Toni Innauer

Macht und Gene

Macht und Gene

Foto: Toni Innauer

 

Der Glaube an einen, irgendwann steril sauberen und dopingfreien Leistungssport ist blauäugig. Momentan aber wackelt selbst die pragmatische Hoffnung, dass man sich diesem Ideal systematisch annähern will, wieder einmal gewaltig. Die Reputation der Welt-Anti-Dopingagentur WADA hat im Fall der voreiligen Rehabilitierung Russlands nach dem Sotschi-Skandal nicht nur in den Augen vieler Athleten schweren Schaden erlitten. Viele der nationalen Agenturen empfanden die Entscheidung ihrer Mutterorganisation als Schlag ins Gesicht aller sauberen Sportler. Vor allem deshalb, weil zwei wesentliche Forderungen der WADA nicht erfüllt wurden: Die Anerkennung des belastenden McLaren-Reports und der Zugang zur RUSADA und den dort gelagerten Proben wurden vehement gefordert und dann über Nacht fallen gelassen. Die Torpfosten wurden kurz vor dem Ziel, im Interesse einiger Funktionäre und auf Druck einer Sportgroßnation, die ihr eigenes Fehlverhalten einfach nicht zugeben kann, verrückt.

Eine weitere, für alle, aber auch für den Leistungssport alarmierende Meldung kommt aus China, wo „zwei wunderschöne chinesische Zwillingsmädchen“ auf die Welt kamen. Wenn es kein fake ist, dann hat Dr. Jiankui He mit einer Genschere die weltweit ersten genmanipulierten Retortenmenschen geschaffen. Dabei ging es ihm um die Ausschaltung eines Proteins, welches in der Übertragung von HIV eine wesentliche Rolle spielt. He will seine Schöpfungen immun gegenüber dem HIV-Virus machen.

Der empörte Aufschrei, auch jener der weltweiten Forschungsgesellschaft ist groß, selbst chinesische Kollegen sind geschockt. Vielleicht ist es ein heilsamer Schock, Experten hoffen, dass dieser Fall im Reich der Mitte zu einem Umdenken und zur Aufwertung bioethischer Vorgaben führen wird.

Auch für den Leistungssport ist diese Hoffnung wichtig. Eine Kombination aus vermutlich nicht nachzuweisender Genmanipulation und die, gegenüber Russland demonstrierte Sonderbehandlung von mächtigen Staaten wird Leistungssport ansonsten ad absurdum führen.

Die Vorstellung, Muskelwachstum oder körperbauliche Erfolgsmerkmale direkt beim Embryo mit der Genschere zu optimieren, ist nicht neu. Unsere preisgekrönten Science-Busters haben ein „Lehr-Stück“ darüber im Programm, bei dem einem das Lachen im Hals stecken bleibt.: Myostatin bremst natürlicherweise das Wachstum der Muskelzellen. Eine artverwandte Substanz, Follastin ist in der Lage den hemmenden Spielverderber in den Zellen auszuschalten, sodass Muskelberge ohne Training wachsen. Bei Affen hat es schon funktioniert…

 

Ihr Toni Innauer

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