Toni Innauer

Veränderungen im Kleinen und Großen?

Veränderungen im Kleinen und Großen?

Foto: Toni Innauer

 

 

Nicht nur Gärten blühen allerorten prachtvoll auf, auch viele Menschen sind so fit „wie seit Jahren nicht mehr“. Üppige Zeitbudgets und gestaute Energie wurden kreativ und kontinuierlich für Sport genützt. Mehr Bewegung und Körperlichkeit stärken die Immunabwehr und liefert die wunderbsame Wiederentdeckung des Körpers als Träger der persönlichen Identität.

Der große Sport allerdings, der ist gänzlich zum Erliegen gekommen. Der Verzicht auf tägliche Live-Übertragungen auf allen Kanälen hat weniger Entzug und Entsetzen ausgelöst als erwartet. Die vermutlich größte Unterhaltungs-Orgel der Welt ist nicht lebensnotwendig, sondern bleibt die „wichtigste Nebensache“.

Ist es wirklich so, dass die Menschen momentan den Fußball, die Formel 1, die tagelangen Skiübertragungen im Sinne von „Brot und Spielen“ so dringend brauchen? Oder suchen wir die aufregend inszenierten Sporthighlights vielmehr dann, wenn wir auf der Flucht vom grauen Alltag und sinnleeren Phasen im Job sind?
Außerdem: würde der Fußball mit Geister-Spielen vor leeren Rängen seinen Sessel nicht zu allzu knapp neben jenen des boomenden E-Sports positionieren und sich damit sogar ein Eigentor schießen?

 

Eine Sache jedenfalls ist klar: Corona hat viele Sportler*innen vor Verletzungen geschützt und die Operationssäle verwaist! Allein der Ausfall der letzten Wettkampfwochen hat im Skirennsport mehr Kreuzbänder gerettet, als all die halbherzigen Bemühungen im ganzen Jahr. Im Fußball dürfte es ganz ähnlich sein. Werden das weit offene Zeitfenster und die ungewöhnliche Distanz zum eigenen Tun genützt, um die unseligen Versäumnisse zu erkennen und endlich entschlossen dagegen zu lenken?

 

Immer schon waren Verletzungspausen auch Nachdenkphasen. Aus der Selbstverständlichkeit der beruflichen Welt hinausgeschleudert, sehen Sportler*innen das Treiben im Zentrum aus dem Abstand der Umlaufbahn und aus radikal veränderter Perspektive. Gedanken an die Zeit nach der Karriere rücken ins Bild und manche starten mit Ausbildungen für danach. Weil die Zwangspause momentan alle betrifft, darf man gespannt sein, ob auch im Großen nicht nur über das „so schnell wie möglich Zurück“ sondern über kluge Kurskorrekturen nachgedacht wurde.

 

Allein ein durch Corona erzwungenes Zurückschrauben des irrwitzigen sportlichen Wettrüstens im Trainings- und Materialbereich, wäre ein Rückschritt nach vorne! Knappere Budgets und Reiseeinschränkungen wirken erfahrungsgemäß unausweichlicher als Appelle an Vernunft, Fairness und  Chancengleichheit.  Wenn alle weniger Aufwand betreiben, gewinnt am Ende doch wieder der/die Beste!

 

Ihr Toni Innauer

 

 

 

 

2 thoughts on “Veränderungen im Kleinen und Großen?

  1. Gerhard Hämmerle

    Hallo Toni!
    Sehr gut geschrieben und treffende Anregung gerade in dieser Zeit! Eine Chance für uns alle uns zu verändernden und gewohnte Verhaltensmuster, oder Lebensstile zu hinterfragen und UMZUSTELLEN!
    LG
    Gerhard

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