Als mein Buch „Der kritische Punkt“ 1992 erschien, war ich 33 Jahre alt. Ich hatte eine Karriere als aktiver Sportler hinter mir, Silber und Gold bei den Olympischen Spielen gewonnen, hatte studiert, war Cheftrainer der Österreichischen Nationalmannschaft geworden und hatte mit dieser bei den Olympischen Spielen in Albertville fünf von sieben möglichen Medaillen geholt. Ich konnte am Ende der Saison 1991/92 erschöpft, aber getrost zurücktreten, im Bewusstsein, meine Mission erfüllt zu haben.
In dieser Lebensphase schrieb ich mein erstes Buch. Es war die Erzählung meines abenteuerlichen Lebens. Eines Lebens, das in der Abgeschiedenheit des Bregenzerwalds begonnen hatte, das mich mein Talent, besser Ski zu springen als die anderen, rechtzeitig erkennen ließ und mich zu einem bekannten Menschen machte. „Der kritische Punkt“ war das staunende Buch eines jungen Mannes, der sich selbst betrachtet und eine erste Zwischenbilanz zieht. Der die Schnelligkeit des eigenen Aufstiegs mit träumerischer Skepsis betrachtet und lächelnd vor der Fülle der eigenen Erlebnisse steht: Das alles ist mir wirklich passiert?
„Der kritische Punkt“ wurde ein Riesenerfolg. Nicht nur die Verkaufszahlen waren besser, als ich mir je hätte träumen lassen. Vor allem die Reaktionen des Publikums überraschten mich und taten mir gut. Wo immer ich auftauchte – sei es auf Lesereisen, bei Vorträgen oder bei anderen öffentlichen Auftritten – kamen Menschen auf mich zu und wollten mit mir über den „Kritischen Punkt“ reden, oder sie hatten das Buch dabei und wollten eine Widmung oder auch nur eine Unterschrift. Viele Menschen schrieben mir Briefe oder Karten und teilten mir mit, dass das Buch sie bewegt habe, dass es Erinnerungen heraufbeschworen oder ihnen geholfen habe, die eigene Lebensgeschichte in einem neuen Licht zu sehen.
Im Frühjahr 2010 erschien mein zweites Buch „Am Puls des Erfolgs“. Zwischen den beiden Büchern lagen nicht nur 18 Jahre, sondern auch viele Stationen eines Lebens im Dienste des Österreichischen Skiverbands. Ein aufregender Lebensabschnitt im Management eines der besten Sportverbände der Welt, der vom Wunsch getragen war, wertvolle Sportkultur mitzugestalten . Wieder markierte das Buch das Ende einer erfüllten Epoche meines Lebens. Gleichzeitig mit dem Erscheinen von „Am Puls des Erfolgs“ gab ich meinen Rücktritt als Sportdirektor des ÖSV bekannt.
Als ich im Frühjahr auf Lesereise ging, traf ich in ganz Österreich Menschen, die sich für meine Erfahrungen und meine Gedanken zum Spitzensport interessierten. Oft saß ich lange an meinem Lesetischchen, während die Zuhörer des Abends geduldig in der Schlange standen und darauf warteten, eine Signatur für ihr Buch zu bekommen. Es war schön und oft auch berührend, mit meinen Leserinnen und Lesern zu sprechen, Begebenheiten aus ihrem Leben zu hören und an Situationen und Erlebnisse erinnert zu werden, wo sich die Biographien kurz berührt hatten, um schließlich wieder in die eigene Richtung weiterzudriften.
Immer wieder aber wurde ich auch auf den „Kritischen Punkt“ angesprochen. Das Buch war inzwischen längst nicht mehr auf dem Markt. Der Verlag, der es 1992 herausgebracht hatte, existierte schon seit mehr als zehn Jahren nicht mehr, und nur auf Ebay schwirrten noch einzelne Angebote herum, oft genug zu obszön hohen Preisen. „Eigentlich schade“, dachte ich mir, denn ich sah – und sehe – die beiden Bücher als kommunizierende Gefäße: erzählerisch und draufgängerisch das eine, analytisch und erwachsen das andere. Beide sind ohne einander nicht denkbar.
So keimte der Entschluss, den „Kritischen Punkt“ noch einmal aufzulegen. Er bekam einen kritischen Korrekturdurchgang verpasst, und im abschließenden Kapitel der „Gebrauchsanweisungen“ konnte ich nicht widerstehen, eine Reihe von Tipps, die ich mir selbst in den Jahren als Betreuer und Manager angeeignet hatte, zu den im Buch bereits versammelten hinzuzufügen.
So schließt sich für mich ein Kreis. „Der kritische Punkt“ kehrt in die Buchhandlungen zurück, unverhohlen ein Buch seiner Zeit – und meiner Zeit. Ich freue mich, dass mit der Neuauflage ein Stück Sportgeschichte wieder komplett ist.
Thaur, 4. Oktober 2010
P.S.: Als dieses Buch 1992 erschien, spielten Mädchen und Damen im Skispringen noch überhaupt keine Rolle. Fünf Jahre später stellte Eva Ganster in Bad-Mitterndorf mit 167 Metern den ersten Weltrekord im Skifliegen auf. 2003 landete Daniela Iraschko am Kulm bei 200 Metern. Der internationale Skiverband führte 2009 in Liberec die ersten offiziellen Weltmeisterschaften im Damenskispringen durch und beschloss kürzlich den Weltcupstatus für Damenbewerbe ab der Saison 2011/12. Hoffentlich werden bei den Olympischen Spielen 2014 auch Skispringerinnen am Start sein.
P.P.S: 1992 war die sprachliche Gleichstellung weder im Sport noch sonst üblich. Im Skispringen war sie auch praktisch noch nicht sinnvoll. Das hat sich geändert. An jenen Stellen dieses Buches, wo ohne persönlichen Bezug von Sportlern, Skispringern und Synonymen die Rede ist, sind aktuell und zukünftig mit dem gebotenen Respekt auch Sportlerinnen und Skispringerinnen gemeint.
In dieser Lebensphase schrieb ich mein erstes Buch. Es war die Erzählung meines abenteuerlichen Lebens. Eines Lebens, das in der Abgeschiedenheit des Bregenzerwalds begonnen hatte, das mich mein Talent, besser Ski zu springen als die anderen, rechtzeitig erkennen ließ und mich zu einem bekannten Menschen machte. „Der kritische Punkt“ war das staunende Buch eines jungen Mannes, der sich selbst betrachtet und eine erste Zwischenbilanz zieht. Der die Schnelligkeit des eigenen Aufstiegs mit träumerischer Skepsis betrachtet und lächelnd vor der Fülle der eigenen Erlebnisse steht: Das alles ist mir wirklich passiert?
„Der kritische Punkt“ wurde ein Riesenerfolg. Nicht nur die Verkaufszahlen waren besser, als ich mir je hätte träumen lassen. Vor allem die Reaktionen des Publikums überraschten mich und taten mir gut. Wo immer ich auftauchte – sei es auf Lesereisen, bei Vorträgen oder bei anderen öffentlichen Auftritten – kamen Menschen auf mich zu und wollten mit mir über den „Kritischen Punkt“ reden, oder sie hatten das Buch dabei und wollten eine Widmung oder auch nur eine Unterschrift. Viele Menschen schrieben mir Briefe oder Karten und teilten mir mit, dass das Buch sie bewegt habe, dass es Erinnerungen heraufbeschworen oder ihnen geholfen habe, die eigene Lebensgeschichte in einem neuen Licht zu sehen.
Im Frühjahr 2010 erschien mein zweites Buch „Am Puls des Erfolgs“. Zwischen den beiden Büchern lagen nicht nur 18 Jahre, sondern auch viele Stationen eines Lebens im Dienste des Österreichischen Skiverbands. Ein aufregender Lebensabschnitt im Management eines der besten Sportverbände der Welt, der vom Wunsch getragen war, wertvolle Sportkultur mitzugestalten . Wieder markierte das Buch das Ende einer erfüllten Epoche meines Lebens. Gleichzeitig mit dem Erscheinen von „Am Puls des Erfolgs“ gab ich meinen Rücktritt als Sportdirektor des ÖSV bekannt.
Als ich im Frühjahr auf Lesereise ging, traf ich in ganz Österreich Menschen, die sich für meine Erfahrungen und meine Gedanken zum Spitzensport interessierten. Oft saß ich lange an meinem Lesetischchen, während die Zuhörer des Abends geduldig in der Schlange standen und darauf warteten, eine Signatur für ihr Buch zu bekommen. Es war schön und oft auch berührend, mit meinen Leserinnen und Lesern zu sprechen, Begebenheiten aus ihrem Leben zu hören und an Situationen und Erlebnisse erinnert zu werden, wo sich die Biographien kurz berührt hatten, um schließlich wieder in die eigene Richtung weiterzudriften.
Immer wieder aber wurde ich auch auf den „Kritischen Punkt“ angesprochen. Das Buch war inzwischen längst nicht mehr auf dem Markt. Der Verlag, der es 1992 herausgebracht hatte, existierte schon seit mehr als zehn Jahren nicht mehr, und nur auf Ebay schwirrten noch einzelne Angebote herum, oft genug zu obszön hohen Preisen. „Eigentlich schade“, dachte ich mir, denn ich sah – und sehe – die beiden Bücher als kommunizierende Gefäße: erzählerisch und draufgängerisch das eine, analytisch und erwachsen das andere. Beide sind ohne einander nicht denkbar.
So keimte der Entschluss, den „Kritischen Punkt“ noch einmal aufzulegen. Er bekam einen kritischen Korrekturdurchgang verpasst, und im abschließenden Kapitel der „Gebrauchsanweisungen“ konnte ich nicht widerstehen, eine Reihe von Tipps, die ich mir selbst in den Jahren als Betreuer und Manager angeeignet hatte, zu den im Buch bereits versammelten hinzuzufügen.
So schließt sich für mich ein Kreis. „Der kritische Punkt“ kehrt in die Buchhandlungen zurück, unverhohlen ein Buch seiner Zeit – und meiner Zeit. Ich freue mich, dass mit der Neuauflage ein Stück Sportgeschichte wieder komplett ist.
Thaur, 4. Oktober 2010
P.S.: Als dieses Buch 1992 erschien, spielten Mädchen und Damen im Skispringen noch überhaupt keine Rolle. Fünf Jahre später stellte Eva Ganster in Bad-Mitterndorf mit 167 Metern den ersten Weltrekord im Skifliegen auf. 2003 landete Daniela Iraschko am Kulm bei 200 Metern. Der internationale Skiverband führte 2009 in Liberec die ersten offiziellen Weltmeisterschaften im Damenskispringen durch und beschloss kürzlich den Weltcupstatus für Damenbewerbe ab der Saison 2011/12. Hoffentlich werden bei den Olympischen Spielen 2014 auch Skispringerinnen am Start sein.
P.P.S: 1992 war die sprachliche Gleichstellung weder im Sport noch sonst üblich. Im Skispringen war sie auch praktisch noch nicht sinnvoll. Das hat sich geändert. An jenen Stellen dieses Buches, wo ohne persönlichen Bezug von Sportlern, Skispringern und Synonymen die Rede ist, sind aktuell und zukünftig mit dem gebotenen Respekt auch Sportlerinnen und Skispringerinnen gemeint.
