ersten Warnsignale an die besorgten Mütter. Gefahr ist aber erst im Verzug, wenn sich der Nachwuchs, nach der Siegerehrung und im Tonfall des Kommentators mit „Startnummer 50, Thomas Morgenstern!“ selbst ankündigt, auf dem Sofa in die Spur springt und Richtung Schanzen-=Couchtisch rast. Der beseelte Sprössling lässt sich dann auch nicht mehr mit Sätzen wie „Keine Ahnung, wo man sowas lernen kann“ vertrösten.
„Google halt mal Kinderskispringen, Mama!“, heißt es verlässlich, und mit wenigen Klicks sind beide entweder auf der Startseite des „Goldi Talent Cups“ oder auf der Website von einem der (zur Beruhigung mancher Eltern) erstaunlich wenigen Skisprungvereine in Österreich.
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Das alpine Risiko, 6.2. 2011
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Ein Motorradrennfahrer, der sich in extremster Schräglage befindet, kann den Grenzbereich der Haftreibung auf dem Asphalt erkennen, sobald ein Reifen wegzurutschen beginnt. Reflexartig und meist mit Erfolg kann er gegensteuern. Schifahrer werden im schönsten Schwung von der Bissigkeit des Ski-Schuh-Bindungssystems gnadenlos überrascht, so dass es sogar vorkommen kann, dass ein Kreuzband oder eine Patellasehne reißen, ohne dass der Athlet stürzt. Die im Schwung aufgebauten Kräfte sind in diesem Fall schlicht zu hoch, der Ski rutscht selbst bei extremen Innenlagen nicht mehr von der Kante, im Material sind keine entlastenden „Sollbruchstellen“ mehr vorgesehen. Die entfesselten Kräfte der Geschwindigkeit entladen sich schmerzhaft im Körper der Sportler.
In einigen Jahren wird man die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, wenn man auf die Verletzungsstatistiken des Alpinen Skirennlaufs unserer Tage zurückblickt. Wer an der Aufarbeitung dieser Misere interessiert ist, wird sich fragen, warum es so lange dauern musste, bis endlich etwas Substantielles geändert wurde. Die Kernfragen: Wie konnte eine Sportart so gefährliche Material-Spielregeln beibehalten, die Athletinnen und Athleten, die sich an das bewegungstechnische Optimum herantasten, zwangsläufig in einen unkontrollierbaren Grenzbereich befördern.
Solche Konstellationen haben selbst im hochdotierten Profisport, in dem die Gladiatoren angeblich „wissen, worauf sie sich einlassen“, nichts verloren. Sie sind zu gefährlich und verderben allen durchschnittlich zum Mitgefühl befähigten Menschen die Lust am Zusehen.
Ich kenne die Gemengelage, die schon allzu lange eine konstruktive Bearbeitung des Problems verhindert. Sie wird aus einer Mischung von Verdrängung, antrainierter Rohheit und Angst vor drohenden Nachteilen genährt. Sie ist mir aus der Zeit, als ich mich für den ÖSV in den Gremien der FIS für die Einführung eines Mindestgewichts einsetzte, geläufig.
Wenn Sportler, wie Ivica Kostelic, Marco Büchel oder Benjamin Raich ihre Unzufriedenheit öffentlich äußern, werden sie von der FIS, dem eigenen Verband oder den Ausrüstern zurückgepfiffen – oder einfach ignoriert. Ähnlich erging es Trainern wie Herbert Mandl, der den Mut hatte, konkrete Änderungsvorschläge zu machen.
Man fürchtet um das Image der Sportart – oder auch nur um jenes des Carvingskis im Speziellen. Das schaurige Gruseln angesichts der hochriskanten Show wird nicht nur in Kauf genommen, sondern einkalkuliert. Verantwortung für die Athleten wird juristisch gebündelt und wie eine heiße Kartoffel von einem zum anderen gereicht. International größter Beliebtheit erfreute sich dabei die Aussage, dass „die FIS“ endlich etwas tun müsse, aber dass zuvor noch umfangreiche Studien von Experten einzuholen seien. Fazit: Die Sieger gehören immer uns, die Probleme anderen – die werden „outgesourced“, nach Bern, wo die FIS residiert und zu den Wissenschaftlern in ihren Universitätsinstituten. Aber beim Versuch, die besten Lösungen zügig und treffsicher zu finden, kann nicht auf das Gefühl und die Erfahrung der Praktiker (Ein Beispiel ist Hermann Maier), verzichtet werden, die die Materialentwicklung forciert, erlebt und selber fürchten gelernt haben.
Übrigens waren bei der Etablierung des Mindestgewichts für Skispringer in Form eines festgelegten Body-Mass-Indexes nicht nur plötzlich entdeckte höhere moralische Werte ausschlaggebend. Es war die deutlich schlechter werdende Wahrnehmung des Sports und der Sportler als „Hungerhaken“ und „Skelette“, die das Feld für eine Änderung der Regeln bereiteten. Dabei wurden diejenigen aus der Reserve gelockt, die aus Angst, einen Wettbewerbsvorteil für ihre Sportler zu verlieren, so lange getäuscht und getarnt hatten. Die geteilte Sorge um das Image des „Produkts Skispringen“ führte zu einem neuen gemeinsamen Problembewusstsein, das schließlich Vertrauen schuf und vernünftige Lösungen im Sinne des Sports und der belasteten Sportler ermöglichte.
Hoffentlich erkennt die wachsende kritische Masse im Alpinlager, dass die Zeit des Ignorierens und Zurückpfeifens passé ist.
In einigen Jahren wird man die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, wenn man auf die Verletzungsstatistiken des Alpinen Skirennlaufs unserer Tage zurückblickt. Wer an der Aufarbeitung dieser Misere interessiert ist, wird sich fragen, warum es so lange dauern musste, bis endlich etwas Substantielles geändert wurde. Die Kernfragen: Wie konnte eine Sportart so gefährliche Material-Spielregeln beibehalten, die Athletinnen und Athleten, die sich an das bewegungstechnische Optimum herantasten, zwangsläufig in einen unkontrollierbaren Grenzbereich befördern.
Solche Konstellationen haben selbst im hochdotierten Profisport, in dem die Gladiatoren angeblich „wissen, worauf sie sich einlassen“, nichts verloren. Sie sind zu gefährlich und verderben allen durchschnittlich zum Mitgefühl befähigten Menschen die Lust am Zusehen.
Ich kenne die Gemengelage, die schon allzu lange eine konstruktive Bearbeitung des Problems verhindert. Sie wird aus einer Mischung von Verdrängung, antrainierter Rohheit und Angst vor drohenden Nachteilen genährt. Sie ist mir aus der Zeit, als ich mich für den ÖSV in den Gremien der FIS für die Einführung eines Mindestgewichts einsetzte, geläufig.
Wenn Sportler, wie Ivica Kostelic, Marco Büchel oder Benjamin Raich ihre Unzufriedenheit öffentlich äußern, werden sie von der FIS, dem eigenen Verband oder den Ausrüstern zurückgepfiffen – oder einfach ignoriert. Ähnlich erging es Trainern wie Herbert Mandl, der den Mut hatte, konkrete Änderungsvorschläge zu machen.
Man fürchtet um das Image der Sportart – oder auch nur um jenes des Carvingskis im Speziellen. Das schaurige Gruseln angesichts der hochriskanten Show wird nicht nur in Kauf genommen, sondern einkalkuliert. Verantwortung für die Athleten wird juristisch gebündelt und wie eine heiße Kartoffel von einem zum anderen gereicht. International größter Beliebtheit erfreute sich dabei die Aussage, dass „die FIS“ endlich etwas tun müsse, aber dass zuvor noch umfangreiche Studien von Experten einzuholen seien. Fazit: Die Sieger gehören immer uns, die Probleme anderen – die werden „outgesourced“, nach Bern, wo die FIS residiert und zu den Wissenschaftlern in ihren Universitätsinstituten. Aber beim Versuch, die besten Lösungen zügig und treffsicher zu finden, kann nicht auf das Gefühl und die Erfahrung der Praktiker (Ein Beispiel ist Hermann Maier), verzichtet werden, die die Materialentwicklung forciert, erlebt und selber fürchten gelernt haben.
Übrigens waren bei der Etablierung des Mindestgewichts für Skispringer in Form eines festgelegten Body-Mass-Indexes nicht nur plötzlich entdeckte höhere moralische Werte ausschlaggebend. Es war die deutlich schlechter werdende Wahrnehmung des Sports und der Sportler als „Hungerhaken“ und „Skelette“, die das Feld für eine Änderung der Regeln bereiteten. Dabei wurden diejenigen aus der Reserve gelockt, die aus Angst, einen Wettbewerbsvorteil für ihre Sportler zu verlieren, so lange getäuscht und getarnt hatten. Die geteilte Sorge um das Image des „Produkts Skispringen“ führte zu einem neuen gemeinsamen Problembewusstsein, das schließlich Vertrauen schuf und vernünftige Lösungen im Sinne des Sports und der belasteten Sportler ermöglichte.
Hoffentlich erkennt die wachsende kritische Masse im Alpinlager, dass die Zeit des Ignorierens und Zurückpfeifens passé ist.
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Mein Präsenzdienst, 21.1.2011
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fiel in die Gründerzeit der sogenannten HSNS Heeresport und Nahkampfschule. Wir, ein bunt gemischtes Sportlerrudel aus Skispringern und –fahrern rückten in der Jägerschule Saalfelden bei Oberst Dieter Böhm zum Grundwehrdienst ein. Am ersten Tag fielen und flogen unter großem Hallo die jahrelang gepflegten und geföhnten Haare wie bei einem neuseeländischen Schafschurwettbewerb. Beim anschließenden, erstmaligen Exerzieren schaute ich abwechselnd in die kahlgeschorenen und bleichen Nacken von Hubert Neuper, Claus Tuchscherer, Erwin Resch oder Harti Weirather. Und sehr oft , wenn einer von uns das zackige Kommando des Ausbildners wieder einmal falsch interpretiert hatte, auch in deren überraschte und mit höchster Konzentration das Lachen verbeißende Gesichter. Wer die Kontrolle verlor musste „pumpen“. Unser Zug brachte es am ersten Abend auf geschätzte 970 Liegestütze.
Wir lernten nicht nur „Rrrrechts uuumm und Stillgestanden!“ sondern auch andere, nicht zu unterschätzende Kulturtechniken: Wer selber Nachwuchs hat und sich nur kurz die Unordnung in den Kinderzimmern vor Augen hält, entdeckt die, durch einen gnadenlosen Spieß vermittelte Präzision beim Bettenmachen und Spind-Einräumen mit der Zeit aus einem anderen Licht. Auf dem Kasernenhof und in tagelangem Drill brannten wir den (in Salzburg) berühmten „Rainermarsch“ für den Rest unseres Lebens und ohne Rücksicht auf steirische, Tiroler oder Vorarlberger Herkunft auf die Festplatten (unter dem Stahlhelm). 30 Jahre nach meiner Grundausbildung erkannte ich -verblüffenderweise - die Melodie bei einer Jungbürgerfeier in Riefensberg im Bregenzerwald trotz völlig verändertem Text wieder.
Von unseren Schießübungen, mit insgesamt 18 km langem Hin-und Retourmarsch, ist mir weniger das Trefferbild als ein fünf Kilo schwerer Stein in Erinnerung. Hubert hatte das Trum am Abend unserem Zimmerkameraden Harti ins Marschgepäck geschmuggelt und ihn mit großem Genuss und schallendem Gelächter am Schießplatz aus dessen Rucksack gezaubert. Beim finalen Auspacken in der Kaserne entdeckte der völlig erschöpfte und gerade noch sehr gut gelaunte Hupo den Stein gut versteckt in seinem eigenen Rucksack, der ihm auf dem Rückweg schon ein wenig schwer erschienen war.
Nach 10 Wochen Grundausbildung mit Märschen, Schützengrabenbauen, Wasser- und Schneeschöpfen mit dem Helm, abenteuerlichen Nachtübungen im Gelände, unzähligen theoretischen Einheiten zum Verständnis der Verteidigungstaktik „Goldhaube“, Gewehr zerlegen und wieder zusammenbauen waren wir zünftige Gebirgsjägern und eine verschworene Gruppe. Wir genossen den Kontakt zu „Nichtsportlern“, hatten unbeschreiblich viel Spaß, Auseinandersetzungen mit genussvoll zelebrierter Willkür aber auch bemerkenswerte menschliche Begegnungen und endlich viel Zeit zum Trainieren. Militärkommandant Spannocchi beförderte Hubert und mich nach einer gewonnenen „Dalli-Dalli-Sendung“ irrtümlich zu „Gefreiten“, obwohl wir noch in der Grundausbildung standen und unser Ausbilder als „Wehrmann“ einen Dienstgrad darunter stand.
Wir lernten nicht nur „Rrrrechts uuumm und Stillgestanden!“ sondern auch andere, nicht zu unterschätzende Kulturtechniken: Wer selber Nachwuchs hat und sich nur kurz die Unordnung in den Kinderzimmern vor Augen hält, entdeckt die, durch einen gnadenlosen Spieß vermittelte Präzision beim Bettenmachen und Spind-Einräumen mit der Zeit aus einem anderen Licht. Auf dem Kasernenhof und in tagelangem Drill brannten wir den (in Salzburg) berühmten „Rainermarsch“ für den Rest unseres Lebens und ohne Rücksicht auf steirische, Tiroler oder Vorarlberger Herkunft auf die Festplatten (unter dem Stahlhelm). 30 Jahre nach meiner Grundausbildung erkannte ich -verblüffenderweise - die Melodie bei einer Jungbürgerfeier in Riefensberg im Bregenzerwald trotz völlig verändertem Text wieder.
Von unseren Schießübungen, mit insgesamt 18 km langem Hin-und Retourmarsch, ist mir weniger das Trefferbild als ein fünf Kilo schwerer Stein in Erinnerung. Hubert hatte das Trum am Abend unserem Zimmerkameraden Harti ins Marschgepäck geschmuggelt und ihn mit großem Genuss und schallendem Gelächter am Schießplatz aus dessen Rucksack gezaubert. Beim finalen Auspacken in der Kaserne entdeckte der völlig erschöpfte und gerade noch sehr gut gelaunte Hupo den Stein gut versteckt in seinem eigenen Rucksack, der ihm auf dem Rückweg schon ein wenig schwer erschienen war.
Nach 10 Wochen Grundausbildung mit Märschen, Schützengrabenbauen, Wasser- und Schneeschöpfen mit dem Helm, abenteuerlichen Nachtübungen im Gelände, unzähligen theoretischen Einheiten zum Verständnis der Verteidigungstaktik „Goldhaube“, Gewehr zerlegen und wieder zusammenbauen waren wir zünftige Gebirgsjägern und eine verschworene Gruppe. Wir genossen den Kontakt zu „Nichtsportlern“, hatten unbeschreiblich viel Spaß, Auseinandersetzungen mit genussvoll zelebrierter Willkür aber auch bemerkenswerte menschliche Begegnungen und endlich viel Zeit zum Trainieren. Militärkommandant Spannocchi beförderte Hubert und mich nach einer gewonnenen „Dalli-Dalli-Sendung“ irrtümlich zu „Gefreiten“, obwohl wir noch in der Grundausbildung standen und unser Ausbilder als „Wehrmann“ einen Dienstgrad darunter stand.
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Spielregeln und Siegertypen, 8.1.2011
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Als der deutsche Skispringer Sven Hannawald 2001/02 alle vier Bewerbe der Vierschanzentournee gewann, den bisher niemals dagewesenen Grand-Slam des Skispringens, stellte er vor allem eines dar: Die optimale Anpassung an das damalige Reglement des internationalen Skiverbandes. Hätte die FIS nicht den Mindest-Body-Mass-Index (BMI) eingeführt, Hannawalds Bewegungsablauf am Schanzentisch, seine Verknüpfung von Absprung und Flug und sein Flugverhalten hätten noch heute Leitbildcharakter. „Hanni“ besaß größte Feinfühligkeit und war aufgrund anatomischer Voraussetzungen – wie später übrigens Gregor Schlierenzauer – in der Lage, die Ski im Flug erstaunlich flach und effektiv zu führen. Da fiel es nicht ins (Unter)-Gewicht, dass Hanni athletisch mit vielen seiner Gegner nicht annähernd mithalten konnte.
Im aktuellen Skispringen erleben zwei „Außerirdische“ schwierigere Zeiten und mehr Widerstand, als sie gewöhnt sind: Gregor Schlierenzauer könnte, so wie früher Hanni, ohne technologische Hilfsmittel besser als seine Konkurrenten „luftsurfen“. Simon „Simmi“ Amann dominierte bei den Olympischen Spielen und während dem Rest der letzten Saison mit dem Vorteil der Kippbindung die Konkurrenz nach Belieben. Diese Vorteile der beiden sieggewohnten Stars sind geschmolzen. Nach einem langen „Testsommer“ fliegen jetzt viele Athleten mit flachem, nicht aufgekantetem Ski.
Durch den magischen Kippeffekt des vieldiskutierten Krummstabs im Fersenteil der Bindung erschließt sich diese exklusive Flugunterstützung ein Jahrzehnt nach Hannawald dem Großteil der internationalen Fliegerelite und rüttelt an etablierten Hackordnungen. Die Bindung stellt eine Revolution dar, die in den Auswirkungen mit dem Auftauchen von Carvingski und Bindungsplatten im Alpinrennsport vergleichbar ist. Der lupenrein geschnittene Schwung ohne Rutschphase war vor dem Technologiesprung, besonders im schwierigen Gelände, nur ganz wenigen Auserwählten wie z. B. Ingemar Stenmark oder dem unvergesslichen Rudi Nierlich vorbehalten. Demütigende Zeitvorsprünge spiegelten manchmal den Klassenunterschied. Die Carver brachten das vormals mystifizierte Erlebnis des „schnellen Schwungs“ für eine viel größere Gruppe von Sportlern in den Bereich des Erfahrbaren. Skirennlauf ist technisch leichter, aber auch gefährlicher geworden. Kraft, Ausdauer und Körpergewicht wurden zu dominanteren, leistungsbestimmenden Faktoren, und die Siegerbilder zeigten folgerichtig neue Gesichter.
Amann und Schlieri können aus unterschiedlichen Ausgangssituationen beobachten, wie sich die eigene sportliche Unantastbarkeit vorübergehend verflüchtigt. Besonders vom jungen Tiroler wird das fliegerische Upgrade seiner stärksten Konkurrenten, auf seinem Weg zurück zum Champion, viel Geduld verlangen. Aber viele Nebeneffekte der Wunderbindung werden derzeit noch ausgeblendet: Die Stabilität des Springers bei Turbulenzen und Seitenwind wird abnehmen, die Telemarklandung wird durch die Gefahr systematischen Verkantens riskanter.
Die Tragflächenerweiterung der Ski birgt Spielraum für „neue Leichtgewichte“, die enorm wichtige BMI-Regel sanktionslos zu unterwandern. Es ist derzeit auch nur zu hoffen, dass die gesteigerte Effizienz der Systeme die Geometrie von Flug-Schanzen nicht überfordern wird. Die zuständigen Gremien dürfen der Diskussion, bis zur beachtenswerten Alternative, zum alten System zurückzukehren, nicht ausweichen, zumal Skispringen, im Gegensatz zum Alpinbereich, kaum Rücksicht auf Sachzwänge aus der Wintersportindustrie zu nehmen hat.
Im aktuellen Skispringen erleben zwei „Außerirdische“ schwierigere Zeiten und mehr Widerstand, als sie gewöhnt sind: Gregor Schlierenzauer könnte, so wie früher Hanni, ohne technologische Hilfsmittel besser als seine Konkurrenten „luftsurfen“. Simon „Simmi“ Amann dominierte bei den Olympischen Spielen und während dem Rest der letzten Saison mit dem Vorteil der Kippbindung die Konkurrenz nach Belieben. Diese Vorteile der beiden sieggewohnten Stars sind geschmolzen. Nach einem langen „Testsommer“ fliegen jetzt viele Athleten mit flachem, nicht aufgekantetem Ski.
Durch den magischen Kippeffekt des vieldiskutierten Krummstabs im Fersenteil der Bindung erschließt sich diese exklusive Flugunterstützung ein Jahrzehnt nach Hannawald dem Großteil der internationalen Fliegerelite und rüttelt an etablierten Hackordnungen. Die Bindung stellt eine Revolution dar, die in den Auswirkungen mit dem Auftauchen von Carvingski und Bindungsplatten im Alpinrennsport vergleichbar ist. Der lupenrein geschnittene Schwung ohne Rutschphase war vor dem Technologiesprung, besonders im schwierigen Gelände, nur ganz wenigen Auserwählten wie z. B. Ingemar Stenmark oder dem unvergesslichen Rudi Nierlich vorbehalten. Demütigende Zeitvorsprünge spiegelten manchmal den Klassenunterschied. Die Carver brachten das vormals mystifizierte Erlebnis des „schnellen Schwungs“ für eine viel größere Gruppe von Sportlern in den Bereich des Erfahrbaren. Skirennlauf ist technisch leichter, aber auch gefährlicher geworden. Kraft, Ausdauer und Körpergewicht wurden zu dominanteren, leistungsbestimmenden Faktoren, und die Siegerbilder zeigten folgerichtig neue Gesichter.
Amann und Schlieri können aus unterschiedlichen Ausgangssituationen beobachten, wie sich die eigene sportliche Unantastbarkeit vorübergehend verflüchtigt. Besonders vom jungen Tiroler wird das fliegerische Upgrade seiner stärksten Konkurrenten, auf seinem Weg zurück zum Champion, viel Geduld verlangen. Aber viele Nebeneffekte der Wunderbindung werden derzeit noch ausgeblendet: Die Stabilität des Springers bei Turbulenzen und Seitenwind wird abnehmen, die Telemarklandung wird durch die Gefahr systematischen Verkantens riskanter.
Die Tragflächenerweiterung der Ski birgt Spielraum für „neue Leichtgewichte“, die enorm wichtige BMI-Regel sanktionslos zu unterwandern. Es ist derzeit auch nur zu hoffen, dass die gesteigerte Effizienz der Systeme die Geometrie von Flug-Schanzen nicht überfordern wird. Die zuständigen Gremien dürfen der Diskussion, bis zur beachtenswerten Alternative, zum alten System zurückzukehren, nicht ausweichen, zumal Skispringen, im Gegensatz zum Alpinbereich, kaum Rücksicht auf Sachzwänge aus der Wintersportindustrie zu nehmen hat.
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Fräulein Austrias Gespür für Schnee, 4.12.2010
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Wir Österreicher merken, wenn Schnee in der Luft liegt. Der stillen Magie der fallend tanzenden Schneeflocken kann sich vom Bregenzerwald bis zum Neusiedlersee kaum jemand entziehen. Wie in den Zeiten vor wetter.com fragt man sich, ob es zuschneien wird, oder ob es ist es nur ein neckisches Spiel der in letzter Zeit unverlässlich gewordenen Jahreszeiten ist. Endlich verliert die Weihnachtsdekoration, die tagelang im warmen Wind geschaukelt war, ihre peinliche Aufdringlichkeit und „Jingle-Bells“ klingt nicht mehr so penetrant nach Supermarktkasse. Ohne dieses Naturphänomen hätte ich trotz gesetzeskonformem Reifenwechsel fast den Eintritt „unserer“ Jahreszeit übersehen. Vermutlich, weil ich erstmals seit 28 Jahren beim rituellen skisportlichen Fellwechsel, der ÖSV-Einkleidung, in Innsbruck, gefehlt hatte.
Ein „Marathonwintersportauftaktwochenende“ wie am 26.und 27. November mit Siegen von Gottwald, Kofler, Walchhofer und Linger/Linger kann man aber selbst vom Sofa aus nicht übersehen. Diese Erfolge tun mir einfach gut. Sogar Politiker atmen auf, wenn die Siege unabhängig von Budgetnöten und Bildungsdiskussion landesweit sozialmedizinisch aufhellende Wirkung zeigen. Österreichs geballte Schneekompetenz ist also auch heuer wieder auf der ganzen Welt eine Benchmark, sportlich wie touristisch. Seit Vancouver wissen wir allerdings, dass Siege keine kontrollierbare Selbstverständlichkeit sind. Und wer da gebetsmühlenartig nörgelt, im Vergleich zu den Weltsportarten Tennis, Fußball, Schwimmen oder Leichtathletik hätten Skisportler leichtes Spiel, macht es sich zu einfach. Ist es ein typisch österreichischer Drang, sich die eigenen Spitzenleistungen klein zu reden? Sportarten wie z.B. Skispringen oder Biathlon haben – durch die Einnahmen aus den begehrten TV-Rechten – fundamentale ökonomische Bedeutung für viele professionelle Sportverbände. Unsere Nordischen messen sich mit ihrer Konkurrenz aus Deutschland, Italien, Russland, Skandinavien, Japan und vielen mehr. Diese großen Sportnationen legen – genau wie im Weltsport Fußball - ihr gesamtes Potential und größtmögliche Professionalität in den Wettbewerb: Infrastruktur, Talentescouting, Sportwissenschaft und Sportpolitik. Das ganz große Geschäft brummt nur, wenn heimische Helden verlässlich Erfolge vor ihrem Millionenpublikum abliefern. Zu viel steht auf dem Spiel, um die Bühne großzügig den Österreichern zu überlassen. 30 zusätzliche Skinationen würden den Weg vom Ranglistenplatz 100 unter die Top Ten, wie im Welttennis, wesentlich schwieriger machen. Das Leistungsniveau aber, mit dem aktuell um die ersten Plätze gelaufen/geschossen oder gesprungen wird, kann mit legalen Mitteln kaum mehr nach oben gedrückt werden. Unsere winzige Alpenrepublik mischt, sobald es kalt wird, mit begabten und engagierten Menschen an der absoluten Weltspitze mit und gibt oft genug den Ton an. Das ist erstaunlich, erfreulich und beileibe keine g‘mahte Wies’n, die jedes Jahr um diese Zeit von Frau Holle oder von technischem Schnee zugedeckt wird.
Ein „Marathonwintersportauftaktwochenende“ wie am 26.und 27. November mit Siegen von Gottwald, Kofler, Walchhofer und Linger/Linger kann man aber selbst vom Sofa aus nicht übersehen. Diese Erfolge tun mir einfach gut. Sogar Politiker atmen auf, wenn die Siege unabhängig von Budgetnöten und Bildungsdiskussion landesweit sozialmedizinisch aufhellende Wirkung zeigen. Österreichs geballte Schneekompetenz ist also auch heuer wieder auf der ganzen Welt eine Benchmark, sportlich wie touristisch. Seit Vancouver wissen wir allerdings, dass Siege keine kontrollierbare Selbstverständlichkeit sind. Und wer da gebetsmühlenartig nörgelt, im Vergleich zu den Weltsportarten Tennis, Fußball, Schwimmen oder Leichtathletik hätten Skisportler leichtes Spiel, macht es sich zu einfach. Ist es ein typisch österreichischer Drang, sich die eigenen Spitzenleistungen klein zu reden? Sportarten wie z.B. Skispringen oder Biathlon haben – durch die Einnahmen aus den begehrten TV-Rechten – fundamentale ökonomische Bedeutung für viele professionelle Sportverbände. Unsere Nordischen messen sich mit ihrer Konkurrenz aus Deutschland, Italien, Russland, Skandinavien, Japan und vielen mehr. Diese großen Sportnationen legen – genau wie im Weltsport Fußball - ihr gesamtes Potential und größtmögliche Professionalität in den Wettbewerb: Infrastruktur, Talentescouting, Sportwissenschaft und Sportpolitik. Das ganz große Geschäft brummt nur, wenn heimische Helden verlässlich Erfolge vor ihrem Millionenpublikum abliefern. Zu viel steht auf dem Spiel, um die Bühne großzügig den Österreichern zu überlassen. 30 zusätzliche Skinationen würden den Weg vom Ranglistenplatz 100 unter die Top Ten, wie im Welttennis, wesentlich schwieriger machen. Das Leistungsniveau aber, mit dem aktuell um die ersten Plätze gelaufen/geschossen oder gesprungen wird, kann mit legalen Mitteln kaum mehr nach oben gedrückt werden. Unsere winzige Alpenrepublik mischt, sobald es kalt wird, mit begabten und engagierten Menschen an der absoluten Weltspitze mit und gibt oft genug den Ton an. Das ist erstaunlich, erfreulich und beileibe keine g‘mahte Wies’n, die jedes Jahr um diese Zeit von Frau Holle oder von technischem Schnee zugedeckt wird.
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Special Sports Award für Toni Innauer, 3.11. 2010
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Die Laudatio von Baldur Preiml
Man nannte ihn einst: einen Rotzlöffel (ob von mir einmal ausgesprochen? Gedacht oft), grün hinter den Ohren, einen verschlossenen, sturen, hartnäckigen Hinterwäldler, einen Zornpinkl und Raufbold, selbstherrlich, ein Rumpelstilzchen und anderes mehr.
Man nannte ihn aber auch voll Bewunderung: Einen Alpin-Tarzan, das Jahrhundert-Talent, ein höchstsensibles Bewegungsgenie mit den Elementen auf Du, einen Ästheten, immer offen für alles Neue, den G’scheitesten von uns allen.
Mit 14 startet dieses vielseitige Bewegungsphänomen, eigentlich als Spätberufener seine Sportkarriere. Mit 16 fasziniert er im Mutterland seines Sports 50.000 mit seiner
unnachahmlichen Bewegungsästhetik. Mit 17 ist er Halbzeit-Olympiasieger und man erlebt ihn anschließend als einen der unglücklichsten Silbermedaillengewinner der Sport-Geschichte.
Schon 3 Wochen später ist er wieder im Himmel, in Perfektion trägt ES ihn zweimal über die Weltrekordmarke. Allmachts-Illusionen überkommen ihn. Im Handumdrehen vermittelt ihm das Schick-sal (von salus, das Heil, also das, was uns zum Heil- und Ganzsein als Mensch geschickt wird) in Form von einer Reihe schwerer Verletzungen, für 3 Jahre seine vielleicht wertvollste Lebensschule.
Wie von Superego und Allmachts-Allüren befreit, geläutert, als Persönlichkeit gereift, wird er von der himmlischen Regie mit dem heiß ersehnten Olympiasieg beschenkt und drei viertel Jahre später nach einem schweren Sturz im Training mit dem urplötzlichen Karriereende.
Karriere aus, Ende, ein Geschenk?
Im Moment für ihn zweifellos eher ein Sterben, aber für die Sportler, die er nach seinem Studium als Trainer und Sportdirektor mit all seinem Können, Fachwissen, seiner großen menschlichen Reife, mit Freude und Begeisterung über 20 Jahre bis ins heurige Frühjahr betreut hat, ein Segen.
Ein Segen auch für den Verband, für uns alle. Er hat uns mit seinen Sportlern und Betreuern viel, viel Freude geschenkt.
47 Medaillen, davon 17 Goldmedaillen bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften, tragen wesentlich seine Handschrift.
Auch unter uns sind heute Olympiasieger und Weltmeister, denen er von klein auf den Erfolgsweg bahnte. „Wie der Herr, so’s G’scherr!“ Aus dem einstigen erz-egoistischen Einzelkämpfer wurde ein Teamplayer (wie man in Lotteriekreisen sagen würde), ein leuchtendes Vorbild für versöhnliches Miteinander mit allen seinen großartigen Trainern, Betreuern und Funktionären.
So konnte er auch in den Internationalen Gremien die Entwicklung seiner Sportart zum heutigen hohen Standard verhelfen.
Und jetzt geht er! Statt um einen weniger bräuchte der Sport allgemein, gerade heute, in einer kritischen Phase, viel mehr von solchen Sportkultur-Trägern, die sich immer häufiger die Frage stellen, nicht: Was leistet der Mensch sportlich, und das oft
um jeden Preis, sondern: Was leistet der Sport und insbesondere der Spitzensport, menschlich?
Feiern sie mit mir einen großen Österreicher, TONI INNAUER!
Man nannte ihn einst: einen Rotzlöffel (ob von mir einmal ausgesprochen? Gedacht oft), grün hinter den Ohren, einen verschlossenen, sturen, hartnäckigen Hinterwäldler, einen Zornpinkl und Raufbold, selbstherrlich, ein Rumpelstilzchen und anderes mehr.
Man nannte ihn aber auch voll Bewunderung: Einen Alpin-Tarzan, das Jahrhundert-Talent, ein höchstsensibles Bewegungsgenie mit den Elementen auf Du, einen Ästheten, immer offen für alles Neue, den G’scheitesten von uns allen.
Mit 14 startet dieses vielseitige Bewegungsphänomen, eigentlich als Spätberufener seine Sportkarriere. Mit 16 fasziniert er im Mutterland seines Sports 50.000 mit seiner
unnachahmlichen Bewegungsästhetik. Mit 17 ist er Halbzeit-Olympiasieger und man erlebt ihn anschließend als einen der unglücklichsten Silbermedaillengewinner der Sport-Geschichte.
Schon 3 Wochen später ist er wieder im Himmel, in Perfektion trägt ES ihn zweimal über die Weltrekordmarke. Allmachts-Illusionen überkommen ihn. Im Handumdrehen vermittelt ihm das Schick-sal (von salus, das Heil, also das, was uns zum Heil- und Ganzsein als Mensch geschickt wird) in Form von einer Reihe schwerer Verletzungen, für 3 Jahre seine vielleicht wertvollste Lebensschule.
Wie von Superego und Allmachts-Allüren befreit, geläutert, als Persönlichkeit gereift, wird er von der himmlischen Regie mit dem heiß ersehnten Olympiasieg beschenkt und drei viertel Jahre später nach einem schweren Sturz im Training mit dem urplötzlichen Karriereende.
Karriere aus, Ende, ein Geschenk?
Im Moment für ihn zweifellos eher ein Sterben, aber für die Sportler, die er nach seinem Studium als Trainer und Sportdirektor mit all seinem Können, Fachwissen, seiner großen menschlichen Reife, mit Freude und Begeisterung über 20 Jahre bis ins heurige Frühjahr betreut hat, ein Segen.
Ein Segen auch für den Verband, für uns alle. Er hat uns mit seinen Sportlern und Betreuern viel, viel Freude geschenkt.
47 Medaillen, davon 17 Goldmedaillen bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften, tragen wesentlich seine Handschrift.
Auch unter uns sind heute Olympiasieger und Weltmeister, denen er von klein auf den Erfolgsweg bahnte. „Wie der Herr, so’s G’scherr!“ Aus dem einstigen erz-egoistischen Einzelkämpfer wurde ein Teamplayer (wie man in Lotteriekreisen sagen würde), ein leuchtendes Vorbild für versöhnliches Miteinander mit allen seinen großartigen Trainern, Betreuern und Funktionären.
So konnte er auch in den Internationalen Gremien die Entwicklung seiner Sportart zum heutigen hohen Standard verhelfen.
Und jetzt geht er! Statt um einen weniger bräuchte der Sport allgemein, gerade heute, in einer kritischen Phase, viel mehr von solchen Sportkultur-Trägern, die sich immer häufiger die Frage stellen, nicht: Was leistet der Mensch sportlich, und das oft
um jeden Preis, sondern: Was leistet der Sport und insbesondere der Spitzensport, menschlich?
Feiern sie mit mir einen großen Österreicher, TONI INNAUER!
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Nachrichten aus dem neuen Leben, 6. Juli. 2010
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„Wie geht’s dir als Pensionist?“ ist die Frage, die mir in letzter Zeit am zweithäufigsten gestellt wird.
Spitzenreiter ist: „Was wirst du als nächstes angehen, wo steigst du ein?“ Morgen steige ich mit meiner Marlene ins Auto, wir fahren zum Flughafen Turin, wo unsere Tochter Lisa aus Glasgow ankommen und uns bei einer Wanderwoche im Valle Meira im Piemont begleiten wird. Im abgelaufenen Juni war auch im neuen Leben viel Kofferpacken und Reisen auf der Tages- bzw. Wochenordnung. Vorträge für die Österreichische Wirtschaftskammer, die Firmen Regal und Mocom oder ein, auch für mich bereichernder Workshop mit den Führungskräften des „Diakoniezentrums Salzburg“ in Stams ließen den Gedanken an Rente zumindest bei mir nicht wirklich aufkommen.
Eine interessante Diskussion zum Thema Bildung, durchgeführt von der Initiative „Land in Sicht“, in St. Gallen/Weißenbach an der Enns, brachte mich mit einer Gruppe von beeindruckenden Menschen am Podium zusammen. Die Diskussion wurde am nächsten Tag informell, aber umso spannender beim Frühstück im Ortsgasthaus fortgesetzt. Allein den köstlich präsentierten Lebenserfahrungen, Geschichten und brillant provokanten Schlüssen von Richard Pils, dem Herausgeber der „Bibliothek der Provinz“ zu folgen, ist eine längere als die viereinhalb stündige Reise von Thaur nach St. Gallen in der Steiermark wert. Der Gemeindearzt Ernst Huber, besser bekannt als musikalischer Kopf von großartigen „Broadlahn“ und Mitinitiator von Land in Sicht, stahl sich eine gute Stunde aus seiner Ordination um sich auch am geistigen Nachschlag beim Frühstück zu beteiligen.
Mein Ehrenamt als Flussbotschafter des WWF-Österreich bescherte mir auch zwei Tage in Bad Ischl im geliebten Salzkammergut und brachte mich an die herrliche Goiserer Traun, die glasklar und, auch an heißen Sommertagen, erfrischend kühl aus dem Hallstättersee rinnt. Mitarbeiter des wichtigen WWF-Partners „Allianz-Versicherung“ waren eingeladen, um vieles über das Engagement des WWF zu erfahren. Sie konnten das erfolgreiche Revitalisierungsprojekt „Lahnstein“ an der Traun besichtigen und an Ort und Stelle die Funktion und Bedeutung dieser nachhaltigen Investition erkennen. Vormittags übten die Teilnehmer, instruiert von den beiden exzellenten Fliegenfischerguides Udo und Christoph, fleißig mit Rute und Wurfschnur auf dem Bad Ischler Fußballplatz. Am nächsten Tag zeigte sich die Goiserer Traun von der allerbesten Seite und einige der talentierten und begeisterten „Jungfischern“ überraschten mit dem Fang einer schönen Traunäsche, die behutsam vom Haken gelöst und wieder ins Wasser zurückgesetzt wurde. Der Flussbotschafter genoss nach der allgemeinen Abreise noch einen prachtvoll ruhigen Abend und bis zum Bauchnabel im Wasser watend unterhalb der Görbbrücke. Die Fische stiegen immer wieder leise platschend nach den schlüpfenden Köcherfliegen. Die absolute Kenntnis der Verhältnisse, die Gelassenheit und die wertvollen Tipps meiner Begleiter Udo und Stoffel machten die eineinhalb Stunden vor dem Einbruch der Dunkelheit zu einem ganz besonderen Erlebnis.
Bei der, am Samstag zuvor standesgemäß inszenierten, Länderkonferenz des Österreichischen Skiverbandes, im Wiener Rathaus, wurde der letzte offizielle Akt meines Ausstiegs aus meiner 23-jährigen Berufstätigkeit im Skisport rituell besiegelt. Um 24 Uhr war es einmal mehr die Gruppe der Skisprungtrainer und –Funktionäre, mit denen ich noch plaudernd an einem Tisch saß und die von den Ordnern freundlich aber bestimmt zu einem Lokalwechsel motiviert wurde. Olympiasieger und Rennsportleiter Ernst Vettori hatte am Vortag seinen 46. Geburtstag gefeiert, und da war es uns ein verständliches Anliegen gewesen, dieses Jubiläum nicht so schnell in Vergessenheit geraten zu lassen.
Für jeden sportfaszinierter Menschen strukturiert zugegebenermaßen ein anderes Ereignis die emotionale Tages-Fieberkurve der letzten Wochen, und langsam müssen wir gefasst der Tatsache ins Auge blicken, dass alles kurzfristig noch aufregender und dann abrupt und vermutlich mit einem Sieg der großartigen Deutschen Fußballmannschaft enden wird.
Einige Halbzeiten habe ich vom der Terasse aus und auf dem Hometrainer strampelnd durch die Verglasung verfolgt. Die Vuzuzelas haben mich, bevor der ORF einen Filter geschalten hatte, dorthin verbannt und sogar nebenbei Kondition tanken und manches kleine Bierchen ausschwitzen lassen.
Ich frage mich bewundernd, wie der Löw es geschafft hat, so eine souveräne und brandgefährliche blutjunge Elf zu schmieden. Als Bundestrainer hat er doch viel weniger Zeit dafür zur Verfügung als Clubdompteure und trotzdem agieren gerade die Deutschen wie jahrelang eingespielt. Es ist heutzutage fast unmöglich geworden, gegen die perfekt organisierten Abwehrformationen von Weltklassekickern – außer über individuelle Geniestreiche - Gefahr zu erzeugen. Jogi Löws Team aber schafft es als Kollektiv verblüffend oft. Es fasziniert und verdient totale Anerkennung, auch wenn ich kein wirklicher DFB-Fan und kein Fußballexperte bin. Interessieren würde mich schon, was da so alles an Grips und System dahinter steckt und wie es zum Schluss ausgehen wird.
Spitzenreiter ist: „Was wirst du als nächstes angehen, wo steigst du ein?“ Morgen steige ich mit meiner Marlene ins Auto, wir fahren zum Flughafen Turin, wo unsere Tochter Lisa aus Glasgow ankommen und uns bei einer Wanderwoche im Valle Meira im Piemont begleiten wird. Im abgelaufenen Juni war auch im neuen Leben viel Kofferpacken und Reisen auf der Tages- bzw. Wochenordnung. Vorträge für die Österreichische Wirtschaftskammer, die Firmen Regal und Mocom oder ein, auch für mich bereichernder Workshop mit den Führungskräften des „Diakoniezentrums Salzburg“ in Stams ließen den Gedanken an Rente zumindest bei mir nicht wirklich aufkommen.
Eine interessante Diskussion zum Thema Bildung, durchgeführt von der Initiative „Land in Sicht“, in St. Gallen/Weißenbach an der Enns, brachte mich mit einer Gruppe von beeindruckenden Menschen am Podium zusammen. Die Diskussion wurde am nächsten Tag informell, aber umso spannender beim Frühstück im Ortsgasthaus fortgesetzt. Allein den köstlich präsentierten Lebenserfahrungen, Geschichten und brillant provokanten Schlüssen von Richard Pils, dem Herausgeber der „Bibliothek der Provinz“ zu folgen, ist eine längere als die viereinhalb stündige Reise von Thaur nach St. Gallen in der Steiermark wert. Der Gemeindearzt Ernst Huber, besser bekannt als musikalischer Kopf von großartigen „Broadlahn“ und Mitinitiator von Land in Sicht, stahl sich eine gute Stunde aus seiner Ordination um sich auch am geistigen Nachschlag beim Frühstück zu beteiligen.
Mein Ehrenamt als Flussbotschafter des WWF-Österreich bescherte mir auch zwei Tage in Bad Ischl im geliebten Salzkammergut und brachte mich an die herrliche Goiserer Traun, die glasklar und, auch an heißen Sommertagen, erfrischend kühl aus dem Hallstättersee rinnt. Mitarbeiter des wichtigen WWF-Partners „Allianz-Versicherung“ waren eingeladen, um vieles über das Engagement des WWF zu erfahren. Sie konnten das erfolgreiche Revitalisierungsprojekt „Lahnstein“ an der Traun besichtigen und an Ort und Stelle die Funktion und Bedeutung dieser nachhaltigen Investition erkennen. Vormittags übten die Teilnehmer, instruiert von den beiden exzellenten Fliegenfischerguides Udo und Christoph, fleißig mit Rute und Wurfschnur auf dem Bad Ischler Fußballplatz. Am nächsten Tag zeigte sich die Goiserer Traun von der allerbesten Seite und einige der talentierten und begeisterten „Jungfischern“ überraschten mit dem Fang einer schönen Traunäsche, die behutsam vom Haken gelöst und wieder ins Wasser zurückgesetzt wurde. Der Flussbotschafter genoss nach der allgemeinen Abreise noch einen prachtvoll ruhigen Abend und bis zum Bauchnabel im Wasser watend unterhalb der Görbbrücke. Die Fische stiegen immer wieder leise platschend nach den schlüpfenden Köcherfliegen. Die absolute Kenntnis der Verhältnisse, die Gelassenheit und die wertvollen Tipps meiner Begleiter Udo und Stoffel machten die eineinhalb Stunden vor dem Einbruch der Dunkelheit zu einem ganz besonderen Erlebnis.
Bei der, am Samstag zuvor standesgemäß inszenierten, Länderkonferenz des Österreichischen Skiverbandes, im Wiener Rathaus, wurde der letzte offizielle Akt meines Ausstiegs aus meiner 23-jährigen Berufstätigkeit im Skisport rituell besiegelt. Um 24 Uhr war es einmal mehr die Gruppe der Skisprungtrainer und –Funktionäre, mit denen ich noch plaudernd an einem Tisch saß und die von den Ordnern freundlich aber bestimmt zu einem Lokalwechsel motiviert wurde. Olympiasieger und Rennsportleiter Ernst Vettori hatte am Vortag seinen 46. Geburtstag gefeiert, und da war es uns ein verständliches Anliegen gewesen, dieses Jubiläum nicht so schnell in Vergessenheit geraten zu lassen.
Für jeden sportfaszinierter Menschen strukturiert zugegebenermaßen ein anderes Ereignis die emotionale Tages-Fieberkurve der letzten Wochen, und langsam müssen wir gefasst der Tatsache ins Auge blicken, dass alles kurzfristig noch aufregender und dann abrupt und vermutlich mit einem Sieg der großartigen Deutschen Fußballmannschaft enden wird.
Einige Halbzeiten habe ich vom der Terasse aus und auf dem Hometrainer strampelnd durch die Verglasung verfolgt. Die Vuzuzelas haben mich, bevor der ORF einen Filter geschalten hatte, dorthin verbannt und sogar nebenbei Kondition tanken und manches kleine Bierchen ausschwitzen lassen.
Ich frage mich bewundernd, wie der Löw es geschafft hat, so eine souveräne und brandgefährliche blutjunge Elf zu schmieden. Als Bundestrainer hat er doch viel weniger Zeit dafür zur Verfügung als Clubdompteure und trotzdem agieren gerade die Deutschen wie jahrelang eingespielt. Es ist heutzutage fast unmöglich geworden, gegen die perfekt organisierten Abwehrformationen von Weltklassekickern – außer über individuelle Geniestreiche - Gefahr zu erzeugen. Jogi Löws Team aber schafft es als Kollektiv verblüffend oft. Es fasziniert und verdient totale Anerkennung, auch wenn ich kein wirklicher DFB-Fan und kein Fußballexperte bin. Interessieren würde mich schon, was da so alles an Grips und System dahinter steckt und wie es zum Schluss ausgehen wird.
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Nachrichten aus dem neuen Leben, 31.5. 2010
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Seit ein paar wenigen Wochen bin ich angelangt im neuen Leben. Die Übergangsphase war doch überraschend intensiv und nicht wenig anstrengend.
Es war kein Umstieg in die nächste Führungsposition mit Büro, Sekretariat, Dienstauto und bereits vorbereiteten neuen Visitenkarten, sondern ein – zumindest vorübergehend vollständiger - Ausstieg aus einer gewohnten Arbeitsumgebung. Die, mit dem Österreichischen Skiverband vereinbarte „Konkurrenz-Ausschlussklausel“ für ein Jahr bescherte mir eine wohltuende äußere aber vor allem innere Gelassenheit allen skisportnahen Themen gegenüber. Erstmals seit vielen Jahren genehmigte ich mir im Frühjahr einen Urlaub und genoss das Gefühl, keine beanspruchenden Verhandlungen, Diskussionen und Aufgaben abarbeiten zu müssen.
Mein Urlaubsziel war es, mich zu erholen und den angesetzten Rost von meinem noch etwas steifen Golfschwung in aller Ruhe abzuschütteln und nach Möglichkeit ein-zwei Kilos zuzulegen. Anfangs bereitete mir eine riesige Blase am linken Knöchel noch empfindlichen Nachwehen. Dieses Handicap war eine Erinnerung an meine letzte Skitour auf den Patscherkofel, die ich am Ostersonntag mit meinem Freund Max Lechner gemacht hatte. Ein prächtiges Erlebnis: Die Bahn wegen Sturms gesperrt, gerade noch genug Schnee um hinauf- und die Pistenreste entlang herunter zu kommen. 1000 Höhenmeter über Igls im Schutzhaus herrschte eine entspannte österliche Kehrausstimmung vor der Frühjahrspause. Der Koch warf den Herd für seine (fast) einzigen Gäste an und kredenzte uns ein Wienerschnitzel der Extraklasse aus der Butterpfanne und 1 ½ Stunden später in herzlicher Gastfreundschaft sogar noch Buchteln mit Vanillesauce…
In der ersten Sekunde nach dem Wiedereinstieg in meine Skischuhe war der Schmerz am linken Knöchel schlagartig wieder da! Da fehlten 2 Quadratzentimeter Haut.
Die herrliche Abfahrt im Firn und auf den erinnerten goldenen Spuren meines Kollegen Franz Klammer ließen den Schmerz bis zum Abschwingen im Tal beim „Olympiaexpress“ wieder vergessen.
Jeder Schuhwechsel der folgenden Urlaubstage im Süden sorgte somit unvermeidlich zu einer lebhaften Remineszenz an die Skitour auf den „Kofel“. Linderung brachte dann endlich mein, eine Woche später nach Mallorca angereister Freund, Dr. Herbert, in Form von Mulltupfern und Betaisothona-Salbe.
Beide starteten wir zum Urlaubsabschluss bei der, von „air-berlin“ geistesgegenwärtig ins Leben gerufenen „1. Vulkan-Trophy“ im herrlichen Golfclub Antrax und brachten als österreichische Exoten unter vielen deutschen Golfern achtbare Ergebnisse ins Clubhaus. Die Vulkan-Trophy schaffte es, im Gegensatz zu uns sogar auf Seite 2 der, auch auf „Malle“ äußerst beliebten Bildzeitung. Allen Gerüchten zum Trotz gelangten wir, der verzogenen Aschewolke sei Dank, am ersten Tag der Flughafenöffnung planmäßig nach München.
Mein neuer Geschäftspartner, die Firma facts-Events aus Dornbirn hatte in der Zwischenzeit alle an mich gerichteten Anfragen für Vorträge gesammelt und vorbesprochen. Es ist eine wirkliche Entlastung, von Profis betreut und beraten zu werden. In wenigen Wochen wurde mein Referats-Tourkalender bis Weihnachten, auf meine Bedürfnisse abgestimmt und fixiert. Das Programm bietet den zeitlichen Spielraum, den ich mir durch den Rücktritt erhofft habe und trotzdem viele interessante Herausforderungen als Vortragender. Das besondere Erlebnis eines „Vortrags-Heimspiels“ in meiner Geburtsgemeinde Bezau im Bregenzerwald habe ich am 19. Mai genossen. Im ehemaligen Lieblingsraum meiner Bezauer Hauptschule durfte ich mich vor 500 BregenzerwälderInnen zu Hause fühlen und über „Leistung ist nicht (immer) gleich Erfolg referieren. Die Diskussion im Anschluss an den Vortrag fand, wie „befürchtet“, im gemütlichen Beisein einiger „alten“ Schulkollegen im Cafe Fröwis eine Fortsetzung mit sehr persönlicher Note.
Eine zweite Lesereise kreuz und quer durch Österreich, die ich mit meinem Co-Autor und Verleger Christian Seiler absolvierte, brachte uns neben durchgehendem Regen und schwierigen Fahrverhältnissen wunderbare Atmosphäre in vollen Büchereien von Mittersill bis in die Südsteiermark. Der persönliche Kontakt mit unseren Lesern und Buchhändlern vermittelte ein ganz besonderes Gefühl der Nähe und Vertrautheit in der direkten Begegnung und im Gespräch. Erfreulicherweise entwickelten sich parallel dazu Buchverkauf, Ranking in den Bestsellerlisten und Nachbestellungen mehr als wunschgemäß, sodass wir Anfang Mai beschlossen, eine 2. Auflage drucken zu lassen, die bereits im Handel erhältlich ist.
Es war kein Umstieg in die nächste Führungsposition mit Büro, Sekretariat, Dienstauto und bereits vorbereiteten neuen Visitenkarten, sondern ein – zumindest vorübergehend vollständiger - Ausstieg aus einer gewohnten Arbeitsumgebung. Die, mit dem Österreichischen Skiverband vereinbarte „Konkurrenz-Ausschlussklausel“ für ein Jahr bescherte mir eine wohltuende äußere aber vor allem innere Gelassenheit allen skisportnahen Themen gegenüber. Erstmals seit vielen Jahren genehmigte ich mir im Frühjahr einen Urlaub und genoss das Gefühl, keine beanspruchenden Verhandlungen, Diskussionen und Aufgaben abarbeiten zu müssen.
Mein Urlaubsziel war es, mich zu erholen und den angesetzten Rost von meinem noch etwas steifen Golfschwung in aller Ruhe abzuschütteln und nach Möglichkeit ein-zwei Kilos zuzulegen. Anfangs bereitete mir eine riesige Blase am linken Knöchel noch empfindlichen Nachwehen. Dieses Handicap war eine Erinnerung an meine letzte Skitour auf den Patscherkofel, die ich am Ostersonntag mit meinem Freund Max Lechner gemacht hatte. Ein prächtiges Erlebnis: Die Bahn wegen Sturms gesperrt, gerade noch genug Schnee um hinauf- und die Pistenreste entlang herunter zu kommen. 1000 Höhenmeter über Igls im Schutzhaus herrschte eine entspannte österliche Kehrausstimmung vor der Frühjahrspause. Der Koch warf den Herd für seine (fast) einzigen Gäste an und kredenzte uns ein Wienerschnitzel der Extraklasse aus der Butterpfanne und 1 ½ Stunden später in herzlicher Gastfreundschaft sogar noch Buchteln mit Vanillesauce…
In der ersten Sekunde nach dem Wiedereinstieg in meine Skischuhe war der Schmerz am linken Knöchel schlagartig wieder da! Da fehlten 2 Quadratzentimeter Haut.
Die herrliche Abfahrt im Firn und auf den erinnerten goldenen Spuren meines Kollegen Franz Klammer ließen den Schmerz bis zum Abschwingen im Tal beim „Olympiaexpress“ wieder vergessen.
Jeder Schuhwechsel der folgenden Urlaubstage im Süden sorgte somit unvermeidlich zu einer lebhaften Remineszenz an die Skitour auf den „Kofel“. Linderung brachte dann endlich mein, eine Woche später nach Mallorca angereister Freund, Dr. Herbert, in Form von Mulltupfern und Betaisothona-Salbe.
Beide starteten wir zum Urlaubsabschluss bei der, von „air-berlin“ geistesgegenwärtig ins Leben gerufenen „1. Vulkan-Trophy“ im herrlichen Golfclub Antrax und brachten als österreichische Exoten unter vielen deutschen Golfern achtbare Ergebnisse ins Clubhaus. Die Vulkan-Trophy schaffte es, im Gegensatz zu uns sogar auf Seite 2 der, auch auf „Malle“ äußerst beliebten Bildzeitung. Allen Gerüchten zum Trotz gelangten wir, der verzogenen Aschewolke sei Dank, am ersten Tag der Flughafenöffnung planmäßig nach München.
Mein neuer Geschäftspartner, die Firma facts-Events aus Dornbirn hatte in der Zwischenzeit alle an mich gerichteten Anfragen für Vorträge gesammelt und vorbesprochen. Es ist eine wirkliche Entlastung, von Profis betreut und beraten zu werden. In wenigen Wochen wurde mein Referats-Tourkalender bis Weihnachten, auf meine Bedürfnisse abgestimmt und fixiert. Das Programm bietet den zeitlichen Spielraum, den ich mir durch den Rücktritt erhofft habe und trotzdem viele interessante Herausforderungen als Vortragender. Das besondere Erlebnis eines „Vortrags-Heimspiels“ in meiner Geburtsgemeinde Bezau im Bregenzerwald habe ich am 19. Mai genossen. Im ehemaligen Lieblingsraum meiner Bezauer Hauptschule durfte ich mich vor 500 BregenzerwälderInnen zu Hause fühlen und über „Leistung ist nicht (immer) gleich Erfolg referieren. Die Diskussion im Anschluss an den Vortrag fand, wie „befürchtet“, im gemütlichen Beisein einiger „alten“ Schulkollegen im Cafe Fröwis eine Fortsetzung mit sehr persönlicher Note.
Eine zweite Lesereise kreuz und quer durch Österreich, die ich mit meinem Co-Autor und Verleger Christian Seiler absolvierte, brachte uns neben durchgehendem Regen und schwierigen Fahrverhältnissen wunderbare Atmosphäre in vollen Büchereien von Mittersill bis in die Südsteiermark. Der persönliche Kontakt mit unseren Lesern und Buchhändlern vermittelte ein ganz besonderes Gefühl der Nähe und Vertrautheit in der direkten Begegnung und im Gespräch. Erfreulicherweise entwickelten sich parallel dazu Buchverkauf, Ranking in den Bestsellerlisten und Nachbestellungen mehr als wunschgemäß, sodass wir Anfang Mai beschlossen, eine 2. Auflage drucken zu lassen, die bereits im Handel erhältlich ist.
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Tage des Abschieds, 27. 3. 2010
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Gut zwei Wochen sind vergangen, seit ich die einvernehmliche Auflösung meiner Tätigkeit beim ÖSV bekannt gegeben habe. Es waren sehr dichte, sehr spannende Tage, die mir der Übergang geboten hat. Vieles hat sich in Bewegung gesetzt: Einige Menschen, meine Familie, ein paar Freunde und die ganz nahen Vertrauten wie Peter Schröcknadel, Alex Pointner oder Ernst Vettori im ÖSV waren schon länger, schon vor den Olympischen Spielen eingeweiht, dass ich die Tätigkeit als Rennsportdirektor beenden werde. Mein Gefühl sagt mir, dass wir es gut hingekriegt haben, wenn auch die Einladung zur letzen Pressekonferenz vom ÖSV ziemlich ungeschickt und lieblos formuliert war und den Gästen damit die Überraschung schon vorweg genommen wurde.
Mit Ernst Vettori hatte ich schon im Februar vor Vancouver vereinbart, dass er das Team bei der Skiflug-WM als Mannschaftsführer betreuen wird. Ich wollte mir nach der offiziellen Bekanntgabe meines Rücktritts bei so einer wichtigen Veranstaltung keine Unkonzentriertheit vorwerfen lassen. Zuletzt verzichtete ich in Absprache mit dem Team ganz auf eine Reise nach Planica und verfolgte die Bewerbe und die Erfolge unserer Flieger entspannt am Fernseher und hielt telefonisch mit einigen Betreuern Kontakt. Ein völlig neues, aber auch cooles Erlebnis! Bei der der gemütlichen Abschiedsparty in den Gemäuern von Stiegl-Bräu in Salzburg genoss ich die Gelegenheit, den Springern und vielen Betreuern zu den Skiflugmedaillen zu gratulieren und mich in Ruhe und bei dem einen oder anderen kleinen Bier von ihnen zu verabschieden. Als Osterlektüre habe ich jedem von ihnen noch ein Exemplar meines neuen Buches „Am Puls des Erfolgs“ auf das Zimmer legen lassen. Am Vortag habe ich mir die Zeit genommen, es für die einzelnen Springer und Trainer persönlich zu widmen und ein paar besondere Erlebnisse und Erfahrungen mit dem Betreffenden nachzuempfinden. Es würde mich sehr freuen, wenn ich im Lauf der Zeit erfahren dürfte, dass der enge Kern von uns in das Buch hineingelesen hat und mir auch Feedbacks zukommen wird. Bin schon gespannt…
Ich war letzte Woche auch einige Abende im ÖSV-Büro, um den Übergang zur neuen Ära-Vettori zu begleiten und viele Sachen der abgelaufenen und erfolgreichen Saison noch zu Ende zu bringen. Die Papiere türmen sich auf meinem (bald ehemaligen) Schreibtisch. Wie immer arbeitete ich sie ab und ging dann allerdings mit dem Gefühl, den wirklich großen Rucksack in der Olympiastraße lassen zu können, nach Hause.
Ernst hat viel vor sich, und er ist mein Freund, der sich der Aufgabe mutig und mit Begeisterung stellt. Ich unterstütze ihn, wenn er glaubt Hilfe zu brauchen, viel wichtiger aber ist, und das weiß er, weil es auch beim Springen so war: Er muss seinen Stil, seine Linie finden, dann kann er erfolgreich und zufrieden sein.
Seit ein paar Tagen taucht unser neues Buch auf den Bestsellerlisten auf. Das ist ein erhebendes Gefühl, weil es bei den Menschen ankommt. Schon bei den Lesungen hatten mein Co-Autor Christian Seiler und ich das Gefühl, dass wir die Menschen gut erreichen können mit Inhalt und Rhythmus des Buches. Die Mischung aus Anspruch und Unterhaltung scheint zu passen.
Noch schöner aber sind die langsam eintrudelnden persönlichen Rückmeldungen einiger mir bekannter aber auch unbekannter Leser. Ich bin glücklich, wenn jetzt langsam das stattfindet, was mir das wichtigste Anliegen beim Schreiben war: Den Leser von der oberflächlichen Taxierung des Buches in die Mitte des Inhalts hinein zu ziehen. Ein Buch ist für mich eine der ganz wenigen verbleibenden Möglichkeiten der so wichtigen tiefsinnigen Kommunikation von Mensch zu Mensch. Was man dafür braucht ist die Zeit und die Hingabe beim Schreiben und auch später beim Lesen.
Trotz des guten Anklangs bei vielen Lesern wäre es vermessen zu erwarten, jeder müsse begeistert sein, dazu ist der Inhalt des Buches zu wenig „mainstreamig“, das nehme ich gerne in Kauf, dem wollte ich bewusst nicht ausweichen. Als Wichtigstes empfinde ich den erfreulichen Umstand, dass es noch immer genug neugierige Menschen gibt, die sich auch gerne intensiver und tiefgründiger mit einem Thema wie dem Spitzensport beschäftigen. Ein Grund dürfte darin liegen, dass Profisport nur EINE besondere Ausprägung unserer Leistungsgesellschaft darstellt, und viele von uns das Gefühl haben, dass uns der Wettbewerb dominiert, dass er sehr faszinierend ist aber gleichzeitig jederzeit bedrohlich und zerstörerisch werden kann.
Genau davon und handelt das Buch. Und viele von uns spüren, dass uns das alle, nicht nur die Sportler betrifft.
Mit Ernst Vettori hatte ich schon im Februar vor Vancouver vereinbart, dass er das Team bei der Skiflug-WM als Mannschaftsführer betreuen wird. Ich wollte mir nach der offiziellen Bekanntgabe meines Rücktritts bei so einer wichtigen Veranstaltung keine Unkonzentriertheit vorwerfen lassen. Zuletzt verzichtete ich in Absprache mit dem Team ganz auf eine Reise nach Planica und verfolgte die Bewerbe und die Erfolge unserer Flieger entspannt am Fernseher und hielt telefonisch mit einigen Betreuern Kontakt. Ein völlig neues, aber auch cooles Erlebnis! Bei der der gemütlichen Abschiedsparty in den Gemäuern von Stiegl-Bräu in Salzburg genoss ich die Gelegenheit, den Springern und vielen Betreuern zu den Skiflugmedaillen zu gratulieren und mich in Ruhe und bei dem einen oder anderen kleinen Bier von ihnen zu verabschieden. Als Osterlektüre habe ich jedem von ihnen noch ein Exemplar meines neuen Buches „Am Puls des Erfolgs“ auf das Zimmer legen lassen. Am Vortag habe ich mir die Zeit genommen, es für die einzelnen Springer und Trainer persönlich zu widmen und ein paar besondere Erlebnisse und Erfahrungen mit dem Betreffenden nachzuempfinden. Es würde mich sehr freuen, wenn ich im Lauf der Zeit erfahren dürfte, dass der enge Kern von uns in das Buch hineingelesen hat und mir auch Feedbacks zukommen wird. Bin schon gespannt…
Ich war letzte Woche auch einige Abende im ÖSV-Büro, um den Übergang zur neuen Ära-Vettori zu begleiten und viele Sachen der abgelaufenen und erfolgreichen Saison noch zu Ende zu bringen. Die Papiere türmen sich auf meinem (bald ehemaligen) Schreibtisch. Wie immer arbeitete ich sie ab und ging dann allerdings mit dem Gefühl, den wirklich großen Rucksack in der Olympiastraße lassen zu können, nach Hause.
Ernst hat viel vor sich, und er ist mein Freund, der sich der Aufgabe mutig und mit Begeisterung stellt. Ich unterstütze ihn, wenn er glaubt Hilfe zu brauchen, viel wichtiger aber ist, und das weiß er, weil es auch beim Springen so war: Er muss seinen Stil, seine Linie finden, dann kann er erfolgreich und zufrieden sein.
Seit ein paar Tagen taucht unser neues Buch auf den Bestsellerlisten auf. Das ist ein erhebendes Gefühl, weil es bei den Menschen ankommt. Schon bei den Lesungen hatten mein Co-Autor Christian Seiler und ich das Gefühl, dass wir die Menschen gut erreichen können mit Inhalt und Rhythmus des Buches. Die Mischung aus Anspruch und Unterhaltung scheint zu passen.
Noch schöner aber sind die langsam eintrudelnden persönlichen Rückmeldungen einiger mir bekannter aber auch unbekannter Leser. Ich bin glücklich, wenn jetzt langsam das stattfindet, was mir das wichtigste Anliegen beim Schreiben war: Den Leser von der oberflächlichen Taxierung des Buches in die Mitte des Inhalts hinein zu ziehen. Ein Buch ist für mich eine der ganz wenigen verbleibenden Möglichkeiten der so wichtigen tiefsinnigen Kommunikation von Mensch zu Mensch. Was man dafür braucht ist die Zeit und die Hingabe beim Schreiben und auch später beim Lesen.
Trotz des guten Anklangs bei vielen Lesern wäre es vermessen zu erwarten, jeder müsse begeistert sein, dazu ist der Inhalt des Buches zu wenig „mainstreamig“, das nehme ich gerne in Kauf, dem wollte ich bewusst nicht ausweichen. Als Wichtigstes empfinde ich den erfreulichen Umstand, dass es noch immer genug neugierige Menschen gibt, die sich auch gerne intensiver und tiefgründiger mit einem Thema wie dem Spitzensport beschäftigen. Ein Grund dürfte darin liegen, dass Profisport nur EINE besondere Ausprägung unserer Leistungsgesellschaft darstellt, und viele von uns das Gefühl haben, dass uns der Wettbewerb dominiert, dass er sehr faszinierend ist aber gleichzeitig jederzeit bedrohlich und zerstörerisch werden kann.
Genau davon und handelt das Buch. Und viele von uns spüren, dass uns das alle, nicht nur die Sportler betrifft.
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Abschiedspressekonferenz, 11. März 2010
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Ich habe das Gefühl, endlich etwas wirklich Neues sagen zu können, statt nach vielen Jahren ständig wiederkehrende Muster neu inszenieren zu müssen. Vierschanzentournee, WM Prognosen, Erwartungen etc.
Für mich geht ein großartiger und sehr erfolgreicher Berufsabschnitt nach vielen Erfolgen und an einem Höhepunkt zu Ende. Wie seit vielen Jahren gemeinsam geplant, lösen wir unser Vertragsverhältnis einvernehmlich auf und das ist ein gutes Gefühl. Es gibt nichts, was wir in meinen Bereichen nicht erreicht hätten. Besonders freut mich die Verteidigung der Olympiasiege in den beiden Teambewerben. Es gab viele großartige Erfolge, ich überlasse das Zählen der Siege und Medaillen aber anderen. Es gab auch Situationen, an denen ich an der Grenze und über der Grenze der Belastbarkeit war. Ich weiß, dass wir daran gemessen werden, ich weiß aber auch, dass es nicht das Bedeutungsvollste unseres Tuns ist. „Wurzeln und Flügel“ war mein Motto. Ich bin stolz darauf als Rennsportdirektor den Spagat geschafft zu haben zwischen handwerklich gediegener Trainings- und Entwicklungsarbeit einerseits und modernen, spektakulären Entwicklungen im Topbereich.
Es beruhigt mich, dass meine Bilanz nicht nur von den Ergebnislisten sondern an der Kultur und Atmosphäre der Nordischen Kombination und des Skispringens abzulesen ist. Es ist äußerst erfreulich, wie viele ehemalige Aktive in den letzten Jahren unsere Arbeit mitgetragen haben und nach wie vor engagiert dabei sind. Ein Blick auf meine internationale Tätigkeit vermittelt mir ein gutes und beruhigendes Gefühl: Im Reglement unserer Sportarten sind viele Besonderheiten, für die ich erfolgreich gekämpft habe, verankert. Das macht mich stolz und bedeutet mir langfristig mehr als der Gewinn einer weiteren Medaille für die Statistik. Schönes Beispiel dafür sind die Etablierung des Mindest-BMI oder die Durchsetzung attraktiver Wettkampfformate im Skispringen.
An der letzten Station einer gemeinsam bestandenen Abenteuerreise möchte ich einigen wichtigen Menschen danke sagen. Ganz besonders meiner Frau Marlene, die über viele Jahre durch meinen zeitraubenden Beruf auf vieles verzichten musste. Marlene hat unseren drei Kindern in Abwesenheit des Vaters nicht nur Langlaufen und Skifahren beigebracht, sondern die Familie zusammengehalten hat. Ich weiß das sehr zu schätzen.
Mein allererster und freundschaftlicher Dank richtet sich an Peter Schröcknadel, der mir vor 18 Jahren eine neue Herausforderung bot, als ich als Cheftrainer ausgestiegen war. Nach dem Verfassen einer Analyse über den gesamten nordischen Sport machte er mich zum Manager desselben. Ich habe in dieser Tätigkeit und auch von Peter sehr viel gelernt. Nicht nur den eleganten Rollwurf beim Fliegenfischen sondern viele Einschätzungen, Tools und Tricks im Management. Gemeinsam und loyal haben wir auch einige sehr schwierige Phasen gemeistert, in denen wir bis an die Grenze der Belastbarkeit und darüber hinaus beansprucht wurden.
Besonders herausheben möchte ich auch die Zusammenarbeit mit Alex Pointner. Er hat meine geradlinige Arbeit und den nachhaltigen Ansatz dahinter verstanden und mitgetragen. Gemeinsam haben wir über die Jahre eine außergewöhnliche Effizienz und Freundschaft entwickelt. Nicht nur die großen Erfolge sprechen für die Qualität dieser Zusammenarbeit. Die wichtigen Schlüsselpersonen auf deren Vertrauen, Einsatz und Fachwissen ich mich im ÖSV und der FIS ständig verlassen konnte, waren Dr. Klaus Leistner, Paul Ganzenhuber, die Nachwuchsreferenten Harald Haim und Günter Csar sowie nach einer Pause auch wieder Günter Chromecek oder in der Nordischen Kombination.
Vor allem möchte ich auch den vielen Trainern und Betreuern in unseren Kadern danken und gratulieren. Dann möchte ich den Kollegen in den Landesverbänden, den Zentren wie Stams und Eisenerz aber vor allem in den Vereinen danken. Sie sind das Fundament unserer Erfolge. Ich kenne sie alle und war selber, nebenbei und 8 Jahre lang beim SV Innsbruck-Bergisel, einer von ihnen. Auch aus dieser Erfahrung ergab sich ein für mich immer sehr wichtiges Naheverhältnis zu meinen Sportlern im Skispringen und der Nordischen Kombination. Dieser Kontakt hat mir immer ein zentrales Gefühl für den Sinn meiner Tätigkeit vermittelt und mein Engagement 2006 um vier Jahre verlängert. Ich wollte die Kinder, die ich im Verein trainiert und beobachtet hatte, noch begleiten, wenn sie flügge und erwachsen werden. Ein ganz wichtiger Wegbegleiter, Mitarbeiter und Freund fehlt noch: Ernst Vettori! Es war schon eine besondere Zusammenarbeit mit ihm als er Sportler und ich sein Trainer war, die mit dem Highlight seines Olympiasieges großartig endete. Er verkörpert die besondere Kombination eines höchst erfolgreichen ehemaligen Leistungssportlers, der sich durch sein Fachhochschulstudium eine wertvolle Zusatzqualifikation angeeignet hat. Ich habe ihn in den ÖSV geholt und gemeinsam haben wir über viele Jahre in unterschiedlichen Positionen aber mit ähnlichen Grundwerten unseren Bereich gestaltet und weiter entwickelt. Von langer Hand geplant, Peter Schröcksnadel und die wichtigsten Kollegen sind seit Monaten eingeweiht, habe ich ein gutes Gefühl dabei, meinen Aufgabenbereich an Ernst zu übergeben. Ernst ist ein Hobbygärtner. Man könnte sagen, dass ich einen Garten übergebe, der super in Schuss ist, die Bäume haben auch in meiner letzten Saison üppig getragen, sind noch nicht ganz in den Himmel gewachsen. Es ist aber auch genug Humus da für die jungen Pflanzen, das war mir immer wichtig. Aber sicher ist vieles neu zu strukturieren und umzustechen, damit der Ertrag weiterhin geerntet werden kann. Das soll alles noch in Ruhe überlegt und geplant werden.
Nächste Woche erscheint mein neues Buch „Am Puls des Erfolgs“. Es ist ein Symbol und arbeitsmäßiger Schwerpunkt für meine nächste Zukunft. Dort wird vieles meiner Tätigkeit im Spitzensport detailliert, liebevoll aber auch kritisch aufgearbeitet, das heute zeitlich keinen Platz haben wird. Mindestens ein Jahr lang werde ich – um Spekulationen vorzugreifen – für keine andere Skination arbeiten, sondern mich auf andere Inhalte konzentrieren. Ich freue mich auf die Zeit, vieles in Ruhe abwägen zu können. Es gibt spannende Projekte, die ich mir nicht nur im Sport ansehen möchte. Ich habe da einiges im Kopf aber zunächst gönne ich mir die Möglichkeit, Abstand zu gewinnen und mich umzusehen, was auf mich zukommen wird. Mein Buch heisst "Am Puls des Erfolgs".
Ich erzähle darin von den Erfolgen, die ich als Sportler hatte und davon, wie ich als Trainer und Sportdirektor Generationen von Athleten an die Weltspitze heranführen konnte. Das Buch liefert tiefe Einblicke in mein System, nachhaltig für Erfolge zu sorgen. Jeder Interessierte kann davon profitieren.
Aber das ist nur die eine Seite der Medaille.
"Am Puls des Erfolgs" zu sein, bedeutet für mich auch, im Streben nach Siegen nicht die Orientierung zu verlieren. Ich denke darüber nach, ob der kommerzialisierte, in manchen Sparten dopingverseuchte Spitzensport auf dem falschen Dampfer ist und nehme mir bei der Diagnose von falschen Entwicklungen kein Blatt vor den Mund.
Dieses Buch fasst mein Leben im Spitzensport zusammen. Es ist ein liebevolles, nützliches, aber auch kritisches Buch geworden. Am Montag ist es im Buchhandel.
Für mich geht ein großartiger und sehr erfolgreicher Berufsabschnitt nach vielen Erfolgen und an einem Höhepunkt zu Ende. Wie seit vielen Jahren gemeinsam geplant, lösen wir unser Vertragsverhältnis einvernehmlich auf und das ist ein gutes Gefühl. Es gibt nichts, was wir in meinen Bereichen nicht erreicht hätten. Besonders freut mich die Verteidigung der Olympiasiege in den beiden Teambewerben. Es gab viele großartige Erfolge, ich überlasse das Zählen der Siege und Medaillen aber anderen. Es gab auch Situationen, an denen ich an der Grenze und über der Grenze der Belastbarkeit war. Ich weiß, dass wir daran gemessen werden, ich weiß aber auch, dass es nicht das Bedeutungsvollste unseres Tuns ist. „Wurzeln und Flügel“ war mein Motto. Ich bin stolz darauf als Rennsportdirektor den Spagat geschafft zu haben zwischen handwerklich gediegener Trainings- und Entwicklungsarbeit einerseits und modernen, spektakulären Entwicklungen im Topbereich.
Es beruhigt mich, dass meine Bilanz nicht nur von den Ergebnislisten sondern an der Kultur und Atmosphäre der Nordischen Kombination und des Skispringens abzulesen ist. Es ist äußerst erfreulich, wie viele ehemalige Aktive in den letzten Jahren unsere Arbeit mitgetragen haben und nach wie vor engagiert dabei sind. Ein Blick auf meine internationale Tätigkeit vermittelt mir ein gutes und beruhigendes Gefühl: Im Reglement unserer Sportarten sind viele Besonderheiten, für die ich erfolgreich gekämpft habe, verankert. Das macht mich stolz und bedeutet mir langfristig mehr als der Gewinn einer weiteren Medaille für die Statistik. Schönes Beispiel dafür sind die Etablierung des Mindest-BMI oder die Durchsetzung attraktiver Wettkampfformate im Skispringen.
An der letzten Station einer gemeinsam bestandenen Abenteuerreise möchte ich einigen wichtigen Menschen danke sagen. Ganz besonders meiner Frau Marlene, die über viele Jahre durch meinen zeitraubenden Beruf auf vieles verzichten musste. Marlene hat unseren drei Kindern in Abwesenheit des Vaters nicht nur Langlaufen und Skifahren beigebracht, sondern die Familie zusammengehalten hat. Ich weiß das sehr zu schätzen.
Mein allererster und freundschaftlicher Dank richtet sich an Peter Schröcknadel, der mir vor 18 Jahren eine neue Herausforderung bot, als ich als Cheftrainer ausgestiegen war. Nach dem Verfassen einer Analyse über den gesamten nordischen Sport machte er mich zum Manager desselben. Ich habe in dieser Tätigkeit und auch von Peter sehr viel gelernt. Nicht nur den eleganten Rollwurf beim Fliegenfischen sondern viele Einschätzungen, Tools und Tricks im Management. Gemeinsam und loyal haben wir auch einige sehr schwierige Phasen gemeistert, in denen wir bis an die Grenze der Belastbarkeit und darüber hinaus beansprucht wurden.
Besonders herausheben möchte ich auch die Zusammenarbeit mit Alex Pointner. Er hat meine geradlinige Arbeit und den nachhaltigen Ansatz dahinter verstanden und mitgetragen. Gemeinsam haben wir über die Jahre eine außergewöhnliche Effizienz und Freundschaft entwickelt. Nicht nur die großen Erfolge sprechen für die Qualität dieser Zusammenarbeit. Die wichtigen Schlüsselpersonen auf deren Vertrauen, Einsatz und Fachwissen ich mich im ÖSV und der FIS ständig verlassen konnte, waren Dr. Klaus Leistner, Paul Ganzenhuber, die Nachwuchsreferenten Harald Haim und Günter Csar sowie nach einer Pause auch wieder Günter Chromecek oder in der Nordischen Kombination.
Vor allem möchte ich auch den vielen Trainern und Betreuern in unseren Kadern danken und gratulieren. Dann möchte ich den Kollegen in den Landesverbänden, den Zentren wie Stams und Eisenerz aber vor allem in den Vereinen danken. Sie sind das Fundament unserer Erfolge. Ich kenne sie alle und war selber, nebenbei und 8 Jahre lang beim SV Innsbruck-Bergisel, einer von ihnen. Auch aus dieser Erfahrung ergab sich ein für mich immer sehr wichtiges Naheverhältnis zu meinen Sportlern im Skispringen und der Nordischen Kombination. Dieser Kontakt hat mir immer ein zentrales Gefühl für den Sinn meiner Tätigkeit vermittelt und mein Engagement 2006 um vier Jahre verlängert. Ich wollte die Kinder, die ich im Verein trainiert und beobachtet hatte, noch begleiten, wenn sie flügge und erwachsen werden. Ein ganz wichtiger Wegbegleiter, Mitarbeiter und Freund fehlt noch: Ernst Vettori! Es war schon eine besondere Zusammenarbeit mit ihm als er Sportler und ich sein Trainer war, die mit dem Highlight seines Olympiasieges großartig endete. Er verkörpert die besondere Kombination eines höchst erfolgreichen ehemaligen Leistungssportlers, der sich durch sein Fachhochschulstudium eine wertvolle Zusatzqualifikation angeeignet hat. Ich habe ihn in den ÖSV geholt und gemeinsam haben wir über viele Jahre in unterschiedlichen Positionen aber mit ähnlichen Grundwerten unseren Bereich gestaltet und weiter entwickelt. Von langer Hand geplant, Peter Schröcksnadel und die wichtigsten Kollegen sind seit Monaten eingeweiht, habe ich ein gutes Gefühl dabei, meinen Aufgabenbereich an Ernst zu übergeben. Ernst ist ein Hobbygärtner. Man könnte sagen, dass ich einen Garten übergebe, der super in Schuss ist, die Bäume haben auch in meiner letzten Saison üppig getragen, sind noch nicht ganz in den Himmel gewachsen. Es ist aber auch genug Humus da für die jungen Pflanzen, das war mir immer wichtig. Aber sicher ist vieles neu zu strukturieren und umzustechen, damit der Ertrag weiterhin geerntet werden kann. Das soll alles noch in Ruhe überlegt und geplant werden.
Nächste Woche erscheint mein neues Buch „Am Puls des Erfolgs“. Es ist ein Symbol und arbeitsmäßiger Schwerpunkt für meine nächste Zukunft. Dort wird vieles meiner Tätigkeit im Spitzensport detailliert, liebevoll aber auch kritisch aufgearbeitet, das heute zeitlich keinen Platz haben wird. Mindestens ein Jahr lang werde ich – um Spekulationen vorzugreifen – für keine andere Skination arbeiten, sondern mich auf andere Inhalte konzentrieren. Ich freue mich auf die Zeit, vieles in Ruhe abwägen zu können. Es gibt spannende Projekte, die ich mir nicht nur im Sport ansehen möchte. Ich habe da einiges im Kopf aber zunächst gönne ich mir die Möglichkeit, Abstand zu gewinnen und mich umzusehen, was auf mich zukommen wird. Mein Buch heisst "Am Puls des Erfolgs".
Ich erzähle darin von den Erfolgen, die ich als Sportler hatte und davon, wie ich als Trainer und Sportdirektor Generationen von Athleten an die Weltspitze heranführen konnte. Das Buch liefert tiefe Einblicke in mein System, nachhaltig für Erfolge zu sorgen. Jeder Interessierte kann davon profitieren.
Aber das ist nur die eine Seite der Medaille.
"Am Puls des Erfolgs" zu sein, bedeutet für mich auch, im Streben nach Siegen nicht die Orientierung zu verlieren. Ich denke darüber nach, ob der kommerzialisierte, in manchen Sparten dopingverseuchte Spitzensport auf dem falschen Dampfer ist und nehme mir bei der Diagnose von falschen Entwicklungen kein Blatt vor den Mund.
Dieses Buch fasst mein Leben im Spitzensport zusammen. Es ist ein liebevolles, nützliches, aber auch kritisches Buch geworden. Am Montag ist es im Buchhandel.
