Toni Innauer

Bunte Spiele

Bunte Spiele

Foto: Saphenus / Toni Innauer

 

Athletinnen und Athleten führen uns im Minutentakt vor Augen, wie unterschiedlich die Menschen und die sportlichen Herausforderungen sind, welch faszinierende motorische Kunststücke entstehen, wenn man sich jahrelang akribisch mit einer Aufgabe beschäftigt. Aus einem prall gefüllten Wunderhorn purzeln unglaubliche Fertigkeiten und Leistungen, die im Mittelpunkt der Berichterstattung stehen.

Die Kombination aus olympischen Spielregeln, Corona-Schutzmaßnahmen und verlängerter Olympiade zwischen Rio und Tokio liefert uns Szenarien aus einer – außer-olympisch – längst versunkenen Sportwelt: Trikots, Sportstätten und Sportlerköpfe ohne Werbebotschaften, keine Trinkflaschen zwischen Kameras und Gesichtern. Pure, unverstellte Emotionsausbrüche trotz leerer Stadien, fernab von kommerziellem Kalkül und werbetaktischen Hintergedanken und sogar Siegerehrungen ohne anmaßende Aufmärsche von Politikern und Funktionärsbonzen.

So unterschiedlich wie die Bewegungsformen sind auch die Regeln in den verschiedenen Disziplinen, der Erfindungsreichtum der globalen Sportszene ist grenzenlos. Menschen sind nicht nur „lösungsbegabt“, wie Markus Hengstschläger in seinem aktuellen Bestseller schreibt, wir sind auch grandios im Komponieren von immer neuen Herausforderungen und Schwierigkeiten. Mit Blick auf die faszinierenden olympischen Klassiker wie Wasserspringen, Tischtennis, Stabhochsprung, Turnen oder die neuen Bewerbe, wie Skateboard oder BMX-Freestyle, kann das Motto „schneller – höher – stärker“ getrost um die Kategorien „raffinierter“ und „geschickter“ erweitert werden.

Der bronzene Lukas Weißhaidinger, ein engerer Landsmann des Genetikers Markus Hengstschläger, repräsentiert mit seinen 1,96 m und rund 150 kg unverkennbar den Einfluss der Gene auf Körperbau, Motorik und die Wahl der passenden Sportart. Mit körperlich unübersehbaren Argumenten konnte der Luki deswegen nie den Weg zu den nahe gelegenen Skisprungschanzen in Hinzenbach oder Höhnhart, sehr wohl aber den zu den Werfern finden.

Vor über zweieinhalb Jahrtausenden goss der Grieche Myron seinen bronzenen Diskobolos, die berühmte Skulptur eines Diskuswerfers. Es lässt sich an der perfekt geformten Statue unschwer ablesen, dass schon in der Antike vieles über systematische und zielgerichtete Technik und Training in dieser Sportart bekannt war.

Erfolg aber entsteht nicht allein aus dem systematisch gerichteten Abarbeiten von bekannten Inhalten! Hengstschläger beschreibt es, Weißhaidinger und sein Trainer Högler lebten es mutig vor: Es braucht auch die ergebnisoffenen, ungerichtet-experimentellen Strategien, die in Kombination und im Hin und Her mit dem längst Bekannten den großen Wurf ermöglichen.

 

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