Toni Innauer

Coach the Coaches!

Max Gartner war Präsident des kanadischen Skiverbandes. Mit dem Fußball aufgewachsen ist der vielseitig begabte Linzer als Skifahrer ans Skigymnasium Stams gekommen. Bei legendären Klassenmatches hat er mir so manches Tor in den Kasten gezirkelt. In den Achzigern wechselte Max wieder zum grünen Rasen und spielte u.a. mit Didi Constantini bei Wacker Innsbruck, Voest Linz und bei Bayer Uerdingen in der zweiten deutschen Bundesliga. Er studierte Sport an der Uni in Innsbruck und wanderte schließlich – wieder als Skitrainer – nach Kanada aus. Sein Knowhow und gewinnende Persönlichkeit machten ihn als Nationaltrainer erfolgreich und zum Präsidenten.

Nach dieser Rolle wurde ihm die Leitung eines bemerkenswerten Programmes übertragen. „Own the podium“ klingt amerikanisch anmaßend. Dahinter aber steckt die Idee, nicht nur Aktive, sondern auch Trainerinnen und Trainer in ihrer praktischen Arbeit und Zusammenarbeit systematisch zu unterstützen, ihr Rollen- und Aufgabenverständnis zu schärfen.
Erfahrene Experten und Mentoren stehen als Gesprächspartner, Berater und Krisenmanager in belastenden Situationen zur Verfügung. Sie bieten Unterstützung bei Lernprozessen, beim Abfedern kultureller Unterschiede, heiklen internen Entscheidungen, Auftritten in der Öffentlichkeit aber auch persönlichem Stressmanagement an den Schnittstellen von Beruf und Privatleben. Max und seine Mitarbeitercrew agieren seit Jahren und über Spartengrenzen hinweg, egal ob Ski-Alpin, Frauen-Skispringen oder auch Snowboard. Erstaunliche Erfolge und Freude an der Arbeit belegen die hohe Wirksamkeit des Prozesses.

Supervision und Coaching sind in vielen fordernden Berufsgruppen Teil der Ausbildung und längst anerkannte und unverzichtbare berufsbegleitende Maßnahmen. Feedback, Mentoring und Erfahrungsaustausch kommen im therapeutischen, psychologischen, pädagogischen oder medizinischen Bereich standardisiert zum Einsatz.

In unseren Breitengraden – und besonders in psychosozial hochbelasteten Risikosportarten wie Skispringen und Ski alpin – wird die Bedeutung eines solchen Prozesses noch, bzw. wieder einmal, sträflich unterschätzt. Verbandsverantwortliche träumen nach wie vor – und nicht nur im Fußball – vom heilbringenden autonomen Wunderwuzzi, Supertrainern, „Titanen“ oder genialen Sportdirektoren.
Ehrgeizige Trainer sehen sich zu oft als entschlossen-grimmige Einzelkämpfer und verwegene Abenteurer auf der kompromisslosen Reise zu den hochdotierten Jobs an der Spitze. Auf diesem extremen Weg mangelt es an erfahrenen und vertrauten Ansprechpartner und professioneller Begleitung für den Einzelnen. Die Entstehung einer wertvollen Sportkultur kann dabei leicht auf der Strecke bleiben.

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