Toni Innauer

Slowenen knacken Flug-Code!

Slowenen knacken Flug-Code!

Zyga Jelar holte die kleine Kugel für den Skiflug Einzelweltcup, addiert aus den Resultaten von Oberstdorf und Planica. Zuvor, bei der Skiflug-WM in Vikersund hatte Jelar weder im Einzel noch im überlegen Gold-Team einen Startplatz erhalten. Dieses Detail und drei weitere Slowenen in den Top 5 des Skiflugweltcups belegen die breite Überlegenheit unserer Nachbarn.

Erlebt die Skisprungszene gerade den Übergang von der österreichischen Ära in die slowenische? Wird die rotweißrote Vormachtstellung, in viele Länder exportiertes Wissen, der mit den Superadlern gewachsener Mythos vom slowenischen Know-How abgelöst. Werden zukünftig Trainer aus Slowenien abgeworben? Ist Thomas Thurnbichler möglicherweise der letzte hochkarätige und breit ausgebildete österreichische Trainerexport.

Insider erinnern sich an die finnische Trainerschwemme, im ÖSV, auch in Frankreich, Amerika, Polen, Norwegen oder Japan, bevor die gesamte Szene umschwenkte und mit nachhaltigem Erfolg auf Österreicher zu setzen begann. Einzig die Slowenen bastelten ohne österreichische Entwicklungshilfe und offenbar unbeirrt an ihren eigenen Vorstellungen weiter.

Skisprungösterreich knackte einst das Absprunggeheimnis, machte es messbar und noch erstaunlicher, auch trainierbar. Mit Hilfe eines revolutionären Diagnostik- und Trainingssystem konnten nicht nur die Allerbegabtesten, sondern mit der Zeit auch die fleißigen Trainierer ein wirkungsvolles Bewegungsmuster und so gute Kraftwerte entwickeln, um ganz vorne mitzuhalten. Die weltweiten österreichischen Skisprungerfolge sind begleitet von dem, in Tirol wohnhaften, Sportwissenschafter Harald Pernitsch. Werner Schuster lockte ihn vom ÖSV nach Deutschland, Stefan Horngacher brachte Polen dazu, ihn zu verpflichten. Die Erfolge von Freund, Wellinger, Stoch, Kubatzki oder Zyla tragen auch Pernitschs Handschrift. Diagnostik und Training auf den Druckmessplatten haben den Sport verändert und eine ganze Epoche geprägt.

Beginnt jetzt eine neue Zeitrechnung? Die slowenische Überlegenheit auf den größten Schanzen lässt vermuten, dass hinter dem Wurzenpass ein Code geknackt wurde. Nach dem Mysterium des Absprunges scheint der letzte weiße Fleck des Gesamtablaufes, die kritische Übergangsphase vom Absprung in die stabile Fluglage, entzaubert zu sein. Die traumwandlerische Sicherheit, mit der Zajc, die Prevc-Brüder, Jelar oder Lanicek agieren, lässt vermuten, dass mehr als nur ein neues theoretisches Leitbild entwickelt wurde. Mit Hilfe des hauseigenen Windkanals in Planica scheint eine wirksame Lernmethodik für die Optimierung der Flugphase entwickelt worden zu sein. Zumindest beim Skifliegen erweist sie sich dem traditionellen „Versuch und Irrtum-Training“ auf der Schanze als turmhoch überlegen.

Ihr Toni Innauer

Foto: Toni Innauer privat

 

 

 

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