Toni Innauer

Sich ständig neu zu erfinden…

Sich ständig neu zu erfinden…

Foto: Thomas Polzer

 

 

 

 

… ist ganz normal, solange man als Sportler nach oben will.

Man akzeptiert, dass man sich in einem laufenden Lernprozess befindet, freut sich an kleinen Steigerungen, Entdeckungen und ist offen für Neues. Man will dorthin, wo die Titelträger und Ikonen der Sportart thronen.

Das Warten auf den Erfolg, auf die Belohnung für die Bemühungen der täglichen Anstrengung ist selbstverständlich und selbst kleinste Schritte nach vorne werden erfreut registriert.

Im Gehirn der Aufsteiger spielen sich Prozesse ab, die immer mehr zarte neue Verbindungen und hochwertigere Strukturen in verschiedene Dimensionen wachsen lassen. Wenn Dinge über Erwarten gut gelingen, wenn an speziellen Tagen die Ergebnisse der eigenen Handlungen sogar noch besser ausfallen, als dies erhofft wird, dann schüttet unser Lernorgan eine segensreiche Überdosis an Botenstoffen aus. Diese belohnende „Neuronendusche“ macht das Gehirn ganz besonders formbar und speichert das hochemotionale Erlebnis viel intensiver ab als gewöhnlich. Gleichzeitig macht sich ein überwältigendes Glücksgefühl breit. Z.B. beim Skispringer, der einen lang gesuchten Puzzlestein in der Materialabstimmung entdeckt und damit eine neue Flugqualität erreicht. Entscheidend ist die Intensität des persönlichen Erlebens. Ausgelöst durch Verschaltungsveränderungen im Hirn wird die Bewegungsvorstellung klarer und vielschichtiger, das Selbstvertrauen und das Vertrauen in die eigene Wirksamkeit wachsen.

Vermutlich ist dies im Tennis ganz ähnlich, wo ja die Ranglisten ideale Voraussetzungen für Prognosen, Bestätigungen und eben auch Überraschungen schaffen.
Für topplatzierte Sportler wird es immer schwieriger, diesen, emotional so wichtigen Kreislauf in Schwung zu halten. Wie kann man sich selbst noch positiv überraschen, wenn man endlich ganz oben angelangt ist, wenn die große Erfüllung, wie bei Dominic Thiem mit dem erträumten Masters-Titel, endlich Realität geworden ist?

In der Setzliste ganz vorne zu stehen, erspart einem zwar zu Turnierbeginn die ganz schweren Gegner, schließt aber die Möglichkeiten, „gehirnphysiologische Überraschungscocktails“ zu mixen, aus. Die Topleute müssen liefern, überragende Leistungen sind normal und alles andere ist eine Enttäuschung.
Goldmedaillen und Titel hängen irgendwann schwer um den Hals. Neugier, Kreativität und Mut zur Veränderung und zu Lernprozessen sind gefragt, um wieder in Berührung mit den körpereigenen und inspirierenden Botenstoffen der Aufsteigerjahre kommen zu können. Ganz egal, ob man Schlierenzauer, Thiem oder Wellinger heißt.

 

Ihr Toni Innauer

 

 

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