Toni Innauer

Sportliches Vermächtnis

Sportliches Vermächtnis

Foto: Alois Furtner

 

 

Alois Lipburger hatte Locken wie Bruno Pezzey, sah aus wie eine braungebrannte griechische Statue, war enorm kopfballstark, schoss mit links präzise und mit rechts sehr scharf, und hatte ein Angebot von Wacker Innsbruck am Tisch. Der Andelsbucher war staatlicher Skilehrer und auch leidenschaftlicher Holzer, Schwarm vieler Damen von Stams bis nach Frankreich, ein toller Familienvater, Wasa-Lauf-Finisher und zertifizierter „Mr. Cool“ bei einer Bungee-Jumping-Show im ORF.

Sein Leben aber war Skispringen, das zwar nicht unbedingt zu den sommerlichen Holz-Akkord-Arbeiten passte. Trotzdem war der Liss jahrelang nicht wegzudenken aus dem rotweißroten Nationalteam und hat die Kultur dieser Sportart auch nach seiner aktiven Laufbahn mit geprägt.

Seite an Seite sprangen wir Bregenzerwälder über Stams an die Weltspitze. Liss gewann die Schweizer Springertournee, als es noch keinen Weltcup gab, und wurde 1978 schließlich Vize-Weltmeister auf der Großschanze in Lahti in Finnland. Gehört hätte ihm zweifellos die Goldmedaille, aber die heimischen Weitenmesser waren ebenso dagegen wie ein orientierungsloser österreichischer Sprungrichter. Typisch Liss, er hat dem diplomatischen Wiener zeitlebens mit Vorwürfen verschont.

 

Über Liss zu reden ist, auch 20 Jahre nach seinem viel zu frühen Tod, ein Thema, bei dem sich alle, die ihn kannten einig sind.: Er war ein richtig toller Kerl, kraftstrotzend und gleichzeitig einfühlsam, an den so viele aus der Szene persönliche Erinnerungen haben.:

Der Chef der deutschen Kombinierer, Weltmeister 1985 in Seefeld, Hermann Weinbuch schwärmt von seinem begeisterungsfähigen und unglaublich fitten Sprungtrainer aus Österreich. Für Werner Schuster, Schmied des erfolgreichen deutschen Skisprungteams und Autor des großartigen Sportbuches „Abheben“, war Liss DIE prägende Trainerpersönlichkeit in seiner Karriere.

Nationaltrainer Andreas Widhölzl sieht die Dinge ganz ähnlich. Unter seinem Lieblingstrainer Lipburger holte sich der Tiroler zur Jahrtausendwende einen fulminanten Gesamtsieg bei der Vierschanzentournee. „Swider“ war in jener Nacht, nach der nichts mehr war wie zuvor, mit seinem Trainer im Unfallwagen.

 

Alois Lipburger lebte zuletzt in Telfs im Tiroler Oberland. Die gemeinsam mit seiner Frau aufgebaute Bewegungsakademie ist vielen bis heute ein Begriff.

Als Liss nicht mehr da war, ging seine Familie zurück nach Green Bay in den USA.

Von dort erreichte uns kürzlich eine wunderbare Nachricht. Liss`s Tochter Jaqueline ist Mutter geworden. Louisa heißt das Mädchen.

 

Ihr Toni Innauer

 

One thought on “Sportliches Vermächtnis

  1. Käsecaspar

    Servus Tone,
    Erinnerungen sind Kraftquellen für die Zukunft. In Louisa ist körig Liss dinna.
    Fröu mi uf a boldigs wiederseah.
    Caspar

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