Toni Innauer

Spielregeln gelten nur für die anderen…

Spielregeln gelten nur für die anderen…

Foto: Toni Innauer / IXSO

 

 

Stellen Sie sich vor, Toto Wolf würde vor der nächsten F1 Saison vermelden: „Falls wir  nicht Weltmeister werden, dann ist dies auf betrügerische Konkurrenten zurückzuführen .“

Dieses absurde Theater ließe sich mit einer fiktiven Aussage von Uli Hoeneß, dass Bayern nur von einem korrupten Schiedsrichter um den verdienten Titel in der Champions League zu bringen sein wird, weiterspinnen. Vor unseren staunenden europäischen Augen spielt sich eine vergleichbare Groteske bei den Wahlen für das Amt des „wichtigsten Mannes der Welt“ ab.

Fußballerisch betrachtet hat Trump schon in der 60sten Minute, beim Stand von 2:2, Protest und Klage beim CAS, dem obersten Sportgerichtshof in Lausanne eingelegt. Er klagt gegen die beiden, vom Gegner erzielten Tore und möchte eine mögliche Verlängerung oder gar ein entscheidendes Elferschießen verhindern, weil er ahnt, den schlechteren Torhüter zu haben.

Die damned rules, die Spielregeln, die ausnahmslos für alle gelten, sind ihm dabei am meisten im Weg. Vom ergebnisoffenen Ausgang des Spieles fühlt sich der Titelverteidiger und selbsternannte „Killer und Winner“ bedroht.

„Commander in Cheat“ heißt das Buch des anerkannten Sportjournalisten Rick Reilly über Trump als Golfspieler, der Oberbefehlshaber, der ständig schwindelt und lügt. Alle wissen es, warum wollen ihn trotzdem Millionen Amerikaner als ihren Präsidenten?

Vor allem, weil Erfolg, Einfluss, Kontrolle und Macht in den Staaten fundamentalistisch-religiös verehrt werden. Siegen und hohes Einkommen heiligen den Einsatz aller Mittel, offenbar selbst die Gefährdung von demokratischen Spielregeln, die über Jahrhunderte mühsam erkämpft und verteidigt wurden.

Ein Erbe aus der Urzeit, der äffische Anteil in unserer Genetik, lässt vorzugsweise Männer nach wie vor skrupellos nach den höchsten Rangpositionen streben. Das verursacht Fehlentscheidungen und Kollateralschäden. Der Deutsche Klaus Rolinsky schreibt in diesem Zusammenhang von Entscheidungsträgern im Lendenschurz und der Notwendigkeit einer zweiten Aufklärung.

 

Die Vorstellung eines Oberbefehlshabers im Körper eines aggressiven Gorillamännchens ist beängstigend genug. Der Gedanke, dass Entscheidungen und Handlungen solcher Figuren, wie bei einem Cyborg, immer direkter von digital erhobenen Kennzahlen und Algorithmen gespeist und gelenkt werden, bringt wenig Erleichterung.

Dagegen wirkt der – seinerzeit von STS besungene – krimsekttrinkende Cowboy aus Amerika  vor seinem roten Knopf im Oval Office, noch irgendwie menschlich.

 

Ihr Toni Innauer

 

 

 

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