Toni Innauer

Hunt the Fat Cat

In England wurde jener symbolträchtige Tag im Jahreslauf, an dem die Topmanager soviel verdient haben wie normale Arbeitnehmer:innen im ganzen Jahr, Fat Cat Day getauft. In Deutschland ist dies der 5. Januar, in Österreich vermutlich – und ohne Bedeutungszusammenhang – der Dreikönigstag. Chefs von Dax-Konzernen sind schon nach dreieinhalb Tagen angekommen, ein Teil davon mit Sicherheit gerade im Urlaub.

Hat das noch etwas mit Leistung oder gar mit adäquater Bezahlung zu tun? Leisten die CEOs tatsächlich um das 200fache mehr als normale Beschäftigte? Warum ist die Verhältnismäßigkeit in Amerika extremer als in Europa, warum sind die Skandinavier und ihre Weltkonzerne maßvoller und eher bei einem Verhältnis von 20:1 als 280:1 wie in den USA?

Was haben diese Themen und Vergleiche in einer sportnahen Kolumne zu suchen? Die Frage ist, ob es Parallelstrukturen gibt im professionalisierten Sport oder, ob die Dinge im Leistungssport – nomen est omen – fairer, gerechter organisiert sind als in der globalen Wirtschaft.

Schon der Vergleich innerhalb der Sportarten lässt den Glauben daran, dass Einsatz, Anstrengung, Leistung und Erfolg immer angemessen fair belohnt werden, wanken. Das Idealmodell nationaler olympischer Komitees, in dem Goldmedaillen unabhängig von der Disziplin gleichviel Gold-Philharmoniker wert sind, kommt außerhalb der Ringe kaum zur Anwendung.

Bis Anfang der 90er und im internen Vergleich Alpin zu Skispringen wäre der besondere Tag bezeichnenderweise auf den Aschermittwoch gefallen. Die internationalen Skisprung-Einschaltquoten haben den Tag mittlerweile über das Erntedankfest hinaus in den Frühwinter geschoben! Der internationale Fat Cat Tag des Sports wird kaum das verrauchte Morgengrauen des neuen Jahres erblicken. Astronomische Fußballsummen oder die, mit saudischem Öl gesponsorte, neue LIV-Golf Tour sorgen dafür.

Den Seinen gibts der Herr im Schlaf…

Besondere Spannung bietet der Sport, wenn die Budget-Goliaths und Titanen wackeln, wenn Fat Cat plötzlich laufen muss wie alle anderen. Wenn Red-Bull Salzburg oder Bayern München durch besondere Konstellationen sogar im eigenen Land wackeln. In der Serie A in Italien freuen sich (fast) alle auf den bevorstehenden sensationellen Meistertitel des SSC Napoli. Endlich wieder einmal hat man es den reichen Clubs im Norden gezeigt. Man hat die fetten Katzen mit dem runden Ball und großem Vergnügen über den Stiefel gescheucht.

Darin liegt der faszinierende Unterschied: Sport bleibt, allen finanziellen Absicherungen der Erfolgsarchitekten zum Trotz, doch noch ein Spiel, bei dem man auch verlieren kann.

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