Toni Innauer

Risiko und die eigene Haut

Risiko und die eigene Haut

Foto: Innauer + (f)acts

 

 

Nein, es geht hier nicht darum, wer vor wem zu impfen ist, sondern um Spitzensport im Fernsehen.

Die Übertragungen liefern nicht nur gute Unterhaltung wie Spielfilme, sportliche Wettkämpfe vermitteln Ernstcharakter. Live können die ZuseherInnen vor den Bildschirmen eine nie ganz berechenbare Dramaturgie miterleben, in der die Mitwirkenden buchstäblich ihre eigene Haut aufs Spiel setzen. Manchmal wird dieser Spannungsbogen überzogen, nicht selten von jenen, deren persönliches Risiko aus dem Gefahrenbereich ausgelagert ist.

„Skin in the Game“ ist der Titel eines Bestsellers des libanesisch-amerikanischen Finanzmathematikers und Philosophen Nassim N. TALEB. Es geht um das Risiko und seinen Preis. Eine seiner Kernaussagen lautet, dass man Ratschläge tunlichst nicht von jenen holen soll, die ihre eigene Haut nicht riskieren. Z.B. die Finanzbranche, aber nicht nur jene, ist reich an Beispielen, bei denen die Gewinne privatisiert, die Verluste aber anderen „umgehängt“ werden. Große Systeme sind sehr geschickt darin, andere die Risiken überlassen und die eigene Haut zu schonen.

Im Altertum gab es sinnvolle Regeln wie „das Rhodische Gesetz“: Wenn auf einer Seereise bestimmte Waren über Bord geworfen werden mussten, um das Schiff leichter zu machen, so war dieser Verlust von allen beteiligten Händlern zu tragen, nicht nur vom Besitzer der betroffenen Ware. Ein interessanter Ansatz hinsichtlich der gemeinsam zu tragenden Lasten und Risiken in einer von Corona gebeutelten Gesellschaft und deren unterschiedlich betroffenen Gruppierungen…!

Der Skisport hat einmal mehr einige vielsagende Geschichten zum Thema Risikomanagement geliefert.: Kitzbühel-Doppel-Sieger Beat Feuz sparte am Freitag nach dem schweren Sturz seines Teamkollegen Kryenbühl nicht mit Kritik.:  „Seit drei Tagen diskutieren wir über den Zielsprung, …das muss nicht sein, darf nicht sein!“ Dass er Recht und viel zu sagen hat, wurde erst deutlich, als etwas passiert war und er in Führung lag. Perfiderweise musste er dann noch lange um den verdienten Lohn für seine Risikobereitschaft und Leistung zittern, weil das Rennen drohte, abgebrochen und für wertlos erklärt zu werden.

 

Als Halbzeitführender sprang Halvor Egner Granerud in Lahti viel zu weit und stürzte.:

Die objektiven Messdaten vor dem Start ließen die Ampel auf grün springen, der Aufwind im Idealbereich nahm kurzfristig zu, der Trainer musste unter Druck innerhalb von weniger als 10 Sekunden die Fahne schwenken. Das Risiko lag nur mehr beim Sportler und der ging „in die Vollen“ und verspielte unverschuldet einen verdienten Sieg.

 

Ihr Toni Innauer

 

 

 

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