Toni Innauer

Olympische Spiele „light“

Olympische Spiele „light“

Foto: Rainer Friedl

 

Über Olympia schwebt seit der Verschiebung der Sommerspiele 2020 eine sonderbare Unsicherheit. Die Zerbrechlichkeit eines riesigen Dampfers wird plötzlich erkennbar.
Auf nur 90 Seiten erklärt der deutsche Soziologe und Sportphilosoph Gunter Gebauer in seinem neuen Reclam-Taschenbuch die Olympischen Spiele und ihre Faszination. Der historische Erzählstrang in Gebauers Buch macht deutlich, dass Experimente, Rückschläge und Provisorien viele Jahre lang völlig normale Begleiterscheinungen der neuzeitlichen Olympischen Spiele waren.

 

Selbst als leidlich belesener Olympionike bin ich von der dichten Zusammenschau und bereichernden Vielfalt des handlichen Taschenbüchleins begeistert. Das liegt auch daran, dass Gebauer über eine Herzensangelegenheit schreibt. In seiner Jugend ein taltentierter und begeisterter Leichtathlet, sind seine Verbundenheit mit dem Spitzensport und sein Bekenntnis zu den Grundwerten des Sports spürbar. In der Auswahl und Bearbeitung der Themen bleibt er allerdings unmissverständlich und objektiv-sachlicher Wissenschaftler, der niemandem eine gefällige Auftragsarbeit liefern will. Mit gebotener Distanz und ideologisch unverbrämtem Gleichmut beschreibt und analysiert er den politischen Missbrauch sowie den beeindruckenden Aufstieg „der Spiele“ in einer sich ständig verändernden gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Großwetterlage.

 

Spannend, mit wieviel Raffinesse Baron Pierre de Coubertin dereinst sein Netzwerk aus Hochadel und Militär in der Gründerzeit bespielt hat. Alles andere als selbstverständlich, dass die Wintersportarten in den versnobt-elitären Bereich eindringen konnten. Der Frauensport wurde lange fern gehalten.

Für Tokyo 2020 wurde allerdings schon ein Frauenanteil von 48,8% angekündigt!

 

Nicht nur einmal waren es die Initiativen beherzter Männer und Frauen, die die Spiele am Leben erhielten. Innsbruck 1976 war so gesehen mehr als nur ein Notnagel für Denver.

 

Mit den gewaltig wachsenden Geldern aus Fernsehverträgen und der Zulassung von Profis startete Olympia Ende der 80er unter dem „nichtadeligen“ wirtschafts- und machtorientierten Präsident Samaranch ökonomisch durch und verfiel bald in eine Art Höhenrausch. Gebauer präsentiert gut recherchierte, knackige Details zu Hintergrundpolitik, Geschäft, Korruption, Betrug und Doping und endet mit ethischen Überlegungen.:
Im Sichtbarwerden von „Anstrengung, Emotionen, Glückmomenten , Angst, Erschöpfung … kann man den Sinn der Olympischen Spiele erkennen. Sie zeigen ein verbindendes Band zwischen den Menschen.“   

 

Ihr Toni Innauer

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