Toni Innauer

„Lieber gut gegangen als schlecht gefahren…“,

„Lieber gut gegangen als schlecht gefahren…“,

Foto: Toni Innauer

 

 

Wir sind leicht zu faszinieren, wenn es um Bewegungserleichterung, im Fall von Segways, E-Scootern, Hoverboards, Solo-Wheels  noch dazu um coole, geräuscharme, aufladbare, „nachhaltige“ Formen des bequemen Ortswechsels geht. Auch „the last Mile“ in den Ortszentren soll – so die Werbung – lustvoll und stylisch gerollt werden.
Ist es wurscht, wenn noch die letzten Gehschritte unter die Räder kommen? Wie z.B. in Salzburg, wo ernsthaft der Bau einer U-Bahn überlegt wird. Sie soll ganze 700 – und fußläufig offenbar nicht mehr zumutbare – Meter lang werden…

Was soll‘s…?, könnte man fragen: Fahren macht Spaß, erleichtert das Leben, die neuen Vehikel stinken und lärmen nicht und schaffen Umsätze und Arbeitsplätze. Weder in Deutschland noch bei uns werden Technikfolgewirkungen in die aktuellen Debatten einbezogen, systematische motorische Verarmung und körperliche Degeneration werden ausgeblendet. Nachhaltig ist die Art des verwendeten Stromes aber auch die langfristige Auswirkung auf unsere Biologie.:

Wer einen Taschenrechner verwendet, verlernt tendenziell das Kopfrechnen, wer mit dem GPS auf dem Smartphone aufwächst, entwickelt in Normalfall weniger Orientierungssinn, Autokorrekturprogramme ersparen vordergründig das Erlernen der wichtigsten Rechtschreibregeln.
Motoren, Digitalisierung und Geschäftssinn bauen das menschliche Bewegungsspektrum und sogar den Sport radikal um. Auf vielen amerikanischen Golfplätzen darf man als Spieler nicht mehr gehen, man muss einen Elektrowagen mieten und von Schlag zu Schlag fahren. BSO und IOC müssen ernsthaft an die Aufnahme von E-Sportarten, die sitzend vor Bildschirmen stattfinden, denken.

Evolutionsbedingt und ursprünglich sinnvollerweise sind wir mit einem biologischen System ausgestattet, das alles, was Ziele mit geringerem Energieaufwand erreichen lässt, belohnt. „Konrad LORENZ nannte es „Funktionslust“, wenn wir es genießen, mühsam zu erlernende Tätigkeiten mit großer Freude und zum reinen Selbstzweck auszuüben. In den „acht Todsünden der Menschheit“ warnte er in diesem Zusammenhang vor der Verführungskraft technischer Spielzeuge. Bewegung und Körperlichkeit sind, im Vergleich zu den erlernten Kulturtechniken Rechnen und Schreiben, biologisch fundamentale Kategorien des Menschseins. Gerade weil sie so selbstverständlich scheinen, sollten sie immer mitbedacht werden.

Die unreflektierte Freude an technischem Spielzeug kann uns langfristig und „nachhaltig“ in gesundheitliche und volkswirtschaftliche Sackgassen lenken, die da nicht nur Adipositas, Diabetes, Osteoporose, oder Depression heißen.

 

Herzlichst – Ihr Toni Innauer

 

 

5 thoughts on “„Lieber gut gegangen als schlecht gefahren…“,

  1. Christian Schiefer

    Super gesagt und
    die Menschheit wundert sich, dass die Kinder von Generation zu Generation verblödet. Kein Wunder

  2. Martin Seitzberger

    Ich zitiere einen bekannten Verkehrsexperten und Verkehrsplaner der TU Wien: “ 70 Millionen Jahre hat der Mensch gebraucht aufrecht gehen zu können in hundert Jahren hat er es wieder verlernt“.

  3. Jochen Esser

    Komm nach Deutschland und werde unser neuer Verkehrsminister!
    Du hast so recht, doch wir scheinen mehr und mehr zu verdummen. Kaum einer weckt uns auf.
    Weiter so, Toni!

  4. Hugo Seidl

    Lieber Toni !
    Sprichst mir aus der Seele.
    Evolution ?
    Vom aufrechten Gang zurück auf alle Vier !!
    LG
    Hugo

  5. Veronika Steinbach

    Oh, lieber Toni, Du hast recht. Es ist traurig, und ich bin froh, dass wir bzw. ich noch mit meinem Kopf lernen konnte. Irgendwann wird man vielleicht auch auf den Trichter kommen, dass einige Dinge, wie Rechtschreibung, einfaches Erlernen der Grundrechenarten, Kopfrechnen mit Fleiß, mehr bringen, als dauernd elektronische Hilfsmittel zu nehmen. Ich finde es auch traurig.

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