Toni Innauer

„Die Schwerkraft macht keine Pause“

Die Schwerkraft macht keine Pause

Die genauen Ursachen für den tragischen tödlichen Unfall von Felix Baumgartner sind noch nicht restlos geklärt.

RIP Felix!

Von der Ferne betrachtet zeigt sich ein Muster, das rund um verunglückte Extremsportler immer wieder auftaucht. Nicht bei den waghalsigsten, gefährlichsten und verrücktesten Aktionen passiert das Unglück, nein quasi auf dem Heimweg, einem anspruchslosen Spaziergang, bei einer Routineaktion schlägt das Schicksal zu. Die Geschichte des Bergsteigens kennt viele dieser paradoxen Ereignisse. Die Erstbegehung ist geglückt, die grenzwertigen Herausforderungen sind überwunden, die Euphorie ist riesengroß und beim Abstieg genügt ein kleiner Konzentrationsfehler, auch auf einem vermeintlich kinderleichten Steig.

Der Kunstflugpilot Hannes Arch, der uns mit seinem grölenden Fluggerät und atemberaubenden Stunts über zehntausenden Zuschauern einst das Fürchten lehrte, verunglückte bei einem alltäglichen Routineflug mit dem Hubschrauber.

Die Bilanz der Skisportler, die nicht auf Piste und Schanze, sondern im Straßenverkehr verunglückt sind, ist deprimierend. Mehr Glück hatte jener Nationalteamskispringers, der sich – nach beendeter und gesund überstandener Karriere – in einem Funpark Wirbelbrüche zuzog, die er mit Glück und dank guter medizinischer Unterstützung voll ausheilen konnte.

Eine der wichtigsten Herausforderungen für uns „Sensation-Seekers“, Adrenalinjunkies, Grenzgänger und Extremsportler ist es zu akzeptieren, dass die Schwerkraft keinen Feierabend und harmlosen Heimweg kennt, sondern immer wirkt. Sie schläft nie und kennt auch keinen Altersbonus für verdiente Veteranen.

Abenteuer, die das Leben im Vertrauen auf das eigene Können und Wissen aufs Spiel setzen, erleben eine ungeheuer verdichtete Lebendigkeit und gesteigerten Selbstwert. Nur von außen betrachtet erscheint das Abenteuer als tollkühne hochriskante Expedition. Im potenziell lebensgefährlichen Feld bewähren sich klug kalkuliertes Risiko und realistische Selbsteinschätzung. Aber unter Konkurrenzdruck – und heutzutage verstärkt unter Publikationszwang – festigen sich eigene und fremde Erwartungen an die persönliche Rolle. Das flexible Herunterregulieren auf ein angemessenes und altersgemäßes Risikoverhaltens im Alltagsleben bleibt eine ständige und lebenslange Herausforderung.

Der Verzicht auf eine genderneutrale Schreibweise in diesem Text ist weder ein Versehen noch eine Provokation, sondern bewusst dem Umstand zugeordnet, dass zum allergrößten Teil Männer die ungewollt tragischen Hauptdarsteller in diesem uralten und gefährlichen Spiel sind.

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