Toni Innauer

Große Zukunft und ein Jubilar dahinter

Einmal mehr gab sich der Wind alle Mühe, um einen fairen Ablauf zu verblasen. Veranstalter, Sportler und Publikum blieben zuversichtlich und gut aufgelegt. Sprecher, DJ und Beschallung hielten das volle Stadion geschickt und durch viele Pausen bei erstaunlich guter Laune. Das Bergiselspringen war ein Sportfest der Extraklasse.

Ein Springen wird zwar am Tag X und in Bruchteilen von Sekunden entschieden, vieles vom Dargebotenen hat aber lange Vorlaufzeiten und Wurzeln in der Vergangenheit, an anderen Orten und viele Väter und Mütter.

Der Auftritt unserer nationalen Gruppe, die herzerfrischenden Sprünge der Jungadler Stefan Embacher oder Jonas Schuster, versprechen eine glorreiche Skisprungzukunft. Sie sind Beleg einer hervorragenden heimischen Nachwuchsarbeit, die zurecht und immer wieder mit dem Schigymnasium in Stams verbunden wird. Der Tagessieger Jan Hörl allerdings hat seine Ausbildung im Nordischen Ausbildungszentrum in Eisenerz absolviert, genauso wie seinerzeit Stefan Horngacher, der Trainer von Andreas Wellinger.

Die Konkurrenz staunt angesichts der Leistungsbilanz der österreichischen Talenteschmieden, im eigenen Lager wird der Flaschenhals in den Weltcup immer enger. Die FIS hat die Starterquote für die besten Nationen auf fünf reduziert. Der ÖSV hat fünf Mann unter den Top-13 des Gesamtweltcups, um einen begehrten sechsten Platz wird im Continentalcup gekämpft. Es ist absehbar, dass Österreich demnächst ein zweites hochwertiges Nationalteam stellen könnte, dem im Weltcup nur die Zuschauerrolle bleiben wird.
In nahezu allen starken Nationen hat ein Stams-Abgänger (Horngacher ist die Eisenerzer Ausnahme) die Cheftrainer-Fahne in der Hand. Können wir es uns wirklich leisten, einen hochkarätigen Mann wie Werner Schuster ein weiters Mal von Stams zum DSV nach München wechseln zu lassen? Mit emotionaler Distanz und als Momentaufnahme betrachtet, wird er dort als Spiritus Rektor für den Nachwuchs derzeit dringender benötigt als im ÖSV. Der stärkste Motor des Skispringens ist Deutschland, von starken Deutschen profitiert immer und indirekt auch die internationale Szene.

Ein Gestalter des Sports, dem solche Zusammenhänge und Kraftlinien bestens vertraut sind, feierte am Bergisel einen runden Geburtstag. Paul Ganzenhuber wurde am 3. Jänner 80. Paul war ÖSV-Cheftrainer, FIS-Urgestein, Trainer und Direktor in Stams, Erfinder des KO-Modus und jahrzehntelang gefragter Rennleiter auch am Bergisel. Paul hat das Skispringen und viele von uns als Freund und Vollprofi begleitet und maßgeblich geprägt. Das Skifest am Bergisel mit dem starken österreichischen Auftritt war ein würdiger Rahmen und feines Dankeschön der Szene.

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